Wer in den USA derzeit an der Fleischtheke steht, erlebt mitunter einen kleinen Herzstillstand. Ein Ribeye-Steak für rund 22 Dollar pro Pfund? Da fragt sich mancher Verbraucher inzwischen, ob er gerade Fleisch kauft oder eine Anzahlung auf ein Eigenheim leistet.
Die Preise für Rindfleisch haben in den Vereinigten Staaten neue Rekordstände erreicht. Im April lag der durchschnittliche Verkaufspreis bei 9,64 Dollar pro Pfund – rund 13 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor. Und anders als viele vermuten, ist diesmal nicht allein die Inflation schuld.
Die Kühe werden knapp
Der Hauptgrund ist überraschend einfach:
Es gibt zu wenige Rinder.
Der amerikanische Rinderbestand ist auf den niedrigsten Stand seit 1951 gefallen. Nur noch rund 86 Millionen Tiere stehen landesweit auf den Weiden – deutlich weniger als noch vor einigen Jahren.
Schuld daran ist vor allem die langjährige Dürre in vielen Bundesstaaten. Weil Weiden austrockneten und Futter knapp oder teuer wurde, mussten viele Rancher ihre Herden verkleinern.
Das Problem dabei:
Eine Kuh ist kein Kopfsalat.
Man kann sie nicht einfach nächste Woche neu anpflanzen.
Eine Kuh braucht Zeit
Selbst wenn Landwirte heute beginnen, ihre Bestände wieder aufzustocken, dauert es Jahre, bis zusätzliche Tiere tatsächlich als Fleisch auf dem Markt landen.
Experten rechnen damit, dass der Mangel noch lange spürbar bleiben wird. Manche Beobachter gehen sogar davon aus, dass die Preise bis 2030 auf hohem Niveau bleiben könnten.
Die Amerikaner lieben ihr Steak weiterhin
Normalerweise würde man erwarten, dass Verbraucher bei steigenden Preisen weniger kaufen.
Nicht beim Steak.
Amerikaner greifen weiterhin beherzt zu.
Ein Grund dafür ist der anhaltende Protein-Trend. Während früher Kalorien gezählt wurden, schauen heute viele Menschen vor allem auf ihren Eiweißkonsum. Rindfleisch profitiert davon erheblich.
Hinzu kommt: Die Qualität des Fleisches hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Moderne Zuchtmethoden sorgen für mehr Marmorierung und besseren Geschmack. Das hält die Nachfrage hoch – trotz der steigenden Preise.
Selbst Hackfleisch wird teuer
Besonders ärgerlich für Verbraucher:
Nicht nur die edlen Steaks werden teurer.
Auch Hackfleisch zieht kräftig an.
Viele Familien waren bisher auf Burger und Hackfleisch ausgewichen, wenn ihnen die Premium-Steaks zu teuer wurden. Doch genau dort entsteht nun ebenfalls Knappheit.
Importe helfen nur begrenzt
Die USA importieren inzwischen mehr Rindfleisch aus Ländern wie Brasilien, Australien, Kanada oder Neuseeland. Dennoch reicht das nicht aus, um die heimischen Engpässe vollständig auszugleichen. Experten erwarten, dass jedem Amerikaner rechnerisch sogar weniger Rindfleisch zur Verfügung stehen wird als im Vorjahr.
Fazit
Die Ursache der Preisexplosion liegt nicht an einer kurzfristigen Krise, sondern an Entwicklungen, die sich über Jahre aufgebaut haben.
Zu wenige Rinder.
Zu viel Nachfrage.
Zu wenig schnelle Lösungen.
Für amerikanische Grillfans bedeutet das vorerst:
Der nächste Grillabend findet weiterhin statt – aber beim Blick auf den Kassenzettel könnte mancher Burger plötzlich wie ein Luxusprodukt wirken. Und wer sich ein schönes Ribeye gönnt, sollte es vermutlich genauso genießen wie einen guten Rotwein:
Langsam, bewusst und mit dem Wissen, dass es gerade ziemlich teuer war.
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