Vor dem Obersten Gerichtshof der USA geht es im Verfahren zum Geburtsrecht nicht nur um die Frage der Staatsbürgerschaft. Experten weisen darauf hin, dass eine Einschränkung des Geburtsrechts auch erhebliche Folgen für die medizinische Versorgung von Neugeborenen haben könnte.
Frühzeitige medizinische Versorgung gefährdet
Unmittelbar nach der Geburt erhalten Babys in den USA eine Reihe wichtiger Vorsorgeuntersuchungen. Dazu gehören Tests auf Gelbsucht, Herzfehler, Stoffwechselerkrankungen und Hörstörungen. Viele dieser Untersuchungen müssen innerhalb der ersten Lebenstage erfolgen, um bleibende gesundheitliche Schäden zu verhindern.
Kinderärzte und Gesundheitsexperten befürchten, dass Verzögerungen bei der Registrierung von Neugeborenen den Zugang zu diesen Leistungen erschweren könnten.
Hintergrund des Verfahrens
Seit Inkrafttreten des 14. Verfassungszusatzes im Jahr 1868 erhalten grundsätzlich alle in den USA geborenen Kinder automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Präsident Donald Trump hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit eine Verfügung unterzeichnet, mit der dieses Geburtsrecht eingeschränkt werden soll.
Mehrere Gerichte stoppten die Umsetzung zunächst. Nun muss der Supreme Court endgültig über die Rechtmäßigkeit der Regelung entscheiden.
Sorge vor bürokratischen Hürden
Nach Einschätzung von Kinderrechtsorganisationen könnte eine Abschaffung des automatischen Geburtsrechts dazu führen, dass Krankenhäuser künftig zunächst den Staatsbürgerschaftsstatus eines Neugeborenen klären müssten.
Dies könnte die Ausstellung einer Sozialversicherungsnummer verzögern. Ohne diese Nummer ist der Zugang zu staatlichen Gesundheitsprogrammen, Krankenversicherung und weiteren Unterstützungsleistungen deutlich erschwert.
Millionen Familien betroffen
Nach Angaben von Experten verfügen mehr als 21 Millionen US-Bürger nicht unmittelbar über Dokumente, mit denen sie ihre Staatsbürgerschaft nachweisen können.
Selbst wenn Eltern den Nachweis später erbringen könnten, würden zusätzliche Verwaltungsverfahren den Zugang zu medizinischer Versorgung verzögern. Besonders problematisch wäre dies in den ersten Lebenstagen eines Kindes.
Wichtige Untersuchungen in den ersten Lebenstagen
Während der ersten Woche nach der Geburt werden Neugeborene regelmäßig untersucht. Ärzte kontrollieren unter anderem:
- Gelbsucht und Bilirubinwerte
- Angeborene Herzfehler mittels Pulsoximetrie
- Stoffwechsel- und Erbkrankheiten durch den sogenannten Fersenbluttest
- Hörvermögen
- Gewichtsentwicklung und Nahrungsaufnahme
Viele dieser Untersuchungen dienen dazu, Krankheiten frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig behandeln zu können.
Langfristige Folgen möglich
Kinderärzte warnen davor, dass verspätete Untersuchungen schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können. Unbehandelte Stoffwechselstörungen, Herzfehler oder ausgeprägte Gelbsucht können zu dauerhaften Entwicklungsstörungen oder sogar bleibenden Hirnschäden führen.
Auch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen im ersten Lebensjahr spielen eine wichtige Rolle. Dabei werden Wachstum, Entwicklung, Impfungen sowie mögliche Seh-, Hör- und Atemprobleme überwacht.
Auswirkungen auch auf Familien
Neben der medizinischen Versorgung sehen Fachleute auch finanzielle Risiken. Etwa jedes zweite in den USA geborene Kind wird über Medicaid oder das Children’s Health Insurance Program (CHIP) versichert.
Sollte der Zugang zu diesen Programmen durch zusätzliche Bürokratie erschwert werden, könnten insbesondere Familien mit schwer erkrankten Kindern erheblich belastet werden.
Experten fordern einfache Verfahren
Kinderärzte und Kinderrechtsorganisationen appellieren daher an die Politik, den Zugang zur medizinischen Versorgung von Neugeborenen unabhängig von verwaltungsrechtlichen Fragen sicherzustellen.
Nach ihrer Einschätzung dürften bürokratische Hürden niemals dazu führen, dass Babys notwendige Untersuchungen oder lebenswichtige Behandlungen verspätet erhalten. Denn gerade in den ersten Lebenstagen könne jede Verzögerung entscheidend für die spätere Gesundheit eines Kindes sein.
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