Startseite Allgemeines RB Leipzig:Wie lange müssen wir uns Demichelis noch antun? Wir haben einen Top Trainer entlassen, weil Jürgen Klopp das so wollte!
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RB Leipzig:Wie lange müssen wir uns Demichelis noch antun? Wir haben einen Top Trainer entlassen, weil Jürgen Klopp das so wollte!

jorono (CC0), Pixabay
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Eine Frage aus der Sicht eines launischen, enttäuschten und langsam leicht verzweifelten RB-Fans: Wie lange sollen wir uns den von Jürgen Klopp maßgeblich mit ausgewählten Trainer Martín Demichelis noch ansehen?

Ja, natürlich steht der Trainer nicht selbst auf dem Platz. Demichelis verliert keinen Zweikampf, spielt keinen Fehlpass und schaut bei einem Gegentor nicht persönlich interessiert hinterher. Aber er stellt die Mannschaft auf, gibt die taktische Ausrichtung vor und trägt die Verantwortung dafür, mit welcher Einstellung, Ordnung und Intensität seine Spieler auftreten.

Und mit Verlaub: Was RB Leipzig bereits in Bremen zeigte und beim 1:4 in Como noch einmal deutlich verschärfte, trägt eine Handschrift des Trainers. Es ist nur leider keine, die mir besonders gefällt.

Como durfte feiern, Leipzig durfte zuschauen

Como bestritt das erste Champions-League-Spiel seiner Vereinsgeschichte. Eigentlich hätte man deshalb eine unerfahrene und möglicherweise nervöse Mannschaft erwarten können. Nervös und überfordert wirkte allerdings nicht der italienische Neuling, sondern der deutsche Champions-League-Teilnehmer.

RB Leipzig war spielerisch, taktisch und kämpferisch unterlegen. Como spielte mutiger, klarer und entschlossener. Die Italiener wussten, wohin sie laufen, wie sie sich anbieten und was sie mit dem Ball anfangen wollten.

Bei Leipzig entstand dagegen zeitweise der Eindruck, als hätten sich elf talentierte Einzelspieler zufällig am Comer See getroffen und kurz vor dem Anpfiff erfahren, dass sie gemeinsam ein Fußballspiel bestreiten sollen.

Die 1:4-Niederlage war kein unglücklicher Ausrutscher. Sie war verdient. Genau das macht sie so unangenehm.

Orban sagt, was jeder sehen konnte

Abwehrchef Willi Orban redete nach dem Spiel nicht um den heißen Brei herum. Er bemängelte fehlende Intensität, falsche Abstände, schwache Zweikampfwerte und mangelnde Cleverness. Seine Mannschaft sei in manchen Situationen zu jugendlich aufgetreten und habe es versäumt, körperlich dagegenzuhalten.

Damit beschrieb Orban ziemlich genau das, was die Zuschauer zuvor 90 Minuten lang ertragen mussten.

Leipzig war nicht nur schlecht. Die Mannschaft wirkte auf eine beunruhigende Weise harmlos. Es fehlte an aggressivem Pressing, klarer Raumaufteilung und gegenseitiger Unterstützung. Wenn ein Spieler den Ball bekam, standen seine Mitspieler häufig zu weit entfernt oder versteckten sich zuverlässig hinter einem Gegenspieler.

Von dem berüchtigten Leipziger Tempo- und Umschaltfußball war wenig zu erkennen. Statt „RasenBallsport“ gab es zeitweise eher „Ratlosigkeit bei Ballbesitz“.

Die deutliche Niederlage beim Champions-League-Debütanten Como ist auch international bestätigt: Der italienische Neuling gewann verdient mit 4:1 und dominierte große Teile der Partie. Reuters zum Champions-League-Spiel

Wo ist die angekündigte Intensität?

Demichelis steht angeblich für intensiven, mutigen und offensiven Fußball. Das klingt ausgezeichnet. Nur wäre es schön, wenn man davon gelegentlich auch während eines Spiels etwas sehen könnte.

