Der VfL Bochum geht mit einem deutlich veränderten Kader und einem klareren sportlichen Konzept in seine zweite Zweitligasaison nach dem Bundesliga-Abstieg. Trainer Uwe Rösler kann erstmals eine komplette Vorbereitung gestalten. Der Neuaufbau ist jedoch umfangreicher als zunächst angenommen: Mit Erhan Mašović und dem bisherigen Kapitän Matúš Bero haben zwei weitere erfahrene Spieler den Verein verlassen. Im Sturm ist die Rollenverteilung dagegen eindeutig – Philipp Hofmann geht als Mittelstürmer Nummer eins in die Saison.
Die vergangene Spielzeit verlief zunächst enttäuschend. Unter Dieter Hecking gewann Bochum nur eines der ersten fünf Ligaspiele. Im September 2025 trennte sich der Verein vom Trainer und von Sport-Geschäftsführer Dirk Dufner.
Nach einer kurzen Übergangsphase übernahm Uwe Rösler im Oktober die Mannschaft. Unter ihm stabilisierte sich der VfL und beendete die Saison im Tabellenmittelfeld. Am letzten Spieltag gewann Bochum mit 2:1 beim Karlsruher SC.
Für die neue Spielzeit hat der Verein einen umfassenden Umbau eingeleitet. Zahlreiche Leihspieler, Routiniers und bisherige Führungskräfte sind gegangen. Die Verantwortlichen setzen bei den Neuzugängen vor allem auf ablösefreie, entwicklungsfähige und flexibel einsetzbare Profis.
Der VfL besitzt damit einen Kader, der interessant zusammengestellt ist, dessen tatsächliches Leistungsniveau aber noch schwer einzuschätzen bleibt. Bochum ist ein Kandidat für das obere Tabellenmittelfeld. Für die Rolle eines sicheren Aufstiegsanwärters gibt es derzeit jedoch noch zu viele offene Fragen.
Rösler kann erstmals eine vollständige Saison vorbereiten
Uwe Rösler musste die Mannschaft im Herbst 2025 während einer sportlichen Krise übernehmen. Seine erste Aufgabe bestand darin, den Bundesliga-Absteiger zu stabilisieren und einen möglichen Absturz in den Tabellenkeller zu verhindern.
Das gelang grundsätzlich. Bochum war unter Rösler nicht immer spielerisch überzeugend, entwickelte aber wieder mehr Widerstandskraft, körperliche Präsenz und defensive Disziplin. Im Frühjahr geriet die Mannschaft erneut in eine schwierigere Phase, hielt jedoch ausreichend Abstand zur Abstiegszone.
Nun kann Rösler erstmals eine komplette Sommervorbereitung gestalten. Das ist ein wichtiger Vorteil. Der Trainer kann die Mannschaft körperlich auf seine intensive Spielweise vorbereiten, Abläufe einstudieren und die zahlreichen neuen Spieler von Beginn an integrieren.
Rösler bevorzugt einen Fußball, der von aggressivem Pressing, vielen Zweikämpfen und schnellem Umschalten lebt. Diese Ausrichtung passt grundsätzlich zum Verein und zur Atmosphäre im Ruhrstadion.
Bochum wird vermutlich auch in der neuen Saison keine Mannschaft sein, die jedes Spiel durch lange Ballbesitzphasen kontrolliert. Der VfL will den Gegner unter Druck setzen, zweite Bälle gewinnen und nach Ballgewinnen möglichst schnell in den Strafraum gelangen.
Der Kader wird deutlich verändert
Nach dem letzten Heimspiel der vergangenen Saison verabschiedete der VfL elf Spieler. Neben mehreren Leihprofis und Routiniers gehörten auch Erhan Mašović und Matúš Bero zu den Abgängen. Beide sind deshalb nicht mehr Bestandteil der Bochumer Kaderplanung für die Saison 2026/27.
