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Was von uns übrig bleibt – und warum wir plötzlich alle wichtig wirken wollen

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Früher war das ganz einfach: Man bekam Kinder, vererbte den Wohnzimmerschrank und hoffte, dass irgendwann jemand sagte:
„Der Opa konnte wenigstens noch richtig Kartoffeln schälen.“

Heute dagegen beschäftigt sich die Menschheit plötzlich wissenschaftlich mit der Frage: „Welches Vermächtnis hinterlasse ich eigentlich?“

Und offenbar denken viele Menschen inzwischen ernsthaft darüber nach, wie sie nach ihrem Tod erinnert werden möchten. Manche schreiben Bücher, andere spenden Organe, wieder andere filmen ihr Leben für Social Media – vermutlich in der Hoffnung, dass später wenigstens ein Algorithmus um sie trauert.

Besonders faszinierend: Forscher sagen, dass das Nachdenken über das eigene Vermächtnis sogar gut für die Psyche sein kann. Früher nannte man das Midlife-Crisis. Heute heißt es „Legacy Reflection“ und klingt direkt nach TED-Talk und Hafermilchkaffee.

Natürlich gibt es unterschiedliche Arten von Vermächtnissen. Die einen hinterlassen Werte, andere Geld, manche alte Familienfotos. Und manche hinterlassen vor allem einen Keller voller Kabel, deren Funktion niemand versteht.

Besonders modern ist inzwischen die Idee, den eigenen Körper der Wissenschaft zu spenden. Teilweise werden Menschen sogar digitalisiert, in tausende Scheiben zerlegt und als virtuelle Lehrmodelle genutzt. Man muss schon sagen: Früher wollte man einfach friedlich beerdigt werden. Heute landet man womöglich als 3D-Modell für Medizinstudenten.

Auch interessant: Viele Menschen möchten laut Studien vor allem Werte weitergeben – Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft oder Lebenserfahrung. Das klingt wunderschön. Gleichzeitig verbringen dieselben Menschen aber täglich drei Stunden damit, sich in Kommentarspalten über Tempolimits und vegane Schnitzel anzuschreien.

Forscher erklären außerdem, dass hinter dem Wunsch nach einem Vermächtnis oft schlicht die Angst vor dem Tod steckt. Der Mensch möchte eben glauben, dass nach ihm noch irgendetwas bleibt. Manche pflanzen deshalb Bäume, andere bauen Firmen auf – und einige hoffen wahrscheinlich einfach, dass ihr WLAN-Passwort noch lange weiterlebt.

Besonders herrlich ist der moderne Trend, schon in jungen Jahren seine „Legacy Ambitions“ aufzuschreiben. Also Ziele für das eigene Vermächtnis. Früher schrieb man Einkaufslisten. Heute formuliert man vermutlich mit 23:
„Ich möchte generationsübergreifend inspirierende Wirkung entfalten.“

Am Ende bleibt aber eine ziemlich schöne Erkenntnis: Menschen wollen nicht einfach nur existieren. Sie wollen Spuren hinterlassen. Für Familie, Freunde oder die Gesellschaft. Und vielleicht ist genau das gar nicht so schlecht – solange man dabei nicht vergisst, zwischendurch einfach normal zu leben.

Denn am Ende erinnern sich die meisten Menschen ohnehin selten daran, wie perfekt jemand war. Sondern daran, wie er andere behandelt hat, ob er da war, ob er lachen konnte – und ob er vielleicht wenigstens den WLAN-Router erklärt hat.

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