Nach dem frühen Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM wird nicht lange gefackelt – Lothar Matthäus hat den verbalen Vorschlaghammer ausgepackt. Sein Urteil über das Projekt Julian Nagelsmann fällt vernichtend aus: „Krachend gescheitert.“
Für den Rekordnationalspieler war das DFB-Team auf dem Platz alles – nur keine Mannschaft. Es habe an Führung, Spielidee, Defensivverhalten und Zusammenhalt gefehlt. Kurz gesagt: „Ein reiner Hühnerhaufen.“ Harscher lässt sich eine Fußballanalyse wohl kaum formulieren.
Besonders kritisch sieht Matthäus die Arbeitsweise des inzwischen zurückgetretenen Bundestrainers. Nagelsmann habe sich zu sehr auf seinen eigenen Plan verlassen und alternative Lösungen konsequent ignoriert. Einen Plan B? Offenbar so selten gesichtet wie ein Elfmeter ohne Diskussion.
Auch beim Trainerteam spart Matthäus nicht mit Seitenhieben. Statt kritischer Mitdenker habe sich Nagelsmann mit Gleichgesinnten umgeben. Frei nach dem Motto: Wenn alle nicken, muss es ja richtig sein. Für Matthäus fehlte es an Widerspruch – und damit an der nötigen Selbstkontrolle.
Ein weiteres Reizthema: die Kommunikation. Persönliche Gespräche seien offenbar häufiger durch WhatsApp-Nachrichten ersetzt worden. Für eine Führungsfigur auf diesem Niveau sei das schwer nachvollziehbar. Außerdem hätte sich Nagelsmann nach Ansicht des TV-Experten deutlich häufiger in den Stadien der Bundesliga oder bei der U21 zeigen sollen.
Doch nicht nur der ehemalige Bundestrainer bekommt sein Fett weg. Auch die DFB-Spitze muss sich Kritik gefallen lassen. Die Verantwortlichen hätten Warnsignale zu lange ignoriert und Nagelsmann trotz erkennbarer Probleme frühzeitig mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet. Rückblickend, so der Tenor, sei das eine Entscheidung gewesen, die mehr Optimismus als Realitätssinn erkennen ließ.
Während Julian Nagelsmann seinen Rücktritt erklärt hat, steht mit Jürgen Klopp bereits der Wunschkandidat für die Nachfolge bereit. Matthäus ist überzeugt, dass der ehemalige Liverpool-Coach frischen Wind bringen könnte. Nach dem WM-Debakel dürfte dieser Wind allerdings zunächst einmal durch das gesamte DFB-Gebäude fegen.
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