Mit Mašović verliert der VfL einen Defensivspieler, der über Bundesligaerfahrung verfügte und sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden konnte.
Der Abgang Beros wiegt vor allem mit Blick auf die Hierarchie schwer. Der slowakische Nationalspieler war in der vergangenen Saison Kapitän und stand für Laufstärke, Aggressivität und emotionale Präsenz. Seine Rolle muss nun auf mehrere Schultern verteilt werden.
Auch Kevin Vogt steht nicht mehr zur Verfügung. Der erfahrene Verteidiger beendete nach einer von Verletzungen geprägten Saison seine Karriere. Mehrere Leihspieler kehrten zudem zu ihren Stammvereinen zurück.
Francis Onyeka hatte mit seiner Dynamik und seinen Toren zeitweise eine wichtige Rolle in der Offensive eingenommen. Diese Qualitäten müssen nun von den fest verpflichteten Spielern ersetzt werden.
Der Umbruch betrifft damit nicht nur die Breite des Kaders. Bochum muss auch eine neue Führungsstruktur entwickeln.
Simon Zoller setzt auf einen wirtschaftlich vorsichtigen Weg
Der VfL verfügt nicht über die finanziellen Möglichkeiten der großen Bundesliga-Absteiger. Die Verantwortlichen konzentrieren sich deshalb auf ablösefreie Spieler und Profis, denen ein weiterer Entwicklungsschritt zugetraut wird.
Diese Strategie ist wirtschaftlich nachvollziehbar. Sportlich bringt sie jedoch Risiken mit sich.
Mehrere Neuzugänge müssen erst beweisen, dass sie dauerhaft auf gutem Zweitliganiveau bestehen können. Bochum hat interessante Profile verpflichtet, aber nur wenige Spieler, die bereits vor Saisonbeginn als garantierte Leistungsträger gelten können.
Darin unterscheidet sich der VfL von Vereinen, die auf einen weitgehend eingespielten und bereits aufstiegsreifen Kader zurückgreifen können.
Der neue Weg kann funktionieren. Er verlangt jedoch Geduld – und die ist im Umfeld eines früheren Bundesligisten nicht immer unbegrenzt vorhanden.
Berkan Taz ist der spannendste Neuzugang
Mit Berkan Taz hat Bochum einen der auffälligsten Offensivspieler der vergangenen Drittligasaison verpflichtet.
Der 27-Jährige kommt ablösefrei vom SC Verl und unterschrieb einen Vertrag bis 2028. Für Verl erzielte er in 117 Spielen insgesamt 41 Tore. In seiner letzten Saison kam er wettbewerbsübergreifend auf 36 direkte Torbeteiligungen.
Taz soll dem Bochumer Offensivspiel jene Kreativität geben, die in der vergangenen Saison häufig fehlte.
Der VfL hatte immer wieder Probleme, wenn Gegner tief verteidigten und wenig Raum für schnelle Gegenangriffe ließen. Dann fehlte ein Spieler, der zwischen den Linien anspielbar war, überraschende Pässe spielte, Standards gefährlich ausführte oder selbst aus der Distanz abschloss.
Genau diese Rolle könnte Taz übernehmen.
Im Vorbereitungsspiel gegen Royal Antwerpen erzielte er bereits den entscheidenden Treffer zum 1:0. Das war lediglich ein Testspiel, deutete aber an, welche Fähigkeiten der Offensivspieler einbringen kann.
Die entscheidende Frage lautet, ob er seine außergewöhnlichen Drittligawerte unmittelbar auf die 2. Bundesliga übertragen kann.
Daniel Hanslik ergänzt Hofmann im Angriff
Auch Daniel Hanslik gehört zu den wichtigen Neuzugängen. Der frühere Kaiserslauterer bringt Zweitligaerfahrung, Laufstärke und Vielseitigkeit mit.
