Auf Schalke läuft mal wieder der ganz normale Wahnsinn: Ultras gegen „Normalo-Fans“. Klingt erst einmal nach einer typischen Vereinsposse. Tatsächlich geht es aber um eine viel grundsätzlichere Frage:
Wem gehört ein Fußballverein eigentlich noch?
Den Familien, die am Wochenende mit ihren Kindern ins Stadion wollen?
Den normalen Mitgliedern, die einfach Fußball sehen möchten?
Oder einer kleinen lautstarken Szene, die sich selbst gern als „wahre Hüter des Vereins“ inszeniert?
Die Ultras auf Schalke halten sich offenbar für unersetzlich. Für die emotionale Seele des Vereins. Für die einzig wahre Fanbasis. Für eine Art Mischung aus Stimmungsmotor, Widerstandsbewegung und moralischer Oberaufsicht des Fußballs.
Dabei vergessen viele in dieser Szene eine entscheidende Realität:
Fußball funktioniert wirtschaftlich nur, solange normale Menschen ohne Angst ins Stadion gehen wollen.
Nicht jeder Familienvater hat Lust, sein Kind zwischen Pyrotechnik, Aggro-Choreos, Vermummungen und Machtspielen irgendwelcher selbsternannter Kurven-Eliten zu parken. Nicht jede Mutter findet es romantisch, wenn 1500 Männer mit martialischem Auftreten erklären, der Verein gehöre eigentlich ihnen.
Die Ultras mögen sich selbst als Herz des Vereins sehen.
In Wahrheit können sie ein Verein auch wirtschaftlich ruinieren.
Denn Sponsoren investieren nicht in Angstkulissen.
Familien kaufen keine VIP-Tickets für Eskalations-Atmosphäre.
Und normale Fans bleiben irgendwann einfach weg, wenn Stadionbesuche mehr nach Bürgerkriegssimulation als nach Sportveranstaltung aussehen.
Besonders absurd wird es, wenn Ultras anfangen, aktiv nach Macht im Aufsichtsrat zu greifen. Da wird aus „Support“ plötzlich politischer Einfluss. Dann geht es nicht mehr um Stimmung – sondern um Kontrolle.
Natürlich verkaufen sie das als „Mitbestimmung der Fans“.
Tatsächlich bedeutet es:
Eine extrem kleine, hochorganisierte Gruppe versucht, durch maximale Mobilisierung unverhältnismäßig viel Einfluss auf einen Millionenverein zu bekommen.
1500 Ultras gegen zehntausende normale Mitglieder.
Aber weil die normalen Fans arbeiten, Familie haben und nicht jede Jahreshauptversammlung wie eine ideologische Pflichtveranstaltung behandeln, droht am Ende eine lautstarke Minderheit den Kurs mitzubestimmen.
Das ist das eigentliche Problem moderner Ultra-Kultur:
Sie verwechselt Lautstärke mit Legitimation.
Und nein:
Fußball braucht keine Ultras, um zu überleben.
Fußball braucht volle Stadien, Familien, Sponsoren, Kinder, Mitglieder und Menschen, die sich sicher fühlen.
Die Premier League verdient Milliarden ohne deutsche Ultra-Romantik.
Die NFL füllt Stadien ohne Bengalos.
Die NBA braucht keine Vorsänger mit Megafon und Machtanspruch.
Die Wahrheit ist:
Ultras sind austauschbar.
Wirtschaftlich zerstörte Vereine nicht.
Wenn ein Stadion irgendwann nur noch Kulisse für interne Machtkämpfe, Selbstdarstellung und aggressive Kurvenpolitik wird, verlieren am Ende genau die Menschen, für die Fußball eigentlich einmal gedacht war:
normale Fans.
Nich nie in der Nordkurve gewesen, oder einfach mit Dresden verwechselt?
Was hat das mit Schalke zu tun? Die Frage stellt sich wohl in jedem Verein. Und wem gehört der Club? Den Müttern, die für ihre Sprösslinge eine Sonntagsbeschäftigung suchen? Den Modefans, denen es nicht zu laut sein darf? Oder den Idioten, die alle 14 Tage ihr Wochenende opfern, um in einem umzäunten Viereck bei irgendeinem Dorfclub im strömenden Regen ihrem Club den Rücken stärken? Und so ganz nebenbei: Was ist interessanter für mich als Sponsor: Ein Verein mit der Wucht von Schalke oder die Kneipen,anschafft von VW? Hauptsache was geschrieben…