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Sachsen Anhalt Wahl das vorläufige Endergebnis

Peggy_Marco (CC0), Pixabay
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Politisches Erdbeben in Sachsen-Anhalt: AfD triumphiert, CDU stürzt ab

Die AfD gewinnt die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit riesigem Vorsprung und erzielt ein Rekordergebnis. Zur absoluten Mehrheit reicht es dennoch nicht. Für die CDU endet die Wahlnacht dagegen in einem historischen Debakel. Das BSW schafft knapp den Sprung in den Landtag, die FDP fliegt raus.

MAGDEBURG – Es ist ein Wahlergebnis, das die politische Landschaft Sachsen-Anhalts grundlegend verändert.

Um 3.27 Uhr in der Nacht zum Montag lag das vorläufige Ergebnis der Landtagswahl vor. Und die Zahlen zeigen einen politischen Erdrutsch: Die AfD kommt auf 43,8 Prozent und wird mit gewaltigem Abstand stärkste Kraft.

Gegenüber der Landtagswahl 2021, als die Partei 20,8 Prozent erreicht hatte, hat sie ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt. Es ist zugleich das bislang beste Ergebnis der AfD bei einer Landtagswahl.

Die angestrebte absolute Mehrheit verpasst die Partei allerdings. Im neuen Landtag erhält sie nach dem vorläufigen Ergebnis 39 von insgesamt 83 Sitzen – drei weniger, als für eine eigene Mehrheit notwendig wären.

CDU erlebt historischen Absturz

Während bei der AfD gefeiert wird, muss die CDU einen Absturz verkraften, dessen Ausmaß vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre.

17,2 Prozent.

Mehr bleibt den Christdemokraten nach dem vorläufigen Ergebnis nicht.

2021 hatte die CDU unter dem damaligen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff noch 37,1 Prozent geholt und die Landtagswahl mit großem Abstand gewonnen.

Nun hat sich ihr Stimmenanteil mehr als halbiert.

Die CDU fällt zwar nicht unter Platz zwei, liegt aber mehr als 26 Prozentpunkte hinter der AfD. Es ist das schlechteste Landtagswahlergebnis der Partei in der Geschichte Sachsen-Anhalts.

Noch dramatischer zeigt sich der Absturz beim Blick auf die Wahlkreise.

Vor fünf Jahren hatte die CDU 40 der 41 Direktmandate gewonnen.

Diesmal?

Kein einziges.

Nach dem vorläufigen Stand gehen 38 der 41 Direktmandate an die AfD. Die drei übrigen Wahlkreise werden von Kandidaten der Linken gewonnen – einer in Magdeburg und zwei in Halle.

Aus einer nahezu vollständigen Dominanz der CDU auf der Wahlkreiskarte ist innerhalb einer Legislaturperiode das genaue Gegenteil geworden.

Siegmund gewinnt seinen Wahlkreis deutlich

Auch AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gewinnt sein Direktmandat deutlich.

Im Wahlkreis Genthin erreicht er nach den vorläufigen Zahlen 49 Prozent der Erststimmen. Sein CDU-Konkurrent Thomas Staudt kommt auf 24 Prozent.

Für Siegmund und seine Partei ist das Ergebnis ein historischer Erfolg. Dennoch steht unmittelbar nach der Wahl die entscheidende Frage im Raum:

Kann der klare Wahlsieger tatsächlich eine Regierung bilden?

Denn die Zahlen schaffen eine komplizierte Ausgangslage.

BSW schafft es knapp – FDP fliegt raus

Hinter AfD und CDU folgt mit gewaltigem Abstand der Rest des Parteienspektrums.

Die SPD erreicht 9,3 Prozent und verbessert sich damit leicht gegenüber ihren 8,4 Prozent von 2021.

Die Grünen kommen auf 8,9 Prozent und legen gegenüber 5,9 Prozent bei der vergangenen Wahl deutlich zu.

Die Linke erreicht 8,6 Prozent, nachdem sie 2021 noch auf 11 Prozent gekommen war.

Besonders spannend wurde es beim erstmals antretenden BSW. Mit 5,3 Prozent überspringt das Bündnis Sahra Wagenknecht knapp die Fünf-Prozent-Hürde und zieht in den Magdeburger Landtag ein.

Für die FDP endet der Wahlabend dagegen bitter. Sie stürzt von 6,4 auf 2,6 Prozent ab und scheidet aus dem Parlament aus.

Damit sieht die vorläufige Sitzverteilung folgendermaßen aus: AfD 39 Sitze, CDU 15 sowie SPD, Grüne und Linke jeweils acht Mandate. Das BSW erhält fünf Sitze.

Eine Wahlbeteiligung wie seit Jahrzehnten nicht

Doch nicht nur das Ergebnis ist historisch.

Auch die Beteiligung an der Wahl erreicht einen außergewöhnlichen Wert.

77,8 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

2021 waren es lediglich 60,3 Prozent gewesen.

