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Schafft Heidenheim den direkten Wiederaufstieg? Der FCH gehört zum erweiterten Favoritenkreis

jorono (CC0), Pixabay
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Nach drei Jahren in der Bundesliga ist der 1. FC Heidenheim zurück in der Zweitklassigkeit. Doch der Abstieg muss nicht zwangsläufig den Beginn eines längeren Aufenthalts in der 2. Bundesliga bedeuten. Der FCH besitzt durchaus die Qualität, um sofort wieder um den Aufstieg mitzuspielen. Für einen Platz unter den ersten beiden Mannschaften müsste allerdings bei der weiteren Kaderplanung noch einiges zusammenkommen.

Heidenheim beendete die Bundesliga-Saison 2025/26 auf dem 17. Tabellenplatz. Aus 34 Spielen holte die Mannschaft lediglich 26 Punkte, erzielte 41 Tore und kassierte 72 Gegentreffer. Besonders die defensive Bilanz zeigt, wo in der vergangenen Spielzeit die größten Probleme lagen. Gleichzeitig bewies das Team im Saisonendspurt Moral: Vor dem letzten Spieltag hatte der FCH nur eine seiner vorherigen sieben Begegnungen verloren und einen zwischenzeitlich fast aussichtslosen Rückstand noch aufgeholt. Erst das 0:2 gegen Mainz besiegelte schließlich den Abstieg.

Die größte Stärke ist die Kontinuität

Der wichtigste Vorteil gegenüber vielen anderen Absteigern ist die Stabilität innerhalb des Vereins. Frank Schmidt bleibt Trainer und kennt die 2. Bundesliga wie kaum ein anderer. Neun Jahre lang spielte Heidenheim unter ihm in dieser Liga, ehe 2023 der erstmalige Aufstieg gelang. Schmidt muss weder den Verein noch dessen Strukturen neu kennenlernen und kann weiterhin auf einen eingespielten Kern setzen.

Mit Kapitän Patrick Mainka, Tim Siersleben, Benedikt Gimber und Jonas Föhrenbach stehen weiterhin mehrere erfahrene Verteidiger zur Verfügung. Auch das Mittelfeld mit Niklas Dorsch, Jan Schöppner, Luca Kerber, Julian Niehues und Adrian Beck dürfte für Zweitligaverhältnisse überdurchschnittlich besetzt sein. Im Angriff besitzt Schmidt mit Marvin Pieringer, Budu Zivzivadze, Mathias Honsak und Christian Conteh ebenfalls Spieler, die in der 2. Bundesliga den Unterschied machen können.

Nach aktuellem Stand liegt der geschätzte Marktwert des Heidenheimer Kaders bei rund 35 Millionen Euro. Damit befindet sich der FCH ligaweit hinter dem finanziell deutlich überlegenen VfL Wolfsburg, dem FC St. Pauli und knapp hinter dem 1. FC Nürnberg auf Rang vier. Allein daraus lässt sich zwar keine Abschlusstabelle ableiten, es zeigt aber, dass Heidenheim personell zum oberen Drittel der Liga gehört.

Neue Spieler mit starken Zahlen – aber aus der 3. Liga

Die bisherigen Neuverpflichtungen folgen einem klaren Muster: Heidenheim setzt auf Spieler, die in der 3. Liga herausragende Leistungen gezeigt haben und nun den nächsten Schritt machen sollen.

Rechtsverteidiger Oualid Mhamdi kommt ablösefrei vom SC Verl. Der 23-Jährige erzielte in der vergangenen Drittligasaison bemerkenswerte zehn Tore und bereitete acht weitere Treffer vor. Außerdem besitzt er bereits Erfahrung aus 21 Zweitligaspielen. Mhamdi soll den nach Udinese gewechselten Omar Traoré ersetzen und könnte durch seinen Offensivdrang eine wichtige Rolle übernehmen.

Marcel Costly wurde vom FC Ingolstadt verpflichtet. Der vielseitige Offensivspieler kam in der zurückliegenden Saison auf 18 Tore und zehn Vorlagen in der 3. Liga. In allen Wettbewerben waren es sogar 20 Treffer. Costly ist 30 Jahre alt, bringt körperliche Präsenz mit und kann auf dem rechten Flügel, als hängende Spitze oder im Sturmzentrum eingesetzt werden.

Mit Paul Hennrich kommt zudem ein interessanter Perspektivspieler aus Hoffenheim. Der 21-Jährige erzielte für die zweite Mannschaft der TSG in 36 Drittligaspielen neun Tore und bereitete fünf weitere vor. Hennrich besitzt Tempo, Entwicklungspotenzial und könnte mittelfristig die Lücke schließen, die durch das Ende der Leihe von Eren Dinkçi entstanden ist.