Pressing bedeutet nicht, dass ein einzelner Stürmer dem gegnerischen Torwart hinterherläuft, während der Rest der Mannschaft aus sicherer Entfernung zusieht. Ballbesitz bedeutet auch nicht, den Ball möglichst lange zwischen Innenverteidigern und Torwart hin- und herzuschieben, bis schließlich jemand die Geduld verliert und einen unkontrollierten Pass nach vorne schlägt.

Ein funktionierendes Spielsystem erkennt man an wiederkehrenden Abläufen. Spieler wissen, welche Räume sie besetzen müssen. Nach Ballverlusten greifen die Sicherungsmechanismen. Im Aufbau entstehen Anspielstationen, und gegen den Ball bewegt sich die Mannschaft als geschlossene Einheit.

In Como war davon zu wenig zu erkennen. Die Abstände stimmten nicht, die Zweikämpfe wurden nicht angenommen und im Spielaufbau fehlten Mut und Präzision. Wenn selbst der Kapitän anschließend öffentlich erklärt, dass Abläufe und Positionierungen noch geschärft werden müssen, handelt es sich nicht nur um einen schlechten Abend.

Es handelt sich um grundlegende Trainerarbeit.

Eine junge Mannschaft braucht Führung

Der Kader von RB Leipzig ist jung. Das wissen wir. Junge Spieler dürfen Fehler machen, ungeduldig sein und in einer aufgeheizten Champions-League-Partie falsche Entscheidungen treffen.

Gerade deshalb benötigen sie aber eine klare taktische Führung. Jugend darf keine dauerhafte Entschuldigung für fehlende Ordnung sein. Eine junge Mannschaft muss nicht automatisch naiv spielen. Sie kann aggressiv, mutig und diszipliniert auftreten, wenn sie entsprechend vorbereitet wird.

Como war Leipzig nicht deshalb überlegen, weil dort elf unfehlbare Weltstars auf dem Platz standen. Como war überlegen, weil die Mannschaft geschlossen handelte und offenbar einen funktionierenden Plan hatte.

Bei RB war der Plan entweder nicht gut oder nicht zu erkennen. Beides fällt in den Verantwortungsbereich des Trainers.

Auch Jürgen Klopp trägt Verantwortung

Martín Demichelis ist keine zufällige Erscheinung, die eines Morgens vor dem Leipziger Trainingszentrum stand und aus Versehen einen Vertrag erhielt. Seine Verpflichtung wurde wesentlich von Jürgen Klopp mitgetragen, der im Red-Bull-Fußballnetzwerk eine zentrale sportliche Rolle spielte.

Klopp wollte einen Trainer, der zum intensiven Red-Bull-Stil passt. Demichelis sprach nach seiner Verpflichtung begeistert über diese Idee und über den Austausch mit Klopp. Hintergrund zu Klopps Rolle bei der Trainerentscheidung

Deshalb darf auch Klopp die Frage gestellt werden, woran er bei dieser Entscheidung die besondere Eignung erkannte. Wenn ein Trainer mit einem klaren Konzept verpflichtet wird, sollte dieses Konzept wenigstens in Ansätzen sichtbar sein.

Bislang erkenne ich vor allem Unsicherheit, fehlende Automatismen und eine Mannschaft, die deutlich weniger ist als die Summe ihrer Einzelspieler.

„Mit dem vollen Kader wird alles besser“

Demichelis verweist darauf, dass die Mannschaft in den kommenden Wochen mit einem vollständigen Kader und weiterer Arbeit ein anderes Gesicht zeigen werde. Das ist möglich und angesichts der frühen Saisonphase auch ein berechtigter Hinweis.

Aber verletzte Spieler erklären nicht alles. Sie erklären nicht, warum die vorhandenen Profis Zweikämpfen ausweichen, Abstände nicht stimmen und der Gegner gedanklich regelmäßig schneller ist. Sie erklären auch nicht, weshalb selbst einfache Abläufe im Spielaufbau so wirken, als würden sie zum ersten Mal ausprobiert.

