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FC Bayern: Bodo Glimmt nicht mehr

jorono (CC0), Pixabay
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Bayern München – Bodø/Glimt 5:0

Ja mei, liebe Bayern-Fans – genau so darf eine Champions-League-Saison beginnen! Erst glimmte Bodø noch ein bisschen, dann kam der FC Bayern aus der Kabine – und anschließend war das Licht aus. 5:0. Fünf Tore. Kein Gegentor. Kein einziger Schuss auf unser Tor. Und am Ende die Erkenntnis: Europa, wir wären dann wieder da.

Zugegeben: In der ersten Halbzeit konnte man als Bayern-Fan noch nicht unbedingt die Weißbiergläser für die große Siegesfeier bereitstellen.

Bodø/Glimt stand tief, lief, kämpfte, verschob und machte all das, was Mannschaften eben machen, wenn sie nach München kommen und möglichst lange verhindern wollen, dass der FC Bayern anfängt, Fußball zu spielen.

Und wir Bayern-Fans kennen solche Spiele.

70 Prozent Ballbesitz gefühlt, der Gegner steht mit Bus, Wohnwagen und Reisegepäck vor dem eigenen Strafraum – und irgendwann beginnt man auf dem Sofa zu murmeln:

„Jetzt macht halt endlich einen rein!“

Dann kam die zweite Halbzeit.

Und plötzlich war Schluss mit nordnorwegischer Gemütlichkeit.

Musiala macht die Tür auf

Jamal Musiala nahm sich der Sache an.

Tor.

Endlich!

Der Dosenöffner war gefunden.

Und wer den FC Bayern über viele Jahre verfolgt hat, kennt diesen Moment: Es gibt Spiele, da hält der Gegner eine Stunde lang tapfer dagegen. Und dann fällt dieses eine Tor.

Danach sieht man förmlich, wie beim Gegner der Gedanke entsteht:

„Oh nein. Jetzt kommen die.“

Und sie kamen.

Harry Kane stieg hoch.

Kopfball.

Tor.

Natürlich Harry Kane.

Wer sonst?

Der Mann trifft mittlerweile in der Champions League mit einer Zuverlässigkeit, bei der man sich langsam fragt, ob die UEFA nicht irgendwann überprüfen möchte, ob dieser Engländer tatsächlich regelkonform ist.

Acht Champions-League-Spiele hintereinander getroffen.

Acht!

Harry, wir Bayern-Fans sagen an dieser Stelle einfach einmal:

Thank you very much.

Und dann kam der Orkan

Jetzt war Bodø/Glimt nicht mehr Glimt.

Jetzt glimmte gar nichts mehr.

Jetzt brannte nur noch die Münchner Offensive.

Alphonso Davies schaltete den Turbo ein.

Tor.

Und dann Michael Olise.

Was für ein Fußballer.

Was für eine Ruhe am Ball.

Was für eine Technik.

Und vor allem: Was für eine Lust auf Offensive.

Olise traf gleich zweimal.

Spätestens beim fünften Tor dürfte sich der eine oder andere Norweger gedacht haben, dass München zwar eine wunderschöne Stadt ist, man den Ausflug sportlich aber vielleicht besser nach dem Oktoberfest geplant hätte.

5:0.

Deckel drauf.

Servus.

Gute Heimreise.

25 Torschüsse – null aufs eigene Tor

Und das Schönste an diesem Abend war nicht einmal nur das Ergebnis.

Bayern hatte ungefähr zwei Drittel Ballbesitz.

25 Torschüsse.

Und Bodø/Glimt?

Keinen einzigen Schuss auf das Münchner Tor.

Null.

Nada.

Nichts.

Unser Torwart hätte zwischendurch wahrscheinlich in Ruhe die Steuererklärung machen können.

Gut, Bodø spielte nach einem Platzverweis irgendwann auch noch in Unterzahl. Aber man muss einen Gegner trotzdem erst einmal so konsequent beherrschen.

Und genau das haben die Bayern gemacht.

Nicht wild.

Nicht hektisch.

Sondern irgendwann mit dieser wunderbaren Münchner Selbstverständlichkeit:

Ihr seid müde? Gut. Dann legen wir jetzt richtig los.