Damit erreicht Sachsen-Anhalt die höchste Beteiligung bei einer Landtagswahl seit der Wiedervereinigung.

Die enorme Mobilisierung zeigt, wie stark diese Wahl die Menschen im Land beschäftigt hat.

Rund 1,7 Millionen Menschen waren wahlberechtigt.

Jetzt beginnt das große Rechnen

Mit dem Ende der Auszählung beginnt deshalb erst der schwierigste Teil: die Regierungsbildung.

Die AfD ist mit Abstand stärkste Partei und sieht in ihrem Ergebnis einen Regierungsauftrag. Für eine Alleinregierung reichen ihre 39 Mandate jedoch nicht.

Damit benötigt sie Stimmen oder Unterstützung aus einer anderen Fraktion.

Gleichzeitig haben andere Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD bislang abgelehnt oder ausgeschlossen. Besonders dadurch rückt das BSW mit seinen fünf Abgeordneten ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit.

Auch außerhalb einer formellen Koalition könnten diese Stimmen bei der Wahl eines Ministerpräsidenten entscheidend werden. Das BSW hat sich unmittelbar nach der Wahl hinsichtlich der künftigen Regierungsbildung nicht auf die gleichen kategorischen Abgrenzungen festgelegt wie andere Parteien.

Damit könnte ausgerechnet die mit 5,3 Prozent kleinste Fraktion des neuen Landtags erheblichen Einfluss darauf bekommen, wer Sachsen-Anhalt künftig regiert.

CDU vor schwierigen Entscheidungen

Mindestens ebenso groß ist der Druck auf die CDU.

Sie muss nicht nur einen Verlust von fast 20 Prozentpunkten erklären, sondern gleichzeitig ausloten, ob und wie überhaupt eine stabile Regierung ohne die AfD gebildet werden kann.

Unions-Fraktionschef Thorsten Frei stellte in der Wahlnacht klar, dass er nicht mit Überläufern aus der CDU zur AfD rechnet und Gespräche mit der AfD weiterhin ausschließt.

Damit könnte sich eine außergewöhnlich komplizierte Situation ergeben: Die mit Abstand stärkste Partei besitzt keine eigene Mehrheit, während eine Mehrheit ohne sie möglicherweise eine politisch äußerst breite Zusammenarbeit mehrerer Parteien erfordern würde.

Musk gratuliert der AfD

Der Wahlausgang sorgte noch in der Nacht auch international für Aufmerksamkeit.

Tech-Milliardär Elon Musk reagierte auf der Plattform X auf einen Jubelbeitrag von AfD-Chefin Alice Weidel und gratulierte zum Ergebnis. Musks öffentliche Unterstützung für die AfD war bereits zuvor Gegenstand politischer Diskussionen in Deutschland gewesen.

Die Wahl in Sachsen-Anhalt wird auch deshalb international genau beobachtet, weil der AfD-Landesverband vom Landesamt für Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Gegen diese Einstufung geht die Partei juristisch vor; das entsprechende Verfahren ist derzeit ausgesetzt.

Seltsame Stimmung in Magdeburg

Wie außergewöhnlich diese Wahlnacht war, zeigte sich schließlich auch abseits der Parteizentralen.

Im Maritim-Hotel in Magdeburg trafen Mitglieder und Politiker verschiedener Parteien aufeinander. Dort hielt sich die CDU im Rahmen ihrer Wahlveranstaltung auf, während sich nur wenige Meter entfernt auch eine Gruppe von AfD-Politikern um den Fraktionsvorsitzenden Oliver Kirchner niederließ.

CDU-, SPD-, Grünen- und FDP-Vertreter diskutierten im Foyer über den Ausgang der Wahl, während die AfD-Gruppe weitgehend unter sich blieb.

Ein fast symbolisches Bild für diese Wahlnacht:

Alle sitzen im selben Gebäude.

Politisch liegen zwischen ihnen Welten.

Sachsen-Anhalt steht vor völlig neuen Verhältnissen

Das Ergebnis vom 6. September 2026 markiert damit eine Zäsur.

Die AfD hat ihren Stimmenanteil innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt und die politische Landkarte des Landes bei den Direktmandaten nahezu vollständig übernommen.

Die CDU, 2021 noch dominierende Regierungspartei, verliert mehr als die Hälfte ihrer Wähler und sämtliche Direktmandate.

Die Grünen erreichen einen neuen Höchstwert im Land, das BSW zieht beim ersten Anlauf in den Landtag ein, während die FDP aus dem Parlament verschwindet.

Und über allem steht eine Zahl:

43,8 Prozent.

Sie macht die AfD zum eindeutigen Gewinner der Wahl.

Zur alleinigen Macht reicht sie aber nicht.

Damit dürfte die vielleicht schwierigste Frage dieser historischen Wahlnacht erst in den kommenden Tagen und Wochen beantwortet werden:

Wer kann Sachsen-Anhalt überhaupt noch regieren – und mit wem?

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