Er kann im Sturmzentrum, hinter einer Spitze oder in einer offensiven Mittelfeldrolle eingesetzt werden. Hanslik ist jedoch nicht als neue Nummer eins für das Sturmzentrum einzuordnen. Diese Position ist für Philipp Hofmann vorgesehen.
Hanslik dürfte vielmehr als Verbindungsspieler, zweite Spitze oder flexible Alternative eingesetzt werden. Er arbeitet viel gegen den Ball, führt Zweikämpfe und kann Räume für seine Mitspieler öffnen.
Das passt zu Röslers Vorstellung von intensivem Fußball.
Sein Wert liegt weniger darin, ausschließlich auf Abschlüsse zu warten. Hanslik kann Hofmann entlasten, um ihn herum Räume besetzen und der Mannschaft zusätzliche körperliche sowie emotionale Präsenz geben.
Christian Rasmussen erweitert die Offensive
Mit Christian Rasmussen hat der VfL einen weiteren flexibel einsetzbaren Offensivspieler verpflichtet.
Der 23-jährige Däne kommt ablösefrei von Fortuna Düsseldorf und erhielt einen Vertrag bis 2030. Rasmussen wurde bei Ajax Amsterdam ausgebildet und kann auf dem Flügel sowie in zentraleren Angriffsrollen eingesetzt werden.
In der vergangenen Saison erzielte er für Düsseldorf zwei Tore und bereitete vier weitere Treffer vor. Mehrere Verletzungen verhinderten allerdings, dass er dauerhaft einen konstanten Rhythmus entwickelte.
Rasmussen bringt Technik, Beweglichkeit und Entwicklungspotenzial mit. Er ist jedoch ebenfalls nicht als klassischer Mittelstürmer oder als unmittelbarer Konkurrent um Hofmanns zentrale Rolle verpflichtet worden.
Gelingt ihm der nächste Entwicklungsschritt, könnte Rasmussen insbesondere im Zusammenspiel mit Taz, Hanslik und Hofmann zu einem wichtigen Spieler werden. Bleiben die Verletzungsprobleme bestehen, wäre seine Verpflichtung zunächst eher eine Investition in die Zukunft.
Philipp Hofmann ist die klare Nummer neun
Die Ausgangslage im Sturmzentrum ist eindeutiger, als es die ursprüngliche Kaderanalyse dargestellt hat: Philipp Hofmann geht als Mittelstürmer Nummer eins in die Saison.
Sein Vertrag ist nicht im Sommer 2026 ausgelaufen. Der VfL hatte die Zusammenarbeit bereits vorzeitig bis 2028 verlängert. Hofmann gehört seit 2022 zum Verein und besitzt innerhalb der Mannschaft eine wichtige Führungsrolle.
Der 1,95 Meter große Angreifer ist der zentrale Zielspieler für Röslers Fußball. Er kann lange Bälle sichern, Innenverteidiger binden, Flanken verwerten und nachrückende Mitspieler in Szene setzen.
Hofmann ist kein Stürmer, der sich ausschließlich über spektakuläre Einzelaktionen definiert. Sein Wert liegt in der Strafraumpräsenz, im Kopfballspiel und in seiner Arbeit als Wandspieler.
Wie wichtig er für den VfL sein kann, zeigte sich in der vergangenen Saison unter anderem beim 2:1 gegen Greuther Fürth, als Hofmann beide Bochumer Treffer erzielte.
Die entscheidende offensive Frage lautet deshalb nicht, wer Bochums Mittelstürmer sein wird. Diese Rolle ist vergeben.
Offen ist vielmehr, wie regelmäßig Hofmann mit verwertbaren Hereingaben und Zuspielen versorgt wird – und ob die Spieler um ihn herum genügend eigene Torgefahr entwickeln.
Taz, Rasmussen, Hanslik, Gerrit Holtmann und die zentralen Mittelfeldspieler müssen dafür sorgen, dass der VfL nicht vollständig von Hofmanns Abschlüssen abhängig wird.