23-mal hintereinander!

Und dann gibt es da noch diese Zahl:

23.

Zum 23. Mal hintereinander gewinnt der FC Bayern sein Auftaktspiel in der Champions League.

Dreiundzwanzig!

Andere Mannschaften sprechen vor dem ersten Champions-League-Spiel von Nervosität, Eingewöhnung und davon, dass man erst einmal „in den Wettbewerb hineinfinden“ müsse.

Der FC Bayern offenbar:

„Auftaktspiel? Gewinnen wir.“

Manchmal vergisst man als Bayern-Fan bei all den Diskussionen über Trainer, Transfers, Aufstellungen, Vorstand und die berühmte Frage, wer gerade mit wem gesprochen oder nicht gesprochen hat, was dieser Verein sportlich über Jahrzehnte aufgebaut hat.

23 Champions-League-Auftaktsiege hintereinander passieren nicht zufällig.

Das ist europäische Spitzenklasse über Generationen.

Harry trifft. Musiala zaubert. Olise explodiert.

Und genau diese Mischung macht Lust auf mehr.

Musiala ist wieder dieser Fußballer, bei dem man nie genau weiß, ob er gerade dribbelt oder ob der Ball beschlossen hat, ihm freiwillig zu folgen.

Harry Kane macht das, wofür wir ihn geholt haben:

Tore.

Davies bringt Geschwindigkeit.

Und Michael Olise?

Der Junge entwickelt sich langsam zu einem Spieler, bei dem man sich als Bayern-Fan bei jedem Ballkontakt ein kleines Stück nach vorne setzt.

Zwei Tore an diesem Abend.

Und wieder diese Leichtigkeit.

Dieser Mann ist längst kein Ergänzungsspieler mehr.

Er kann einer derjenigen werden, die große Champions-League-Abende entscheiden.

Natürlich werden jetzt wieder die Mahner kommen

Und natürlich höre ich sie schon.

„Ja, aber es war doch nur Bodø/Glimt.“

Stimmt.

Manchester City war es nicht.

Real Madrid auch nicht.

Und Paris ebenfalls nicht.

Gegen die ganz Großen wird Bayern weniger Platz bekommen. Da wird unsere Abwehr geprüft. Da werden Fehler bestraft. Und da werden wir sicherlich nicht 25-mal aufs gegnerische Tor schießen, während unser eigener Torwart einen Wellnessabend verbringt.

Alles richtig.

Aber darf man sich als Fan eigentlich einfach einmal über ein 5:0 freuen?

Ja!

Genau dafür schauen wir Fußball.

Fünf Tore.

Kein Gegentor.

Musiala trifft.

Kane trifft.

Davies trifft.

Olise trifft doppelt.

Champions League.

Allianz Arena.

Drei Punkte.

Was möchten wir denn noch?

Europa, der FC Bayern ist wieder da

Natürlich gewinnt man die Champions League nicht am ersten Spieltag.

Natürlich sagt ein 5:0 gegen Bodø/Glimt noch nichts darüber aus, was im Frühjahr passiert.

Real Madrid wird deshalb heute Nacht vermutlich nicht geschlossen schlecht schlafen.

Aber eines hat dieser Abend gezeigt:

Diese Bayern haben Lust.

Sie haben Tempo.

Sie haben Qualität.

Und vor allem haben sie vorne mehrere Spieler, die ein Spiel entscheiden können.

Genau das braucht man in Europa.

Und deshalb darf man nach diesem Abend als Bayern-Fan ruhig einmal das Fenster aufmachen und in Richtung Madrid, Paris, London und Manchester rufen:

Wir wären dann auch wieder da!

Noch ist nichts gewonnen.

Noch wartet eine lange Champions-League-Saison.

Aber dieser Anfang?

Der macht verdammt viel Spaß.

Und Bodø/Glimt?

Die Norweger kamen als Glimt nach München.

Nach 90 Minuten war vom Glimmen nicht mehr viel übrig.

Bodo glimmt nicht mehr.

5:0.

Mia san mia.

Und jetzt bitte genauso weiter!

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