Startseite Allgemeines Straße der Weltwirtschaft steht still: Iran und USA weiter weit von Einigung entfernt
Allgemeines

Straße der Weltwirtschaft steht still: Iran und USA weiter weit von Einigung entfernt

FarkhodVakhob9TJK9 (CC0), Pixabay
Teilen

Im Machtpoker zwischen Washington und Teheran spitzt sich die Lage erneut zu: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist faktisch zum Erliegen gekommen, während Iran und die USA öffentlich zwar Gesprächsbereitschaft signalisieren, in der Sache aber weiter hart aufeinanderprallen. Kurz vor dem Auslaufen der fragilen Waffenruhe wächst die Sorge vor einer neuen Eskalation – mit potenziell dramatischen Folgen für den Ölmarkt und die gesamte Weltwirtschaft.

Irans Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf machte am Sonntag im Staatsfernsehen klar, dass von einem Durchbruch keine Rede sein könne. Zwar habe es in den Gesprächen mit den USA „Fortschritte“ gegeben und beide Seiten hätten ein „realistischeres Verständnis“ voneinander entwickelt. Zugleich seien die Differenzen aber weiterhin erheblich, man sei „noch weit von einer endgültigen Einigung entfernt“. Vor allem in zwei Punkten liege man auseinander: beim iranischen Atomprogramm – und bei der Kontrolle über die Straße von Hormus.

US-Präsident Donald Trump bemühte sich parallel um demonstrative Zuversicht, klang dabei aber zunehmend gereizt. Es gebe „sehr gute Gespräche“, sagte er im Weißen Haus. Doch Teheran habe sich „ein bisschen zu clever“ angestellt. Den Versuch, die Wiederöffnung der strategisch wichtigen Meerenge an Bedingungen zu knüpfen, wolle er nicht akzeptieren. „Wir lassen uns nicht erpressen“, erklärte Trump. Die amerikanische Blockade iranischer Häfen werde so lange bestehen bleiben, bis der „Deal zu 100 Prozent abgeschlossen“ sei.

Genau diese Blockade ist es, die Teheran nun als Bruch des Waffenstillstands wertet. Die iranische Führung wirft Washington „Vertrauensbruch“ vor und hat daraufhin die Straße von Hormus erneut teilweise geschlossen. Die Islamischen Revolutionsgarden erklärten, die Wasserstraße bleibe dicht, solange US-Kriegsschiffe iranische Häfen abschirmten und Handelsschiffe zurückdrängten. Die Botschaft ist eindeutig: Iran will zeigen, dass es weiterhin über ein mächtiges Druckmittel verfügt.

Die Folgen sind bereits sichtbar. Nach Angaben von Schifffahrtsdiensten ist der Verkehr durch die Meerenge nahezu vollständig zum Stillstand gekommen. Zwei Tanker, die noch versucht hatten, den Persischen Golf zu verlassen, drehten südlich der iranischen Insel Larak wieder ab. Weitere Schiffe wagten sich gar nicht erst in die Passage. Die Straße von Hormus gilt als neuralgischer Punkt des globalen Energiesystems: Rund ein Fünftel der weltweiten täglichen Ölproduktion und ein ähnlich großer Anteil des weltweiten Flüssiggas-Handels passieren normalerweise diese nur wenige Kilometer breite Passage zwischen Iran und Oman.

Damit steigt der Druck auf die internationalen Energiemärkte. Analysten warnen bereits, dass Öl- und Gaspreise erhöht bleiben dürften, solange die Route blockiert ist. Alternative Transportwege sind begrenzt. Sollte die Sperrung länger andauern, könnte aus einer regionalen Konfrontation rasch ein globales Wirtschaftsproblem werden.

Besonders brisant: Parallel zur politischen Eskalation mehren sich Berichte über direkte Zwischenfälle auf See. Nach Angaben von Schifffahrtsbehörden sollen iranische Schnellboote auf einen Tanker geschossen haben, der die Meerenge passieren wollte. Ein weiteres Schiff sei von einem Geschoss getroffen worden. Indien teilte mit, zwei Schiffe unter indischer Flagge seien in Vorfälle verwickelt gewesen, und bestellte den iranischen Botschafter ein. Die maritime Sicherheitslage in der Region verschlechtert sich damit spürbar.

Auch innerhalb Irans sendet die Führung Signale der Härte. Präsident Massud Peseschkian erklärte, Trump könne dem Iran nicht das Recht auf ein ziviles Atomprogramm absprechen. „Mit welchem Recht will er einer Nation ihre gesetzlichen Rechte nehmen?“, fragte er laut iranischen Medien. Ghalibaf wiederum betonte, Iran habe strategisch die Oberhand, auch wenn die USA militärisch weiterhin überlegen seien. Die schnelle erneute Schließung der Straße von Hormus solle genau das demonstrieren: Der Staat sei handlungsfähig, kontrolliere den Engpass – und sei bereit, weiter zu pokern.

In Islamabad, wo zuletzt 21 Stunden lang direkt verhandelt wurde, laufen nach Medienberichten bereits Vorbereitungen für eine weitere Gesprächsrunde. Offiziell bestätigt ist ein neuer Termin allerdings nicht. Hinter den Kulissen dürfte der Druck enorm sein. Denn die aktuelle Waffenruhe läuft in wenigen Tagen aus. Sollte bis dahin kein belastbarer Rahmen für ein Abkommen stehen, droht das, was beide Seiten offiziell vermeiden wollen: ein Rückfall in offene militärische Konfrontation.

Die Lage ist damit paradox. Beide Seiten sprechen von Fortschritten. Beide Seiten betonen, man rede weiter. Und beide Seiten verschärfen gleichzeitig den Druck – militärisch, wirtschaftlich, rhetorisch. Es ist ein diplomatisches Ritual mit hohem Eskalationspotenzial: Optimismus in der Sprache, Maximalforderungen in der Praxis.

Für die Welt bleibt vor allem eine Erkenntnis: Solange Hormus stillsteht, ist auch die Illusion einer schnellen Entspannung dahin.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Hat Wirtschaftsministerin Reiche nicht gesagt: „Kerosin? Kein Problem!“

Deutschland entdeckt pünktlich zur Urlaubssaison eine neue Extremsportart: den theoretischen Sommerurlaub. Denn...

Allgemeines

Harmoniegipfel

Kurz vor dem großen Harmonie-Gipfel zwischen Donald Trump und Xi Jinping erinnert...

Allgemeines

Ungarns neue Zeitrechnung

Mit Peter Magyar beginnt in Ungarn eine neue politische Ära. Nach dem...

Allgemeines

Tokioer Schrein wird zur Pilgerstätte für Konzerttickets

Mitten zwischen Hochhäusern, Luxusgeschäften und gestressten Geschäftsleuten im Tokioter Stadtteil Nihonbashi versteckt...