Gerrit Holtmann bleibt ein besonderer Spieler
Gerrit Holtmann besitzt weiterhin eine Fähigkeit, die im Bochumer Kader selten ist: außergewöhnliches Tempo.
Er kann Spiele mit seinen Läufen verändern, Gegenspieler im direkten Duell überwinden und nach Ballgewinnen schnell große Distanzen zurücklegen.
Allerdings waren seine Leistungen in den vergangenen Jahren nicht immer konstant. Verletzungen und schwankende Form verhinderten, dass er dauerhaft zum unumstrittenen Leistungsträger wurde.
Rösler muss Holtmann in Situationen bringen, in denen dessen Geschwindigkeit tatsächlich zur Geltung kommt.
Gegen hoch stehende Gegner kann er enorm wertvoll sein. Gegen tief verteidigende Mannschaften sind dagegen technische Lösungen auf engem Raum gefragt. Hier könnte das Zusammenspiel mit Taz und Rasmussen helfen.
Holtmanns Flanken und Hereingaben werden außerdem wichtig sein, um Hofmanns Stärken im Strafraum konsequenter zu nutzen.
Timo Horn ist der wichtigste Stabilitätsfaktor
Im Tor ist der VfL überdurchschnittlich besetzt.
Timo Horn verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis 2028. Der frühere Kölner war seit Februar 2025 Bochums Nummer eins und führte die Mannschaft in der vergangenen Saison mehrfach als Kapitän aufs Feld.
Horn bringt Ruhe, Erfahrung und Führungsqualität mit.
Gerade bei einer neu zusammengestellten Abwehr ist ein solcher Torhüter besonders wichtig. Er kann die letzte Linie organisieren, junge Verteidiger unterstützen und in engen Begegnungen mit einzelnen Paraden Punkte sichern.
Für einen möglichen Aufstiegsangriff darf die Mannschaft allerdings nicht dauerhaft von ihrem Torhüter abhängig sein. Die Defensive muss selbst dafür sorgen, dass der Gegner nicht regelmäßig zu klaren Chancen kommt.
Die Innenverteidigung bleibt die größte Baustelle
Die größte personelle Unsicherheit liegt weiterhin in der zentralen Abwehr.
Kevin Vogt hat seine Karriere beendet. Erhan Mašović gehört ebenfalls nicht mehr zum Kader. Mehrere Leihspieler sind zu ihren Vereinen zurückgekehrt.
Damit ist die Ausgangslage noch dünner als im ursprünglichen Artikel dargestellt.
Philipp Strompf bringt Zweitligaerfahrung und Körperlichkeit mit. Er muss jedoch in einer weitgehend neu formierten Abwehr deutlich mehr Verantwortung übernehmen.
Für einen Verein, der zumindest in Richtung oberes Tabellendrittel schauen möchte, benötigt die Defensive neben Zweikampfstärke auch Tempo, Ruhe im Spielaufbau und personelle Tiefe.
Bochum braucht deshalb voraussichtlich noch mindestens einen Innenverteidiger, der unmittelbar um einen Stammplatz kämpfen und im Idealfall auch Führungsverantwortung übernehmen kann.
Ohne eine solche Verstärkung erscheint das Zentrum der Defensive zu dünn besetzt. Der Abgang von Mašović erhöht den Handlungsdruck zusätzlich.
Die Außenbahnen sind flexibel besetzt
Auf den Außenverteidigerpositionen verfügt Rösler über mehrere Möglichkeiten.
Maximilian Wittek verlängerte seinen Vertrag bis 2028 und bleibt auf der linken Seite eine verlässliche Größe. Der erfahrene Linksverteidiger bringt Zweitliga- und Bundesligaerfahrung sowie gefährliche Flanken und Standards mit.
Mikkel Rakneberg war bereits im Januar 2026 nach Bochum gewechselt. Der norwegische Linksfuß kann verschiedene Rollen auf der linken Seite übernehmen.