Die drei Transfers ergeben sportlich Sinn. Dennoch bleibt ein Risiko: Mhamdi, Costly und Hennrich haben ihre starken Leistungen überwiegend eine Spielklasse tiefer gezeigt. Ob alle drei ihre Zahlen sofort in die 2. Bundesliga übertragen können, ist offen.

Die Abgänge hinterlassen Lücken

Vor allem die ausgeliehenen Spieler der vergangenen Saison fehlen. Torhüter Diant Ramaj kehrte zu Borussia Dortmund zurück, Arijon Ibrahimović zum FC Bayern, Eren Dinkçi zum SC Freiburg, Hennes Behrens zur TSG Hoffenheim und Leonidas Stergiou zum VfB Stuttgart. Mit Kevin Müller, Omar Traoré, Stefan Schimmer und Thomas Keller verließen zudem mehrere erfahrene Akteure den Verein dauerhaft.

Besonders die Torwartposition ist derzeit ein Fragezeichen. Nach den Abgängen von Ramaj und Müller stehen mit Frank Feller, Paul Tschernuth und Nachwuchstorwart Felix Mark drei junge beziehungsweise auf diesem Niveau noch wenig erfahrene Torhüter im Kader. Feller besitzt zweifellos Potenzial, doch im Aufstiegskampf kann fehlende Erfahrung auf einer solch entscheidenden Position zum Problem werden.

Auch ein zusätzlicher kreativer Offensivspieler würde dem Kader guttun. Ibrahimović konnte zwischen den Linien agieren, während Dinkçi Geschwindigkeit und Eins-gegen-eins-Qualität einbrachte. Die bisherigen Zugänge ersetzen diese Fähigkeiten nur teilweise. Bis zum Ende der Transferperiode dürfte Heidenheim deshalb noch mindestens einen Torhüter und einen offensiv variablen Spieler suchen.

Die Konkurrenz ist stark

Mit dem VfL Wolfsburg steht ein klarer Aufstiegsfavorit fest. Der geschätzte Kaderwert der Niedersachsen liegt derzeit bei fast 199 Millionen Euro und damit um ein Vielfaches über dem Wert aller anderen Zweitligisten. Auch der FC St. Pauli bringt einen nominell stärkeren Kader als Heidenheim mit. Dahinter rechnen sich Hannover 96, Hertha BSC, Nürnberg, Kaiserslautern, Darmstadt und Holstein Kiel Chancen auf die vorderen Plätze aus.

Die Liga dürfte dadurch ausgesprochen eng werden. Heidenheim hat zwar mehr Bundesliga-Erfahrung als die meisten Konkurrenten, muss aber erstmals seit Jahren regelmäßig selbst das Spiel machen. In der Bundesliga konnte die Mannschaft häufig kompakt verteidigen, umschalten und dem Gegner den Ball überlassen. Gegen tief stehende Zweitligisten werden andere Lösungen benötigt.

Prognose: Reale Aufstiegschance, aber kein Topfavorit

Der direkte Wiederaufstieg ist realistisch, aber aus heutiger Sicht nicht das wahrscheinlichste Ergebnis. Heidenheim verfügt über einen erfahrenen Trainer, stabile Vereinsstrukturen, mehrere bundesligaerprobte Führungsspieler und einen Kader, der qualitativ zum oberen Drittel der Liga gehört.

Gegen den direkten Aufstieg sprechen die ungeklärte Torwartfrage, der Verlust mehrerer Leihspieler und die Tatsache, dass die bisherigen Neuzugänge ihre Klasse überwiegend in der 3. Liga bewiesen haben. Entscheidend wird sein, ob Feller im Tor sofort überzeugt, die neuen Außenspieler ihre starken Zahlen bestätigen und Pieringer oder Zivzivadze regelmäßig treffen.

Mein Tipp: Der 1. FC Heidenheim beendet die Saison 2026/27 auf dem vierten Tabellenplatz. Die Mannschaft wird lange im Rennen um die ersten drei Plätze bleiben, den direkten Aufstieg aber knapp verpassen. Sollte der Verein noch einen zuverlässigen Torhüter und einen kreativen Offensivspieler verpflichten, wäre auch Platz zwei möglich. Ohne diese Verstärkungen erscheint eine Platzierung zwischen Rang vier und sechs am wahrscheinlichsten.

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