Ein vollständiger Kader hilft jedem Trainer. Die Kunst besteht jedoch darin, auch mit dem verfügbaren Personal eine erkennbare Struktur auf den Platz zu bringen.

Die Fans möchten nicht ständig hören, dass irgendwann alles besser wird. Sie möchten wenigstens sehen, dass die Mannschaft auf dem Weg dorthin ist.

Jetzt soll ausgerechnet der HSV als Aufbaugegner dienen

Am Sonntag kommt der Hamburger SV nach Leipzig. Demichelis kündigt ein gutes Spiel und einen Sieg für die Fans an.

Das ist freundlich. Noch freundlicher wäre es, wenn seine Mannschaft tatsächlich so auftreten würde.

Gegen den HSV muss nicht jeder Angriff in einem Traumtor enden. Die Fans erwarten keine fehlerfreie Gala. Sie wollen eine Mannschaft sehen, die läuft, kämpft, gemeinsam presst und nach einem Ballverlust nicht erst eine schriftliche Einladung zur Rückwärtsbewegung benötigt.

Vor allem muss eine Reaktion erkennbar sein. Kein neues taktisches Experiment, keine weiteren Erklärungen und kein Hinweis auf die lange Saison. Die Mannschaft muss zeigen, dass sie verstanden hat, wie unwürdig der Auftritt in Como war.

Muss Demichelis sofort gehen?

Bei aller Wut wäre eine sofortige Entlassung nach wenigen Saisonspielen überzogen. Ein neuer Trainer benötigt Zeit, besonders bei einer jungen und veränderten Mannschaft.

Zeit ist im Profifußball allerdings kein bedingungsloses Geschenk. Sie muss durch erkennbare Fortschritte gerechtfertigt werden. Wenn Ergebnisse fehlen, muss zumindest eine Entwicklung sichtbar sein. Wenn beides ausbleibt, wird aus Geduld irgendwann Nachlässigkeit.

Demichelis braucht deshalb keine Schonfrist bis Weihnachten, in der jede schwache Vorstellung mit „Prozess“, „Entwicklung“ oder „fehlenden Automatismen“ erklärt wird. Er braucht jetzt einige Spiele, in denen eine klare Richtung zu erkennen ist.

Die nächsten Wochen müssen Antworten liefern:

Spielt Leipzig mutiger? Stimmen die Abstände? Funktioniert das Pressing? Gewinnt die Mannschaft wieder entscheidende Zweikämpfe? Und sehen wir endlich ein System, das nicht nur in der Pressekonferenz existiert?

Bleiben die Antworten aus, muss die Vereinsführung handeln.

Mein Fan-Urteil nach Como

Ich verlange nicht, dass RB Leipzig jedes Spiel gewinnt. Niederlagen gehören zum Fußball. Auch ein Champions-League-Teilnehmer darf beim Debütanten Como verlieren.

Was ich nicht akzeptieren möchte, ist die Art und Weise.

Eine Leipziger Mannschaft darf technisch einen schlechten Tag haben. Sie darf aber nicht gleichzeitig weniger intensiv, weniger mutig und weniger organisiert auftreten als der Gegner. Wenn genau das geschieht, ist nicht nur die Tagesform schuld.

Dann trägt die Mannschaft die Verantwortung – und der Trainer ebenso.

Demichelis muss nicht heute entlassen werden. Aber er muss sehr schnell zeigen, warum Jürgen Klopp und die Leipziger Verantwortlichen überzeugt waren, dass er der richtige Mann für diesen Verein ist.

Denn nach Bremen und Como ist mein Vertrauen bereits auf dem Stand der Leipziger Zweikampfquote: ausbaufähig.

Wie lange müssen wir uns das noch antun? Hoffentlich nicht mehr lange in dieser Form. Demichelis darf bleiben – aber der Fußball, den er bisher spielen lässt, sollte schleunigst verschwinden.

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