Auf der rechten Seite stehen Oliver Olsen und Neuzugang Jean-Manuel Mbom zur Verfügung.
Olsen bringt Physis, Zweikampfstärke und Belastbarkeit mit. Mbom verfügt über Bundesligaerfahrung und kann sowohl als Rechtsverteidiger als auch im Mittelfeld oder auf einer offensiveren Außenposition eingesetzt werden.
Die Außenpositionen wirken damit grundsätzlich vielseitig besetzt. Ihre Bedeutung steigt durch die klare Rolle Hofmanns: Der Mittelstürmer benötigt präzise Flanken und frühe Hereingaben, um seine Stärken konsequent ausspielen zu können.
Das Mittelfeld muss Beros Abgang auffangen
Mit Matúš Bero verliert Bochum nicht nur einen laufstarken Mittelfeldspieler, sondern auch seinen bisherigen Kapitän.
Die ursprüngliche Annahme, Bero werde weiterhin das Zentrum prägen, ist damit hinfällig. Der VfL muss im Mittelfeld eine neue sportliche und emotionale Hierarchie entwickeln.
Enis Cokaj soll für defensive Stabilität sorgen. Der albanische Mittelfeldspieler ist insbesondere dafür vorgesehen, gegnerische Umschaltmomente abzusichern und den offensiveren Spielern den Rücken freizuhalten.
Eine wichtige Rolle ist auch für Mats Pannewig vorgesehen. Der junge Mittelfeldspieler besitzt körperliche Präsenz und Entwicklungspotenzial. Seine Vorbereitung wird allerdings durch die Folgen einer schweren Verletzung beeinträchtigt.
Berkan Taz soll vor dem defensiveren Mittelfeld die kreativen Aufgaben übernehmen. Er muss zwischen den Linien anspielbar sein, Standards ausführen und Hofmann mit Pässen sowie Hereingaben versorgen.
Die Rollenverteilung könnte deshalb folgendermaßen aussehen: Cokaj sichert ab, Pannewig soll nach seiner Rückkehr Dynamik und Körperlichkeit einbringen, Taz übernimmt einen großen Teil der kreativen Verantwortung.
Was dabei fehlt, ist zunächst ein direkter Ersatz für Beros Erfahrung und Führungsstärke.
Diese Lücke kann nicht allein taktisch geschlossen werden. Spieler wie Timo Horn, Hofmann, Wittek und Hanslik werden einen Teil der Verantwortung übernehmen müssen.
Das Ruhrstadion bleibt das größte Pfund
Das Vonovia Ruhrstadion gehört weiterhin zu den unangenehmsten Auswärtsorten der Liga.
Die Nähe der Tribünen zum Spielfeld, die Lautstärke und die emotionale Unterstützung können Bochum insbesondere in engen Begegnungen helfen. In der vergangenen Saison war das Stadion bei neun Heimspielen vollständig ausgelastet.
Diese Heimstärke muss der VfL nutzen.
Bochum verfügt nicht über die finanziellen Möglichkeiten, jede Position mit überdurchschnittlichen Zweitligaspielern zu besetzen. Im eigenen Stadion kann die Mannschaft diesen Nachteil durch Intensität, Zweikampfstärke und Atmosphäre teilweise ausgleichen.
Allerdings darf der VfL nicht ausschließlich vom emotionalen Druck des Ruhrstadions leben.
Gegen tief stehende Gegner benötigt die Mannschaft Geduld und spielerische Lösungen. Gerade in diesen Begegnungen war der VfL in der vergangenen Saison nicht immer überzeugend.
Der Saisonstart liefert sofort eine Standortbestimmung
Der VfL Bochum eröffnet die neue Zweitligasaison am 7. August 2026 mit einem Heimspiel gegen Hertha BSC.
Die Partie wird als offizielles Eröffnungsspiel der Liga ausgetragen. Beide Vereine besitzen große Namen, ambitionierte Anhänger und Kader, die sich im Sommer deutlich verändert haben.
