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Skandal am Leipziger Uniklinikum? Chef der Notaufnahme plötzlich weg – und keiner will’s gewesen sein

Maklay62 (CC0), Pixabay
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Im Universitätsklinikum Leipzig sorgt eine Personalentscheidung gerade für reichlich Stirnrunzeln – und zwar nicht nur in der Liebigstraße. Der langjährige Leiter der Zentralen Notaufnahme, Professor André Gries, ist laut UKL seit Ende vergangener Woche mit sofortiger Wirkung freigestellt.
Ein Satz, der in deutscher Verwaltungssprache ungefähr so klingt wie:
„Alles ganz normal“ – nur mit Hausverbot und maximalem Flurschaden.

Ab sofort übernimmt eine Doppelspitze aus zwei erfahrenen Oberärzten, Dr. Katja Petros und Dr. Christian Seeber. Das UKL spricht dabei von einer „Neuausrichtung in der Leitung der Zentralen Notaufnahme“.
Natürlich.
Wenn in Deutschland jemand überraschend freigestellt wird, ohne Dankesrede, ohne Blumenstrauß, ohne Abschiedssätze und angeblich sogar mit Hausverbot, dann heißt das nie Krise, Konflikt oder Krach – sondern immer ganz elegant:
Neuausrichtung.

Medizin-Vorstand Professor Christoph Josten versichert dazu pflichtgemäß, die Notaufnahme und die Versorgung der Patientinnen und Patienten seien „weiterhin in sehr guten Händen“.
Das ist beruhigend.
Vor allem, weil man sich unweigerlich fragt, in wessen Händen sie denn vorher gewesen sein sollen, wenn ein Mann mit dieser Vita plötzlich so aus dem Gebäude getragen wird, als hätte er heimlich den Defibrillator auf Ebay verkauft.

Denn reden wir kurz über den Mann, der hier offenbar im Eiltempo entsorgt wurde:
Professor André Gries ist nicht irgendein Assistenzarzt mit Kaffeebecher und Pager. Der Mann war seit 2011 Leiter der Zentralen Notaufnahme am UKL, war zuvor in Heidelberg und Fulda tätig, arbeitete als Notarzt, in der Luftrettung, leitete ein Luftrettungszentrum der DRF, kümmerte sich um Qualitätsmanagement, ist Taucherarzt, wissenschaftlich aktiv, Herausgeber von Fachzeitschriften und wurde 2022 mit der Rudolf-Frey-Medaille für besondere Verdienste in der Notfallmedizin ausgezeichnet.
Anders gesagt:
Keine Laufbahn, bei der man normalerweise denkt: Den stellen wir am Freitag frei und tauschen am Montag das Türschild.

Offiziell bleibt alles wie immer im Nebel der deutschen Institutionenwelt.
Das UKL erklärt auf Nachfrage, zu „persönlichen oder organisatorischen Hintergründen“ könne man nichts sagen.
Gries selbst schweigt ebenfalls.
Und damit sind wir wieder bei der beliebtesten deutschen Krisenkommunikation seit Erfindung des Aktenordners:
Es gibt keine Erklärung, aber bitte keine Spekulationen.

Nur: Genau das ist natürlich der perfekte Nährboden für Spekulationen.
Denn wenn ein langjähriger, hochdekorierter Chef einer so zentralen Abteilung ohne jede öffentliche Würdigung, ohne üblichen Dank, mit sofortiger Wirkung und laut Berichten sogar mit Hausverbot aus dem Amt genommen wird, dann wirkt das eben nicht wie ein „halbwegs friedlicher Wechsel“.
Das wirkt eher wie:
Da ist intern etwas derart eskaliert, dass man selbst für eine höfliche Pressemitteilung keine Kraft mehr hatte.

Laut Berichten soll die Chemie zwischen Gries und Josten schon länger nicht die beste gewesen sein.
Was das konkret bedeutet?
Niemand sagt es.
War es ein Führungsstreit? Ein Machtkampf? Ein Konflikt über Strukturen, Kompetenzen oder Zuständigkeiten?
Vielleicht. Vielleicht auch etwas ganz anderes.
Aber wenn die Chemie an einer Klinikspitze so schlecht ist, dass am Ende ein renommierter Notfallmediziner quasi per Schleudersitz verschwindet, dann darf man schon fragen:
Was läuft da bitte hinter den Kulissen eines Universitätsklinikums?

Noch pikanter: Nach Informationen der LVZ könnte der Fall sogar vor dem Arbeitsgericht landen.
Das wäre dann endgültig die Kirsche auf dieser „Neuausrichtung“.
Denn nichts schreit lauter nach vertrauensvoller Trennung als ein möglicher Rechtsstreit plus Hausverbot.

Und genau hier beginnt das eigentliche Unverständnis.
Wir reden hier nicht über irgendein mittelgroßes Büroproblem in der Marketingabteilung, wo man sich um PowerPoint-Farben gestritten hat.
Wir reden über die Leitung der Zentralen Notaufnahme eines Universitätsklinikums.
Also über einen Bereich, in dem Menschen im Zweifel nicht auf einen Jour fixe warten, sondern um ihre Gesundheit oder ihr Leben kämpfen.

Da darf man von einer Klinikleitung durchaus erwarten, dass sie bei einer derart massiven Personalentscheidung zumindest so viel Transparenz schafft, dass nicht halb Leipzig das Gefühl hat, man habe gerade eine besonders peinliche Affäre mit Verwaltungsdeutsch zugedeckt.
Denn je weniger erklärt wird, desto lauter wird der Flurfunk.
Und der ist in Kliniken bekanntlich oft schneller als jede Notaufnahme.

Fazit:
Offiziell heißt es „Neuausrichtung“.
Inoffiziell riecht es nach heftigem Krach, beschädigtem Vertrauen und maximal unglücklicher Außendarstellung.
Und wenn ein hochdekorierter Notfallmediziner mit dieser Vita plötzlich freigestellt wird, ohne ein einziges öffentliches Wort des Dankes, dann ist die eigentliche Notlage vielleicht gerade nicht nur in der ZNA.

Die Bewertung:
Wenn ein renommierter Chefarzt mit sofortiger Wirkung, mutmaßlich mit Hausverbot und ohne jede Würdigung verschwindet, dann ist das keine normale Personalie.
Dann ist das entweder ein sauber erklärungsbedürftiger Vorgang – oder ein Kommunikationsdesaster in Weißkittel-Verpackung.

Oder noch kürzer:
„Neuausrichtung“ nennt man es am UKL.
Der Rest von Leipzig nennt es vermutlich: Was zum Teufel ist da bitte passiert?

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