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Richter lässt Anklagen nach Schulschießerei fallen – Ex-Vizedirektorin bricht im Gerichtssaal zusammen

AJEL (CC0), Pixabay
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Der Fall sorgte weltweit für Entsetzen: Ein sechsjähriger Junge schießt in einer Grundschule im US-Bundesstaat Virginia auf seine Lehrerin – mitten während des Unterrichts. Nun hat ein Gericht überraschend sämtliche Strafvorwürfe gegen die ehemalige stellvertretende Schulleiterin fallen gelassen.

Die Entscheidung dürfte in den USA erneut eine heftige Debatte über Verantwortung, Waffen und Sicherheitsversagen an Schulen auslösen.

Ein Sechsjähriger schießt auf seine Lehrerin

Der Vorfall ereignete sich Anfang 2023 an der Richneck Elementary School in Newport News. Der Erstklässler hatte eine Pistole seiner Mutter mit in die Schule gebracht und während des Unterrichts auf seine Lehrerin Abigail Zwerner geschossen.

Die Kugel traf zunächst ihre Hand und anschließend den Brustbereich. Die Lehrerin überlebte nur knapp und musste operiert werden.

Allein die Tatsache, dass ein sechsjähriges Kind mit einer Schusswaffe im Klassenzimmer sitzt, klingt bereits wie ein dystopischer Albtraum. In den USA wurde daraus allerdings ein realer Gerichtsfall.

Warnungen offenbar ignoriert

Im Mittelpunkt der juristischen Aufarbeitung stand die damalige Vize-Schulleiterin Ebony Parker. Ihr wurde vorgeworfen, mehrere Warnungen ignoriert zu haben, dass der Junge bewaffnet sein könnte.

Laut Klage soll die Lehrerin selbst Parker darüber informiert haben, dass der Schüler an diesem Tag aggressiv gewesen sei und andere Kinder bedroht habe.

Außerdem hätten weitere Mitarbeiter davor gewarnt, dass der Junge möglicherweise eine Waffe dabeihabe. Eine Durchsuchung seines Rucksacks soll laut Vorwürfen sogar abgelehnt worden sein.

Die Anklage sprach deshalb von schwerer Vernachlässigung und Gefährdung von Menschenleben.

Richterin stoppt das Verfahren

Doch nun entschied Richterin Rebecca Robinson überraschend, sämtliche acht Anklagepunkte gegen Parker fallenzulassen.

Die Staatsanwaltschaft habe nicht ausreichend beweisen können, dass Parker strafrechtlich verantwortlich gemacht werden könne, erklärte das Gericht.

Während der Entscheidung brach die ehemalige Schulleiterin laut Berichten im Gerichtssaal in Tränen aus und legte den Kopf auf den Tisch der Verteidigung.

Die Richterin betonte zwar ausdrücklich, dass die Ereignisse „furchtbar“ gewesen seien. Für eine strafrechtliche Verurteilung reiche die Beweislage jedoch nicht aus.

Zivilprozess endete mit Millionenentschädigung

Ganz ohne Konsequenzen blieb der Fall allerdings nicht.

Lehrerin Abigail Zwerner hatte die Schule und Parker zivilrechtlich verklagt – mit Erfolg. Ein Gericht sprach ihr später zehn Millionen Dollar Schadenersatz zu.

Die Jury kam dabei zu dem Schluss, dass die Untätigkeit der Schulverantwortlichen grob fahrlässig gewesen sei.

Die Mutter wurde bereits verurteilt

Bereits zuvor war die Mutter des Kindes strafrechtlich belangt worden. Sie bekannte sich schuldig, ihr Kind vernachlässigt zu haben.

Zusätzlich wurde gegen sie wegen Waffenverstößen ermittelt, da sie beim Kauf der Pistole offenbar falsche Angaben zu ihrem Drogenkonsum gemacht hatte.

Die Frau wurde zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

Ermittler fanden später Cannabis in ihrer Wohnung. Zwar ist Marihuana in Virginia grundsätzlich legal, aktiver Drogenkonsum und Waffenbesitz gleichzeitig jedoch nicht.

Das Kind lebt inzwischen bei Verwandten

Der Junge selbst wurde wegen seines Alters nicht strafrechtlich verfolgt. Nach Angaben der Ermittler hatte er die Waffe aus der Handtasche seiner Mutter genommen, die auf einer Kommode lag.

Berichten zufolge lebt das Kind inzwischen bei Verwandten und besucht eine andere Schule.

Ein Fall, der Amerika weiter beschäftigt

Der Fall gilt bis heute als einer der schockierendsten Vorfälle an amerikanischen Schulen. Nicht nur wegen der Gewalt selbst – sondern weil er zeigt, wie alltäglich Waffen in Teilen der USA inzwischen geworden sind.

Dass ein sechsjähriges Kind überhaupt Zugang zu einer geladenen Pistole hatte, sorgt international weiterhin für Fassungslosigkeit.

Und die zentrale Frage bleibt:
Wie viele Warnzeichen müssen ignoriert werden, bevor Verantwortung beginnt?

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