Superfood Smoothies gar nicht so SUPER

Superfood-Smoothies sind nicht so super, wie der Name auf den ersten Blick vermuten lässt. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hessen zeigt: Die angepriesenen Superfoods wie Gojibeeren, Chiasamen, Spirulina-Algen oder Matcha stecken nur in sehr geringer Menge in den Smoothies. Stattdessen machen Apfel-, Orangensaft und Bananenmark in der Regel den Hauptteil der Smoothies aus, was jedoch erst aus der Zutatenliste hervorgeht.

Die Hälfte der Verbraucher geht beim Griff zu Superfood-Smoothies von einem Zusatznutzen aus oder ist zumindest unsicher, ob Superfood-Smoothies gesundheitliche Vorteile bieten, so das Ergebnis einer parallel zur Marktstichprobe durchgeführten Umfrage der Verbraucherzentrale Hessen. Die Hersteller profitieren von dieser Unsicherheit, denn im Handel kostet die neue Smoothie-Generation im Durchschnitt deutlich mehr als Smoothies ohne die trendigen Superfoods.

Zutatenliste zeigt verschwindende Anteile am Produkt

25 Superfood-Smoothies haben die Experten Anfang 2016 in einer Marktstichprobe bewertet. Neben der enthaltenen Menge an beworbenen Superfoods waren die Abbildung oder Nennung der Hauptzutaten auf der Schauseite und die Preisdifferenz zu Smoothies ohne Superfoods weitere Bewertungskriterien.

Alle Smoothies im Test stellen auf der Schauseite Açai, Guarana, Kurkuma, Matcha oder weitere Superfoods heraus. Etwa ein Drittel der geprüften Smoothies weckt zusätzlich durch den Produktnamen oder Hinweise wie „Wachmacher“, „Detox“ oder „Kraftpaket“ die Erwartung an positive Wirkungen. Erst der Blick in die Zutatenliste zeigt, dass die zugesetzten Mengen an Superfoods verschwindend gering sind. Ein (meist nicht einmal nachgewiesener) gesundheitlicher Zusatznutzen dieser Alibi-Zutaten ist daher in der Regel auszuschließen.

Stattdessen liefern meist Apfel-, Orangen- oder Traubensaft und Bananenmark mengenmäßig den größten Anteil des Smoothies. Bei rund zwei Drittel der Smoothies benennen die Hersteller diese preisgünstigen Zutaten jedoch nicht auf der Schauseite.

Preis liegt bis zu 40 Prozent höher

Die Kunden müssen für einen Superfood-Smoothie häufig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Denn preislich lagen die Smoothies im Test in mehr als zwei Dritteln der Fälle mindestens 15 bis hin zu 40 Prozent über dem Durchschnittspreis für konventionelle und Bio-Smoothies ohne Superfoods.

Parallel zur Marktstichprobe wurden Verbraucher online zur Einschätzung des zusätzlichen gesundheitlichen Nutzens durch Superfoods in Smoothies befragt. Die Ergebnisse der nicht repräsentativen Umfrage zeigen: Fast die Hälfte der Teilnehmenden (46 Prozent) geht bei Superfood-Smoothies von einem zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen aus oder ist sich unsicher, ob Superfoods nicht gesundheitliche Vorteile bieten. 31 Prozent der Teilnehmenden erwarten keinen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen. 23 Prozent interessieren sich schlicht nicht für Superfood-Smoothies.

Hersteller profitieren von medialem Hype

Insgesamt macht die Marktstichprobe deutlich: Trendige Superfoods sind ein typisches Beispiel für Alibi-Zutaten und damit ein großes Ärgernis für Verbraucher. Das zeigen auch die Produktbeschwerden an unser Portal Lebensmittelklarheit immer wieder. Hersteller profitieren von dem medialen Hype um die Superfoods, denn sie müssen ihre Kunden nicht mehr selbst von den nicht belegten Wirkungen überzeugen – das übernehmen schon längst Blogs im Internet, Bücher und Zeitschriften für sie.

Tipps für Verbraucher

Schon normale Smoothies – flüssige Früchte – sind gegenüber „normalem“ Gemüse und Obst nur zweite Wahl. Die Qualität von Smoothies ist sehr unterschiedlich, da es hierfür keinerlei lebensmittelrechtliche Vorschriften gibt.

  • Bei Superfood-Smoothies sollten Sie das Verhältnis zwischen teurem Preis und tatsächlich enthaltenen Mengen an Superfoods abwägen.
  • Superfood-Smoothies können Sie mit heimischen und kostengünstigeren Superfoods wie dunkelroten oder blauen Beeren, Leinsamen, Spinat, Kohl oder Kräutern unter Einhaltung der Hygieneregeln selbst zubereiten.

Kommentar hinterlassen