Jahrelang klang Saudi-Arabien wie ein Land, das gleichzeitig einen Science-Fiction-Film, ein Luxusresort und einen FIFA-Manager-Spielstand bauen wollte. Riesige Wüstenstädte, kilometerlange Mega-Gebäude, künstliche Skiorte mitten im Sand und Würfel so groß, dass man das Empire State Building mehrfach darin parken könnte. Jetzt dämmert offenbar langsam selbst in Riad: Vielleicht war das alles doch eine Nummer zu groß.
Kronprinz Mohammed bin Salman hatte mit „Vision 2030“ praktisch angekündigt, aus Saudi-Arabien eine Mischung aus Dubai, Silicon Valley und Marvel-Filmkulisse zu machen. Milliarden flossen in gigantische Prestigeprojekte. Die Werbevideos sahen aus, als hätte jemand „Las Vegas“, „Blade Runner“ und „Minecraft“ gleichzeitig eingegeben.
Besonders legendär war „The Line“: eine schnurgerade Stadt mitten durch die Wüste, länger als 160 Kilometer, höher als viele Wolkenkratzer und natürlich komplett futuristisch. Kurz gesagt: eine Idee, die selbst SimCity-Spieler irgendwann für unrealistisch gehalten hätten.
Jetzt wird plötzlich zurückgerudert. Projekte werden verkleinert, verschoben oder komplett gestrichen. Der gigantische „Cube“? Weg. Die künstliche Skiwelt in der Wüste? Eher schwierig. Die milliardenschwere LIV-Golftour? Offenbar ein extrem teures Hobby ohne echten Nutzen.
Man könnte auch sagen: Saudi-Arabien hat versehentlich festgestellt, dass selbst Ölmilliarden nicht unbegrenzt sind.
Besonders faszinierend ist dabei die Erkenntnis vieler Experten, dass sich offenbar jahrelang kaum jemand traute zu sagen:
„Ähm… brauchen wir wirklich eine 170 Kilometer lange Spiegelstadt mitten in der Wüste?“
Stattdessen herrschte offenbar das klassische „Ja-Sager“-Prinzip. Wenn der Kronprinz fragt, ob man eine Skiarena bei 40 Grad bauen könne, antwortet niemand:
„Vielleicht eher schwierig.“
Sondern:
„Natürlich, Eure Hoheit. Soll der künstliche Schnee goldfarben sein?“
Jetzt verkauft man die Vollbremsung natürlich elegant als „strategische Neuausrichtung“. Klingt deutlich besser als:
„Wir haben vielleicht ein bisschen zu viel Netflix-Zukunftsvisionen geschaut.“
Trotzdem bleibt eines bemerkenswert: Saudi-Arabien hat sich tatsächlich verändert. Gesellschaftlich ist vieles moderner geworden, Frauen dürfen Auto fahren, Konzerte und Sportevents boomen und das Land versucht ernsthaft, unabhängiger vom Öl zu werden. Nur die Vorstellung, man könne gleichzeitig die größte Baustelle der Menschheitsgeschichte und eine komplette neue Weltordnung finanzieren, stößt offenbar selbst bei Saudi-Arabien irgendwann an Grenzen.
Und so bleibt von manchen Mega-Projekten am Ende vermutlich tatsächlich nur das übrig, was Experten jetzt schon vermuten: beeindruckende CGI-Videos, spektakuläre PR-Broschüren und sehr teure digitale Luftschlösser.
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