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Schachlegende Kramnik gesperrt: Aus Kampf gegen Betrug wurde ein Eigentor

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Vladimir Kramnik gehörte einst zu den größten Namen der Schachwelt. Nun sorgt der frühere Weltmeister allerdings nicht mehr mit brillanten Zügen auf dem Brett für Schlagzeilen, sondern mit seinen Äußerungen daneben.

Der Weltschachverband FIDE hat den Russen für mindestens ein Jahr gesperrt. Grund sind wiederholte öffentliche Anschuldigungen gegen andere Spitzenspieler, denen Kramnik ohne belastbare Beweise Betrug vorgeworfen hatte.

Kampf gegen Betrüger – oder gegen den guten Ton?

Nach Angaben der FIDE habe Kramnik mehrfach gegen den Ethik- und Disziplinarkodex des Weltverbandes verstoßen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um die Frage, ob seine Vermutungen grundsätzlich berechtigt gewesen sein könnten, sondern um die Art und Weise, wie er diese öffentlich verbreitete.

Der Verband machte deutlich: Der Kampf gegen Schachbetrug genieße höchste Priorität. Wer jedoch Manipulationsvorwürfe erhebe, müsse dafür die vorgesehenen offiziellen Verfahren nutzen – und nicht die sozialen Medien zum Tribunal erklären.

Der Fall Daniel Naroditsky

Besonders schwer wiegt dabei der Umgang mit dem amerikanischen Großmeister Daniel Naroditsky.

Der beliebte Schachkommentator, Streamer und Großmeister war von Kramnik wiederholt öffentlich mit Betrugsvorwürfen konfrontiert worden. Naroditsky wies sämtliche Anschuldigungen zurück und machte kurz vor seinem Tod deutlich, wie sehr ihn die anhaltende Debatte belastete.

Der US-Amerikaner starb im Oktober vergangenen Jahres im Alter von nur 29 Jahren. Ein später veröffentlichter toxikologischer Bericht kam zu dem Ergebnis, dass eine versehentliche Überdosis mehrerer Medikamente zu einer tödlichen Herzrhythmusstörung geführt hatte.

Kollegen gingen auf Distanz

Mit seinen öffentlichen Angriffen machte sich Kramnik in der Schachszene zunehmend unbeliebt.

Mehrere prominente Großmeister, darunter Magnus Carlsen, Hikaru Nakamura und der indische Spitzenspieler Nihal Sarin, kritisierten sein Verhalten bereits in den vergangenen Monaten deutlich.

Aus Sicht vieler Spieler beschädigten pauschale Verdächtigungen nicht nur einzelne Karrieren, sondern auch das Vertrauen innerhalb der gesamten Schachgemeinschaft.

Kramnik kündigt Berufung an

Der frühere Weltmeister will die Entscheidung nicht akzeptieren und kündigte bereits an, gegen die Sperre Berufung einzulegen.

Die Strafe umfasst zunächst zwölf Monate. Ein weiteres Jahr wurde zur Bewährung ausgesetzt. Sollte Kramnik innerhalb der kommenden drei Jahre erneut gegen die Ethikregeln verstoßen, könnte auch dieser Teil der Sanktion wirksam werden.

Vom Weltmeister zum Dauerankläger

Kramnik war zwischen 2000 und 2007 Schachweltmeister und genießt bis heute hohes Ansehen für seine sportlichen Leistungen. In den vergangenen Jahren profilierte er sich jedoch zunehmend als selbst ernannter Kämpfer gegen Betrug im Schach.

Dass das Problem tatsächlich existiert, bestreitet kaum jemand. Gerade im Online-Schach beschäftigen Manipulationsfälle regelmäßig Verbände und Turnierveranstalter.

Doch der aktuelle Fall zeigt, dass auch berechtigte Anliegen an Glaubwürdigkeit verlieren können, wenn aus Verdachtsmomenten öffentliche Vorverurteilungen werden. Oder anders gesagt: Selbst auf dem Schachbrett gewinnt man eine Partie selten, indem man schon vor dem ersten Zug den Gegner zum Betrüger erklärt.

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