Na also, geht doch! 3:0 gegen Gladbach, erster Sieg für Martin Demichelis – und plötzlich sieht die RB-Welt schon wieder ein gutes Stück freundlicher aus.
Man konnte Demichelis nach dem Abpfiff regelrecht ansehen, was dieser Erfolg mit ihm gemacht hat. „Ich werde diesen Tag nie vergessen“, sagte er – und ganz ehrlich: Nach den letzten Wochen darf man ihm diesen Moment auch gönnen. Besonders schön war zu beobachten, wie er bei den Toren nicht den coolen Cheftrainer spielte, sondern gemeinsam mit seinem gesamten Trainerteam jubelte. Genau diese Emotionen wollen wir sehen.
Nach dem Spiel holte Demichelis die Mannschaft noch einmal in der Kabine zusammen und sagte den Spielern, sie sollten diesen Moment genießen. Völlig richtig. Denn bei allem Gemecker und aller Ungeduld: Im Klub wurde zuletzt offenbar ordentlich gearbeitet. Jetzt gab es endlich einmal den entsprechenden Lohn dafür.
Aber machen wir uns nichts vor: Ein 3:0 macht noch keinen goldenen Herbst.
Mindestens genauso spannend wie das Geschehen auf dem Platz wird deshalb das, was Marcel Schäfer bis Dienstag um 18 Uhr noch aus dem Hut zaubert.
Marc Guiu? Das klingt verdammt nach RB
Der bevorstehende Transfer von Marc Guiu gefällt mir ehrlich gesagt ziemlich gut.
20 Jahre jung, groß, schnell, pressingstark – wenn man früher bei RB Leipzig einen Stürmer am Reißbrett entworfen hätte, wäre vermutlich ziemlich genau so ein Profil herausgekommen.
Dass Leipzig offenbar schon 2024 sehr weit mit ihm war und der Kontakt danach nie ganz abgerissen ist, macht die Geschichte noch interessanter. Damals entschied er sich für Chelsea, jetzt soll er für rund 15 Millionen Euro plus mögliche Bonuszahlung kommen.
Das ist natürlich kein Schnäppchen aus der Kategorie „mal schauen, was passiert“. Aber dafür bekommt RB einen jungen Spieler mit Entwicklungspotenzial und einem Profil, das zur Spielidee passen sollte.
Und ganz ehrlich: Mir ist ein Transfer lieber, bei dem ich sofort erkenne, was man mit dem Spieler vorhat, als der nächste Name, bei dem wir uns sechs Monate fragen, auf welcher Position er eigentlich spielen soll.
El Aynaoui: Erfahrung, die diesem Mittelfeld guttun könnte
Auch Neil El Aynaoui klingt spannend.
25 Jahre, marokkanischer Nationalspieler, zentraler Mittelfeldspieler und bei der WM in allen sechs Spielen von Beginn an dabei. Die Konstruktion mit Leihe, vier Millionen Euro Gebühr und einer Kaufoption über 25 Millionen Euro wirkt zumindest so, als könne RB den Spieler erst einmal ausgiebig testen.
Und etwas mehr Stabilität und Präsenz im Zentrum dürfte dieser Mannschaft nicht schaden.
Wenn er einschlägt: kaufen.
Wenn nicht: Hand geben, Danke sagen und weitermachen.
So sollte eine Leihe im Idealfall funktionieren.
Harder geht – und irgendwie ist es logisch
Bei Conrad Harder scheint das Kapitel Leipzig zunächst beendet. Leihe nach Straßburg, keine Kaufoption.
Nach 34 Spielen und vier Toren in seiner ersten Saison ist das wahrscheinlich für alle Seiten die vernünftigste Lösung. Der Junge braucht Spielzeit, Erfolgserlebnisse und vielleicht einfach ein Umfeld, in dem er wieder Selbstvertrauen bekommt.
Sein Abschied nach dem Gladbach-Spiel klang jedenfalls schon ziemlich eindeutig. Erst die Umarmung mit Rocco Reitz, dann verließ er frühzeitig das Stadion.
Schade, dass es bislang nicht funktioniert hat. Aber mit 21 ist die Geschichte noch lange nicht vorbei.
Vermeeren bleibt das große Fragezeichen
Bei Arthur Vermeeren wird es dagegen komplizierter.
Keine konkreten Angebote, lediglich eine lose Spur Richtung Eindhoven. Für einen Spieler, von dem man sich einmal einiges versprochen hat, ist das natürlich keine besonders komfortable Situation.
Genau hier zeigt sich aber auch das Problem dieses Kaders: Spieler abzugeben ist eben deutlich schwieriger, als jedes Jahr neue Talente einzukaufen.
Sportliche Kaderplanung endet nicht mit der Präsentation eines Neuzugangs inklusive Schal und Fototermin. Man muss am Ende auch eine Mannschaft zusammenstellen, in der jeder eine realistische Rolle hat.
Raum muss bleiben
Und dann wäre da noch David Raum.
Manchester United klingt natürlich nett. Premier League, großes Stadion, großer Name und so weiter.
Aber aus RB-Sicht kann die Antwort zwei Tage vor Transferschluss eigentlich nur lauten:
Danke für das Interesse – aber nein.
Raum ist Kapitän, Stammspieler und Leistungsträger. Wenn man gerade versucht, unter einem neuen Trainer Stabilität aufzubauen, verkauft man nicht unmittelbar vor Schließung des Transferfensters einen seiner wichtigsten Spieler.
Dass aktuell alles auf einen Verbleib hindeutet, ist deshalb eine sehr gute Nachricht.
Jetzt bloß nicht wieder in Euphorie verfallen
Das 3:0 gegen Gladbach war wichtig. Für Demichelis, für die Mannschaft und wahrscheinlich auch für die Stimmung rund um den gesamten Klub.
Aber wir RB-Fans kennen dieses Spiel inzwischen: Ein überzeugender Sieg – und drei Tage später wird schon wieder vom großen Angriff gesprochen.
Vielleicht machen wir es diesmal anders.
Freuen wir uns einfach darüber, dass die Mannschaft gewonnen hat. Freuen wir uns darüber, dass der Trainer Emotionen zeigt. Und schauen wir gespannt darauf, was Marcel Schäfer bis Dienstag noch erledigt.
Guiu rein, El Aynaoui rein, Harder auf Leihbasis raus, vielleicht noch ein oder zwei weitere Lösungen finden – und dann kann Demichelis endlich mit dem Kader arbeiten, mit dem er zumindest bis zum Winter auskommen muss.
Der erste Sieg ist geschafft. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.
Und wenn wir am Dienstagabend sagen können, dass der Kader kleiner, ausgewogener und hungriger geworden ist, dann war dieses Wochenende vielleicht tatsächlich mehr als nur ein schöner 3:0-Sieg.
Vielleicht war es der Anfang von etwas.
Aber wir sind RB-Fans.
Also freuen wir uns lieber erst einmal bis zum nächsten Spiel.
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