Startseite Allgemeines „Runter vom Bildschirm!“ – sagt die Tech-Branche, während sie uns neue Geräte verkauft, die wir noch näher ans Gesicht kleben sollen
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„Runter vom Bildschirm!“ – sagt die Tech-Branche, während sie uns neue Geräte verkauft, die wir noch näher ans Gesicht kleben sollen

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Die große Vision der Tech-Industrie klingt erstmal erstaunlich sympathisch: weniger aufs Handy starren, mehr im echten Leben sein, den Kopf heben, die Welt wieder sehen statt scrollen.

Also genau das, was uns seit Jahren alle sagen – Eltern, Lehrer, Partner, Therapeuten und wahrscheinlich auch unser Nacken.

Doch kaum hat man kurz Hoffnung auf digitale Entgiftung, kommt die Industrie mit der nächsten Produktidee um die Ecke: Smart Glasses, KI-Brillen, AirPods mit Kameras. Kurz gesagt: alles außer weniger Technik.

Die Idee dahinter klingt harmlos: Statt aufs Display zu schauen, soll die Information direkt ins Ohr, ins Auge oder vermutlich irgendwann auch ins Nervensystem geliefert werden. Siri schaut dann mit, hört mit und denkt im besten Fall gleich mit.

Apple soll angeblich schon an AirPods arbeiten, die sehen können, was wir sehen. Also endlich jemand im Raum, der noch mehr Screenshots unseres Lebens machen kann als wir selbst – nur unsichtbarer.

Snap verkauft währenddessen Brillen für knapp 2.000 Pfund, die aussehen, als hätte jemand „Zukunft“ und „Headset-Schmerzen“ in einem Produkt vereint. Meta hat schon Millionen solcher Brillen im Umlauf – inklusive eingebauter Kamera und der Frage im Hintergrund: „Filmt der Typ gerade mich oder googelt er nur seine Pizza?“

Offiziell geht es um „weniger Bildschirmzeit“. Inoffiziell könnte es auch einfach heißen: mehr Wege, uns mit Technik zu beschäftigen, ohne dass wir es überhaupt merken.

Die optimistische Version klingt so: Du schaust in den Kühlschrank, die Brille sagt dir ein Rezept. Du gehst spazieren, die Welt erklärt sich selbst. Du denkst an nichts – und dein Gerät denkt für dich.

Die skeptische Version klingt eher so: Du hast keinen Bildschirm mehr, aber dafür eine permanente Datenbrille, die alles kommentiert, analysiert und optimiert. Also Bildschirmzeit minus Bildschirm, aber plus Dauerbeschallung.

Und genau hier liegt die Ironie: Die Industrie verkauft uns „weniger Ablenkung“, baut aber gleichzeitig die Infrastruktur für noch mehr permanente Verbindung.

Oder anders gesagt: Wir sollen endlich aufhören, aufs Handy zu schauen – damit wir stattdessen in noch mehr Geräte hineinschauen, die direkt auf uns zurückschauen.

Die gute Nachricht: Vielleicht schauen wir irgendwann wirklich weniger auf Bildschirme.

Die weniger gute: Dann schauen die Bildschirme eben auf uns.

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