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Präsidenten, Profite und Patriotismus: Wenn Korruption plötzlich „wirtschaftliche Führung“ heißt

MIH83 (CC0), Pixabay
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Washington erlebt derzeit wieder einmal ein kleines Wunder der modernen Demokratie:
Ein amtierender Präsident tätigt Finanzgeschäfte in Millionenhöhe mit genau den Konzernen, deren Zukunft er politisch mitbestimmt – und offiziell nennt man das selbstverständlich nicht Korruption, sondern vermutlich „aktives Marktvertrauen“.

Donald Trump hat laut Angaben der US-Behörde für Regierungsethik im ersten Quartal Finanztransaktionen über mehrere hundert Millionen Dollar durchgeführt. Mit dabei: Amazon, Apple, Microsoft, Nvidia, Boeing, Meta – also praktisch die komplette VIP-Lounge des amerikanischen Kapitalismus.

Man könnte fast meinen, das Weiße Haus sei inzwischen eine Mischung aus Oval Office, Wall Street und Börsenbrief-Newsletter.

Präsident oder Investmentbanker?

Besonders charmant:
Während normale Bürger stundenlang grübeln, ob sie sich noch Butter leisten können, bewegt der Präsident mal eben Millionenpakete zwischen Tech-Giganten hin und her.

Natürlich alles völlig legal.
Denn in Amerika ist Korruption oft nur eine Frage der richtigen Formulare.

Und das Beste:
Die Beträge werden gar nicht exakt angegeben. Nein, die Öffentlichkeit bekommt nur hübsche Spannweiten serviert:

  • irgendwo zwischen einer und fünf Millionen,
  • oder zwischen fünf und 25 Millionen Dollar.

Das klingt ein bisschen wie:

„Der Präsident hat entweder ein Fahrrad gekauft oder gleich ganz Florida.“

Apple-Aktien mit patriotischem Beigeschmack

Besonders rührend ist Trumps Liebe zu Apple.

Bis zu 7,2 Millionen Dollar investierte der Präsident zusätzlich in den Konzern. Wahrscheinlich rein zufällig denselben Konzern, der massiv von Handelsentscheidungen, China-Politik und Zöllen abhängig ist.

Aber selbstverständlich glaubt niemand ernsthaft, dass politische Entscheidungen und private Investments irgendwie zusammenhängen könnten.

So etwas würde nur in korrupten Staaten passieren.
Also irgendwo anders natürlich.

Die neue amerikanische Transparenz

Früher galt in Demokratien:
Politiker sollten Interessenkonflikte vermeiden.

Heute gilt eher:

Interessenkonflikte sind okay, solange man sie als PDF veröffentlicht.

Die eigentliche Meisterleistung besteht darin, wie normal all das inzwischen wirkt.

Ein Präsident handelt mit Millionenpapieren großer Konzerne, beeinflusst gleichzeitig:

  • Wirtschaftspolitik,
  • Handelskriege,
  • Subventionen,
  • Zölle,
  • internationale Konflikte,
  • und damit exakt die Märkte, in denen er investiert ist.

Und die Reaktion?
Ein paar Schlagzeilen, zwei empörte Tweets – dann geht’s weiter wie immer.

Willkommen in der Börsenrepublik Amerika

Die USA haben damit möglicherweise eine völlig neue Staatsform entwickelt:
die präsidiale Investmentdemokratie.

Der Präsident regiert nicht nur das Land, sondern offenbar auch sein Portfolio.

Vielleicht kommen die nächsten Kabinettssitzungen direkt von der Nasdaq.
Und möglicherweise wird das Verteidigungsministerium bald von BlackRock gesponsert.

Aber keine Sorge:
Solange alles „ethisch gemeldet“ wird, ist Korruption natürlich ausgeschlossen.

Denn wie jeder weiß:
Korruption beginnt erst dort, wo die kleinen Leute profitieren.

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