Gleichzeitig geht nach aktuellem Stand weder Bochum noch Hertha als unangefochtener Aufstiegsfavorit in die Saison.
Ein Heimsieg könnte beim VfL früh Euphorie erzeugen. Eine Niederlage wäre noch kein sportliches Drama, könnte aber Zweifel daran wecken, ob der neue Kader bereits ausreichend weit ist.
Besonders interessant wird sein, wie gut das Bochumer Pressing funktioniert, ob die neue Innenverteidigung stabil steht und wie konsequent Hofmann im Strafraum eingesetzt wird.
Die Vorbereitung liefert erste positive Signale
Bochum gewann seine ersten drei Testspiele. Nach einem knappen 3:2 gegen Rot-Weiß Oberhausen folgte unter anderem ein 1:0 gegen den belgischen Erstligisten Royal Antwerpen.
Berkan Taz erzielte gegen Antwerpen das Siegtor. Der Gegner traf allerdings dreimal das Aluminium, weshalb das Ergebnis nicht überbewertet werden sollte.
Die Partie zeigte dennoch, dass Rösler bereits Fortschritte bei Intensität und mannschaftlicher Geschlossenheit erkennt.
Weitere Tests gegen Ajax Amsterdam, Swansea City und Werder Bremen sollen Aufschluss darüber geben, wie konkurrenzfähig die Mannschaft gegen höherklassige oder international erfahrene Gegner ist.
Testspiele bleiben jedoch Testspiele. Entscheidend wird sein, ob der VfL seine Energie auch dann aufrechterhält, wenn Punkte, Druck und Tabellenpositionen eine Rolle spielen.
Was für eine gute Saison spricht
Bochum besitzt mehrere klare Stärken.
Mit Timo Horn steht ein überdurchschnittlicher und erfahrener Torhüter im Kader.
Uwe Rösler kann erstmals eine vollständige Vorbereitung leiten.
Philipp Hofmann ist als Mittelstürmer Nummer eins gesetzt und kennt die Anforderungen der 2. Bundesliga.
Berkan Taz könnte dem Offensivspiel neue Kreativität geben.
Daniel Hanslik passt mit seiner Laufstärke, Vielseitigkeit und Mentalität zum Verein.
Christian Rasmussen, Jean-Manuel Mbom, Oliver Olsen und Mikkel Rakneberg besitzen Entwicklungspotenzial.
Maximilian Wittek bringt Erfahrung und Qualität bei Flanken sowie Standards mit.
Das Ruhrstadion ist ein echter Heimvorteil.
Zudem scheint die Kaderplanung einer klareren Idee zu folgen als noch vor einem Jahr. Der VfL sucht gezielt Spieler, die intensiv, flexibel und entwicklungsfähig sind.
Was gegen den Aufstieg spricht
Für einen Platz unter den ersten drei bleiben dennoch zu viele Fragen offen.
Die Innenverteidigung ist nach den Abgängen von Vogt und Mašović nicht vollständig besetzt.
Mit Bero hat die Mannschaft ihren bisherigen Kapitän und einen wichtigen Führungsspieler verloren.
Mehrere Neuzugänge müssen sich erst in der 2. Bundesliga beweisen.
Onyeka und weitere Leihspieler haben den Verein verlassen.
Pannewig verpasst einen bedeutenden Teil der Vorbereitung.
Der finanzielle Spielraum ist begrenzt.
Die neue Mannschaft muss zunächst eine Hierarchie entwickeln.
Hinzu kommt eine gewisse Abhängigkeit von Philipp Hofmann. Fällt der Mittelstürmer aus oder wird er nicht ausreichend mit Bällen versorgt, fehlt bislang eine gleichwertige Alternative für seine Rolle als zentraler Zielspieler.
Bochum besitzt das Potenzial, gegen jeden Gegner der Liga zu gewinnen. Für einen Aufstieg müsste der VfL diese Qualität aber über 34 Spieltage konstant zeigen.
