Neben der fortschreitenden Erderwärmung könnte sich in diesem Jahr noch ein weiteres Problem aufbauen: ein möglicherweise besonders starker El Niño, über den bereits als möglicher „Super-El-Niño“ spekuliert wird.
Nach Angaben der US-Klimabehörde NOAA besteht für den Zeitraum Juni bis August eine 62-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass sich ein El Niño entwickelt. Dabei erwärmt sich ein Teil des tropischen Pazifiks – mit teils drastischen Folgen: In einigen Regionen drohen Überschwemmungen, in anderen Dürren, Ernteausfälle und Waldbrände.
Ob es tatsächlich zu einem außergewöhnlich starken Ereignis kommt, ist laut Klimaforschern derzeit aber noch offen. Der deutsche Klimaexperte Mojib Latif spricht von einer „50:50-Chance“. Entscheidend seien schwer vorhersehbare Windschwankungen über dem Pazifik. Viel Wärme sei in den oberen Meeresschichten bereits gespeichert – die Voraussetzungen für ein starkes Ereignis seien also vorhanden.
Ein „Super-El-Niño“ ist übrigens kein offizieller Fachbegriff, sondern wird gelegentlich verwendet, um besonders intensive El-Niño-Phasen zu beschreiben.
Für Mitteleuropa kaum direkte Folgen – aber indirekte sehr wohl
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz wären direkte Auswirkungen laut Fachleuten vermutlich eher gering. Europa liegt zu weit vom tropischen Pazifik entfernt, sodass viele Wettersignale unterwegs abgeschwächt werden. Wenn überhaupt, könnte El Niño die Wahrscheinlichkeit für kühleres und feuchteres Wetter leicht erhöhen – verlässliche Prognosen sind dafür aber noch nicht möglich.
Spürbarer könnten dagegen die indirekten Folgen sein: Schlechte Ernten im Pazifikraum könnten weltweit die Preise für Kaffee, Kakao oder Zucker steigen lassen.
Klimaerwärmung bleibt der Haupttreiber
Besonders alarmierend: Selbst ohne El Niño sind die globalen Luft- und Meerestemperaturen bereits wieder auf Rekordkurs. Für Klimaforscher ist das ein deutliches Signal, dass inzwischen vor allem die menschgemachte Erderwärmung den Takt vorgibt.
Ein El Niño könnte die Temperaturen zusätzlich anheizen – nötig wäre er dafür aber offenbar längst nicht mehr.
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