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Putins Realitätssinn

azmeyart-design (CC0), Pixabay
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Während Wladimir Putin in seinem Kreml-Kosmos die wirtschaftlichen Erfolge Russlands verkündet, staunen die Bürger über seine neueste Entdeckung: die Durchschnittsgehälter. Auf einer Veranstaltung ließ sich der Präsident erklären, dass Moskauer im Schnitt zwischen 1.400 und 1.600 Euro verdienen – nur um dann leise aus dem Publikum zu hören, dass es eher 900 Euro seien. „Komm schon, das muss doch mehr sein“, platzte es aus ihm heraus. Logisch, wenn man sein Gehalt mitrechnet, steigt der Durchschnitt gleich auf Luxusniveau.

Russlands Blogger hatten ihre Freude: „Ich esse Kohl, du isst Fleisch – im Durchschnitt essen wir Kohlrouladen.“ Ein bitterer Witz, der in Zeiten steigender Preise und stagnierender Löhne immer mehr an Aktualität gewinnt. Tatsächlich liegt das Mediangehalt, also das Einkommen der Hälfte der Moskauer, die weniger verdienen als die andere Hälfte, eher bei 470 bis 650 Euro. Doch Statistiken sind flexibel – zumindest im Kreml.

Der kremlkritische Kommentator Anatoli Nesmijan brachte es auf den Punkt: „In einem Land, in dem Lügen zum Zusammenhalt beitragen, sagt keine Behörde die Wahrheit.“ Während der Kreml feierlich verkündet, die Armut sei gesunken, berichten Bürger von Rentnerinnen, die sich keine zwei Kartoffeln leisten können, und Familien, die sich seit zwei Jahren kein Fleisch mehr gegönnt haben.

Doch keine Sorge: Putin hat große Pläne. Bis 2030 sollen mehr russische Passagierflugzeuge gebaut, der Alkoholkonsum gesenkt und die Lebensqualität erhöht werden. Klingt fast nach Jules Verne – als wäre es nur eine Frage des Dekrets, bis der Rubel wieder rollt und der Borschtsch günstiger wird. Vielleicht gibt es ja bald eine staatliche Anordnung, dass alle glücklich sein müssen. Die Umsetzung? Liegt, wie immer, bei den Untergebenen.

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