Beim traditionsreichen US-Nachrichtenmagazin „60 Minutes“ eskaliert offenbar der interne Machtkampf. In einer geleakten Mitarbeiterversammlung soll der langjährige CBS-Journalist Scott Pelley die neue Führung des Senders ungewöhnlich scharf attackiert haben.
Laut Berichten der „New York Times“ und des Medienportals „Status“ warf Pelley der neuen CBS-Chefredakteurin Bari Weiss vor, die renommierte Nachrichtensendung regelrecht „zu zerstören“.
Wörtlich soll der 68-Jährige gesagt haben:
„Sie bringt ‚60 Minutes‘ um.“
Pelley arbeitet seit fast 40 Jahren für CBS und gehört seit über zwei Jahrzehnten zum festen Team von „60 Minutes“. Entsprechend groß ist sein Einfluss innerhalb der traditionsreichen Sendung.
Auslöser der Spannungen war offenbar die Vorstellung des neuen ausführenden Produzenten Nick Bilton. Der ehemalige Technologie-Kolumnist und Investigativjournalist soll künftig die Leitung von „60 Minutes“ übernehmen.
Pelley stellte dessen Qualifikation jedoch offen infrage und bezeichnete dessen Erfahrungen laut Berichten als „dürftig“. Besonders kritisch sieht er offenbar, dass Bilton bislang kaum Erfahrung im klassischen Fernsehjournalismus oder in der Leitung großer TV-Redaktionen besitzt.
Die Situation eskalierte, nachdem Bilton den Mitarbeitern erklärt haben soll, Bari Weiss liebe „60 Minutes“ und wolle die Institution stärken. Genau darauf reagierte Pelley offenbar mit seinem scharfen Vorwurf gegen die CBS-Führung.
Zusätzlich kritisierte Pelley massive personelle Veränderungen innerhalb des Senders. In den vergangenen Monaten hatte CBS zahlreiche bekannte Mitarbeiter entlassen oder ausgetauscht. Branchenintern wurde bereits von einem „Black Thursday“ gesprochen.
Unter den Betroffenen befanden sich auch langjährige Führungskräfte und prominente Journalistinnen der Sendung. Einige der entlassenen Mitarbeiter vermuten politische Motive hinter den Entscheidungen.
Die Umstrukturierungen sorgen in der amerikanischen Medienbranche inzwischen für erhebliche Unruhe. Kritiker befürchten, dass der traditionsreiche investigative Journalismus von „60 Minutes“ zunehmend unter wirtschaftlichen und politischen Druck gerät.
Der frühere ausführende Produzent Bill Owens hatte zuletzt öffentlich erklärt, „60 Minutes“ dürfe kein Ort werden, an dem parteipolitische oder ideologische Interessen die journalistische Arbeit bestimmen.
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