Davon ist die Mannschaft nach aktuellem Stand noch ein Stück entfernt.
Welche Rolle kann der VfL Bochum übernehmen?
Der VfL ist in der Gruppe hinter den eigentlichen Aufstiegsfavoriten einzuordnen.
Bochum dürfte körperlich stark, unangenehm und besonders zu Hause schwer zu schlagen sein. Die Mannschaft kann mehrere Spitzenteams besiegen und phasenweise Kontakt zu den ersten sechs Plätzen halten.
Die offensive Situation ist stabiler, als es die ursprüngliche Analyse vermuten ließ. Mit Hofmann steht eine klare Nummer neun zur Verfügung.
Trotzdem hängt viel davon ab, ob Taz den Sprung aus der 3. Liga sofort schafft, Rasmussen gesund bleibt und Hanslik sowie die weiteren Offensivspieler genügend eigene Tore und Vorlagen beisteuern.
Auch die Defensive muss erst beweisen, dass sie ohne Vogt und Mašović stabil funktioniert.
Im Mittelfeld muss der Abgang Beros sowohl sportlich als auch in der Mannschaftsführung aufgefangen werden.
Der VfL dürfte deshalb eine bessere und ruhigere Saison spielen als im Vorjahr, ohne bereits sicher zur Spitzengruppe zu gehören.
Prognose: Platz acht
Ich sehe den VfL Bochum am Ende der Saison 2026/27 auf Tabellenplatz acht.
Die Mannschaft wird meiner Einschätzung nach über weite Strecken im oberen Mittelfeld stehen. Zeitweise kann sie Anschluss an Platz fünf oder sechs halten. Für die direkten Aufstiegsplätze dürfte es jedoch nicht reichen.
Die realistische Spannweite liegt zwischen Platz fünf und Platz elf.
Schlägt Taz sofort ein, bleibt Hofmann gesund und wird die Innenverteidigung noch überzeugend verstärkt, könnte Bochum bis in die Rückrunde hinein um Platz drei kämpfen.
Gelingt es zudem, nach Beros Abgang schnell eine neue Hierarchie zu entwickeln, besitzt der VfL genügend Erfahrung und Qualität für eine positive Überraschung.
Bleibt die Offensive dagegen zu abhängig von Hofmann oder verliert die Mannschaft durch Verletzungen ihre defensive Stabilität, ist erneut nur ein Platz im unteren Mittelfeld möglich.
Die konkrete Prognose lautet deshalb: Platz acht – eine stabilere Saison, erkennbare Fortschritte unter Uwe Rösler und gelegentlicher Kontakt zum Aufstiegsrennen, aber noch keine Rückkehr in die Bundesliga.
Der VfL befindet sich weiterhin in einer Phase des Neuaufbaus.
Der Verein versucht, sich nach dem Bundesliga-Abstieg wirtschaftlich und sportlich neu zu ordnen. Dieser Weg wirkt vernünftig, benötigt aber wahrscheinlich mehr als einen Transfersommer.
Bochum dürfte 2026/27 wieder deutlich häufiger nach oben als nach unten schauen.
Für den großen Schritt zurück in die Bundesliga fehlen nach aktuellem Stand vor allem zusätzliche Qualität in der Innenverteidigung, mehr Tiefe hinter Hofmann und eine neue Führungsstruktur nach dem Abschied von Matúš Bero.
Interessante Bewertung, die ich grundsätzlich teile.
Als VfL-Fan hoffe ich natürlich darauf, dass wir oben angreifen können, aber wie beschrieben sind viele Stellen im Kader noch Überraschungstüten.
Kleine Korrektur:
Philipp Hofmann hat Vertrag bis 2028 (und hat als etablierter Zweitligastürmer vor allem in der Rückrunde der letzten Saison seinen wichtigen Wert für den VfL bewiesen.)