Im britischen Medienkrieg ist wieder einmal ein Kapitel zu Ende gegangen, und wie so oft im Königreich bleibt nach all dem Donner vor allem eines übrig: eine Rechnung. Nach der gescheiterten Klage von Prinz Harry, Elton John und weiteren prominenten Mitstreitern gegen die Mediengruppe Associated Newspapers will der Verlag nun Prozesskosten in Millionenhöhe zurückhaben. Man könnte sagen: Der Boulevard schlägt zurück – diesmal nicht mit Schlagzeilen, sondern mit Gebührennoten.
Associated Newspapers, zu dem unter anderem die „Daily Mail“ gehört, fordert, dass die unterlegenen Kläger einen höheren Anteil der Prozesskosten übernehmen als üblich. Die Summe, um die es insgesamt geht, ist durchaus majestätisch: 34 Millionen Pfund, also rund 45 Millionen Euro. Für Normalbürger wäre das der Moment, in dem man kurz überlegt, ob man statt eines Anwalts nicht lieber eine sehr große Insel gekauft hätte.
Nun muss ein Gericht in London entscheiden, ob die Kosten nach dem üblichen Schema verteilt werden oder ob für Harry und die anderen Kläger eine strengere Regelung gilt. Der Anwalt der Mediengruppe sprach von einem „Frontalangriff“ auf die Zeitungen des Hauses. Aus seiner Sicht war das Ganze weniger ein gewöhnlicher Rechtsstreit als vielmehr eine Kampagne. Im Boulevarddeutsch hieße das vermutlich: „Promis ziehen in den Krieg – und wundern sich über Munition.“
Auf Klägerseite sieht man das naturgemäß anders. Der Anwalt von Prinz Harry, Elton John, David Furnish, Elizabeth Hurley, Sadie Frost, Doreen Lawrence und Simon Hughes betonte, seine Mandanten hätten ehrlich und im besten Glauben gehandelt. Sie sollten deshalb nicht für alle „erstaunlich hohen Anwaltskosten“ der Gegenseite aufkommen müssen. Das Wort „erstaunlich“ dürfte hier britisch höflich gemeint sein für: „Wer hat denn diese Stundensätze erfunden – Lord Voldemort mit Juraabschluss?“
Der eigentliche Prozess hatte schwere Vorwürfe zum Gegenstand. Die Kläger warfen Associated Newspapers vor, Privatdetektive eingesetzt zu haben, um Autos und Wohnungen zu verwanzen, private Telefongespräche illegal abzuhören und unter falscher Identität an medizinische Unterlagen zu gelangen. Der Verlag wies die Anschuldigungen zurück.
Nach einem elfwöchigen Verfahren kam das Gericht zu dem Schluss, dass die Kläger ihre Vorwürfe nicht beweisen konnten. Die Klage wurde zurückgewiesen. Damit steht juristisch nicht fest, dass die behaupteten Praktiken stattgefunden haben. Fest steht allerdings: Der Prozess war lang, teuer und für die Kläger am Ende wenig erfreulich.
Für Prinz Harry ist es ein weiterer Rückschlag in seinem andauernden Kampf gegen Teile der britischen Presse. Der Herzog von Sussex hat den Boulevard seit Jahren im Visier und macht ihn für erhebliche Eingriffe in sein Privatleben verantwortlich. Diesmal aber landete nicht die Presse auf der Anklagebank des öffentlichen Triumphs, sondern die Klägerseite vor der Frage, wie viel sie für den gescheiterten Angriff zahlen muss.
Die Mediengruppe dürfte sich bestätigt fühlen. Die Kläger dürften sich ungerecht behandelt fühlen. Und die Anwälte dürften sich, ganz unabhängig vom Ausgang, in bemerkenswert stabiler wirtschaftlicher Verfassung befinden.
So bleibt am Ende ein typisch britisches Drama: Adel, Prominenz, Boulevard, schwere Vorwürfe, höfliche Gemeinheiten im Gerichtssaal und eine Kostenrechnung, bei der selbst ein Windsor kurz den Tee verschüttet.
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