Das Internet hat wieder geliefert.
Diesmal:
die legendäre Aldi-Wunder-Fleischbox.
Für unter zehn Dollar.
Natürlich streng limitiert.
Natürlich „nur heute“.
Und selbstverständlich hat zufällig der Schwager der Cousine eines angeblichen Aldi-Mitarbeiters davon erfahren.
Willkommen im digitalen Wilden Westen von Facebook.
Dort, wo zwischen Katzenvideos, Rentner-Kommentaren und politischen Weltuntergangsprognosen plötzlich das Schnäppchen des Jahrhunderts auftaucht:
20 Kilo Premium-Steaks zum Preis von zwei Leberkässemmeln.
Und erstaunlicherweise klicken immer noch Menschen drauf.
Die Betrüger geben sich dabei richtig Mühe.
Da wird emotional erzählt:
„Mein Onkel arbeitet bei Aldi…“
„Zu viel Ware…“
„Muss heute noch weg…“
„Nur für treue Kunden über 40…“
Fehlt eigentlich bloß noch:
„Gratis Thermomix bei Bestellung innerhalb der nächsten sieben Minuten.“
Der eigentliche Geniestreich kommt aber erst danach.
Denn der Link zum Mega-Angebot steckt natürlich NICHT direkt im Beitrag.
Nein.
Der wartet versteckt in den Kommentaren.
Wie ein digitaler Hinterhofdeal für Schnäppchenjäger mit akutem Rabattfieber.
Wer klickt, landet auf einer Webseite, die aussieht wie Aldi nach drei Flaschen Wodka und einem Wochenendkurs in Webdesign.
Aber hey:
Hauptsache rot-weißes Logo.
Dann folgt das übliche Psychospiel:
„Nur noch 3 Fleischboxen verfügbar!“
„12 Personen schauen sich dieses Angebot gerade an!“
„Jetzt schnell zugreifen!“
Das Internet-Schlachtfest läuft auf Hochtouren.
Und irgendwann kommt natürlich der wichtigste Teil:
Name.
Adresse.
Kreditkartendaten.
Lieblingshaustier.
Erstgeborenes Kind vermutlich nächste Woche.
Offiziell geht’s natürlich nur um „kleine Versandkosten“.
Klar.
Weil Aldi bekanntlich seit Jahrzehnten Premium-Rinderfilets verschenkt und nur auf die 1,99 Euro Liefergebühr angewiesen ist.
Am Ende haben die Betrüger genau das, was sie wollten:
Zahlungsdaten.
Und der Schnäppchenjäger bekommt statt Steaks höchstens eine spontane Herzrhythmusstörung beim Blick aufs Konto.
Besonders faszinierend:
Viele Menschen glauben bei solchen Angeboten plötzlich an wirtschaftliche Wunder, die sie im echten Leben niemals glauben würden.
Im Supermarkt regen sich dieselben Leute über 30 Cent mehr beim Hackfleisch auf.
Aber online wirken 15 Wagyu-Steaks für neun Dollar plötzlich total seriös.
Das Internet bleibt eben ein magischer Ort.
Die wichtigste Regel lautet deshalb weiterhin:
Wenn ein Angebot zu schön klingt, um wahr zu sein –
dann sitzt wahrscheinlich irgendwo ein Betrüger lachend vor seinem Laptop.
Und nein:
Aldi verschenkt keine Luxus-Fleischpakete auf Facebook.
Auch nicht „wegen Überbestand“.
Und schon gar nicht exklusiv für Dieter aus Wanne-Eickel.
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