EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat eine erstaunliche Rechnung präsentiert: Die westlichen Sanktionen sollen Russland mittlerweile zwischen 1,2 und 1,5 Billionen Dollar gekostet haben. Eine Summe, bei der normale Menschen anfangen würden, über Einsparungen nachzudenken. Im Kreml dürfte man dagegen bereits die nächste Pressemitteilung vorbereiten, warum auch das ein weiterer Beweis für die Stärke der russischen Wirtschaft ist.
Während die EU weitere Sanktionen gegen über 80 Personen und Organisationen plant, hält Moskau weiter tapfer durch. Oder zumindest so lange, bis genügend Treibstoff verfügbar ist.
Denn ausgerechnet das russische Energieministerium musste nun einräumen, dass ukrainische Angriffe auf wichtige Anlagen zu Problemen bei der Kraftstoffversorgung geführt haben. Übersetzt aus dem Behördendeutsch bedeutet „vorübergehende Schwierigkeiten“ meist, dass irgendwo jemand vergeblich nach Benzin sucht.
Besonders kreativ reagiert man auf der Krim und im besetzten Luhansk: Dort wird Kraftstoff inzwischen rationiert. Eine moderne Form der Verbrauchererziehung. Wer nichts tanken kann, spart schließlich automatisch Sprit.
Auch beim Kerosin setzt Moskau neue Maßstäbe der Nachhaltigkeit. Die Ausfuhr wurde bis Ende November untersagt. Offiziell natürlich aus strategischen Gründen. Inoffiziell könnte es hilfreich sein, wenn man den Treibstoff zunächst selbst behält.
Parallel erklärte Vizeregierungschef Alexander Nowak, dass Russland derzeit weniger Öl fördert als geplant. Das klingt deutlich eleganter als die Formulierung: „Der Plan funktioniert gerade nicht ganz wie vorgesehen.“
In Brüssel spricht man derweil von strategischer Geduld. Man müsse den Druck weiter erhöhen, bis Russland ernsthaft verhandeln wolle. Im Kreml setzt man offenbar auf eine andere Strategie: abwarten, durchhalten und hoffen, dass die Tankstelle noch geöffnet hat.
So entsteht ein bemerkenswertes Bild: Die EU meldet Sanktionen in Billionenhöhe, Russland meldet Treibstoffengpässe – und beide Seiten erklären, dass ihre Strategie hervorragend funktioniert. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen Wirtschaftskrieg, Durchhalteparolen und der Frage, wer zuletzt noch genug Benzin im Tank hat.
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