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Südkoreas junge Frauen: Von der Kraft der Proteste zur Unsichtbarkeit im Wahlkampf

DavidRockDesign (CC0), Pixabay
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Im Winter 2024 waren sie die treibende Kraft auf den Straßen: Zehntausende junge Frauen protestierten in eisiger Kälte gegen den damaligen Präsidenten Yoon Suk Yeol – zunächst wegen seines dramatischen Versuchs, das Parlament mit Hilfe des Militärs auszuschalten, später wegen eines umfassenderen Missstands: struktureller Diskriminierung, die Frauen in Südkorea täglich spüren. Jetzt, kurz vor der Präsidentschaftswahl am 3. Juni 2025, fühlen sich viele dieser Frauen wieder übersehen und ignoriert.

Protest mit Pop und politischem Ernst

Die Demonstrationen gegen Yoon wurden zu einem Symbol weiblichen Widerstands. Junge Frauen sangen Lieder wie „Into the New World“ von Girls‘ Generation – ein K-Pop-Hit, der schon bei früheren Protesten gegen Korruption zum Einsatz kam. Die Protestierenden, viele davon in ihren 20ern, hielten Lichter, Plakate und Kerzen in die Höhe. Es ging um mehr als nur den Rücktritt eines Präsidenten – es ging um Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und politische Teilhabe.

Politische Ignoranz trotz historischem Einfluss

Trotz ihres Engagements sehen sich die Frauen nun erneut an den Rand gedrängt. Die beiden führenden Präsidentschaftskandidaten – Lee Jae-myung (Demokratische Partei) und Kim Moon-soo (regierende People Power Party) – haben Gleichstellung kaum thematisiert. Vor allem Lee, derzeitiger Favorit, meidet das Thema spürbar, wohl aus Angst, Wählerstimmen männlicher Jungwähler zu verlieren, die sich durch feministische Politik benachteiligt fühlen.

Antifeminismus als politisches Kapital

Besonders besorgniserregend ist für viele Frauen das Erstarken des 40-jährigen Kandidaten Lee Jun-seok, der mit offen antifeministischen Positionen vor allem junge Männer anspricht. In einer Fernsehdebatte provozierte er mit einer derart misogynen Aussage, dass Beobachter von einem Tiefpunkt des politischen Diskurses sprachen. Und dennoch: Er gewinnt an Popularität – gerade bei jenen, die sich von Feminismus „bedroht“ fühlen.

Symbolpolitik und ihre Folgen

Ein zentrales Ziel des ehemaligen Präsidenten Yoon war die Abschaffung des Ministeriums für Gleichstellung und Familie. Unter seinem Einfluss entfernten zahlreiche Institutionen das Wort „Frau“ aus ihren Titeln – ein symbolischer, aber tiefgreifender Schritt. Lee Jae-myung will das Ministerium stärken, Kim Moon-soo es durch ein „Zukunftsministerium für Jugend und Familie“ ersetzen – ein Schritt, den viele als Rückschritt empfinden.

Stimmen, die gehört werden wollen

Viele Frauen, die sich an den Protesten beteiligten, fühlen sich vom politischen Diskurs ausgeschlossen und verraten. Sie fragen sich, ob ihr Engagement, ihr Mut und ihre Stimme überhaupt etwas verändert haben. Die Frustration ist greifbar, aber der Wille zur Veränderung bleibt stark.

„Man denkt, junge Frauen seien schwach – aber wir geben nicht auf“, sagt eine Demonstrantin. Ihre Erfahrungen haben ihre Sicht auf Politik verändert: Sie ist nicht mehr abstrakt, sondern persönlich.

Fazit

Südkoreas junge Frauen haben mit ihren Protesten Geschichte geschrieben – doch im aktuellen Wahlkampf drohen sie in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Während antifeministische Stimmen an Gewicht gewinnen, wird Gleichstellungspolitik zur strategischen Vermeidung. Für viele bleibt nur die Hoffnung, dass ihr politisches Erwachen langfristig wirkt – auch wenn es gerade scheint, als wolle man sie wieder zum Schweigen bringen. Doch sie sind da. Und sie sind laut.

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