Wenn sich die jüngsten Enthüllungen bewahrheiten, dann ist Ungarn unter Viktor Orban längst nicht mehr nur das ewige Problemkind der Europäischen Union. Dann ist es vielmehr ein Trojanisches Pferd mit EU-Ausweis, das in Brüssel am Tisch sitzt, von europäischen Vorteilen profitiert – und gleichzeitig offenbar mit bemerkenswerter Hingabe die Interessen des Kreml bedient.
Was da nun über ein bislang unbekanntes Zwölfpunkteabkommen zwischen Budapest und Moskau bekannt wurde, ist kein bloßer diplomatischer Ausrutscher mehr. Es geht um Wirtschaft, Handel, Energie, Kultur, Bildung, um mehr russische Projekte, mehr Nähe, mehr Zusammenarbeit – und damit um eine politische Linie, die in Zeiten eines russischen Angriffskrieges gegen Europa nicht einfach nur unerquicklich wirkt, sondern brandgefährlich.
Während andere EU-Staaten Milliarden mobilisieren, Sanktionen tragen, höhere Energiepreise schultern und die Ukraine seit Jahren unterstützen, betreibt Orban offenkundig weiter sein Lieblingsspiel:
Brüssel beschimpfen, Moskau hofieren, EU-Gelder kassieren.
Ungarn blockiert Hilfen für die Ukraine, droht mit Vetos, erpresst politische Zugeständnisse, lamentiert über angebliche Energieprobleme – und fordert am Ende im Kern vor allem eines: mehr russisches Öl, mehr russisches Gas, mehr russische Nähe. Wenn ein Mitgliedstaat mitten in Europas größter sicherheitspolitischer Krise nicht nur ausschert, sondern offenbar aktiv an einer Sonderbeziehung mit dem Aggressor arbeitet, dann stellt sich irgendwann keine Stilfrage mehr. Dann stellt sich eine Systemfrage.
Denn was ist die EU eigentlich noch wert, wenn ein Regierungschef offen gegen die gemeinsame Linie arbeitet, Hilfspakete blockiert, Sanktionen sabotiert und laut Berichten sogar EU-Informationen nach Moskau durchreicht? Wenn Außenministertreffen offenbar nicht nur in Brüssel, sondern praktisch mit Standleitung nach Lawrow stattfinden? Wenn man sich nicht mehr fragen muss, ob Orban „zu Russland tendiert“, sondern eher, ob Budapest außenpolitisch schon als Filiale des Kreml-Außenministeriums läuft?
Natürlich wird dann wieder beschwichtigt: Ungarn sei Mitglied, man müsse im Gespräch bleiben, europäische Werte seien inklusiv, Rechtsstaatlichkeit brauche Geduld, Sanktionen gegen ein Mitglied seien schwierig, Ausschlussmechanismen seien rechtlich heikel. Alles richtig. Alles bekannt. Alles inzwischen auch unerquicklich unerquicklich.
Denn irgendwann muss man die Frage stellen, die in Brüssel seit Jahren umgangen wird:
Muss man Ungarn nicht aus der EU herausschmeißen, solange Orban bleibt?
Ja, das klingt hart. Aber was ist die Alternative?
Ein Mitgliedstaat, der systematisch europäische Solidarität sabotiert, gemeinsame Beschlüsse als Geisel nimmt, russische Interessen bedient und die EU nur noch als Geldautomat mit Stimmrecht behandelt? Wie lange will man sich das eigentlich noch anschauen?
Denn Orban nutzt die EU inzwischen nicht mehr wie ein Partner, sondern wie ein politischer Trittbrettfahrer mit Dauererpressungslizenz. Er nimmt Binnenmarkt, Fördergelder, Reisefreiheit und Macht am Verhandlungstisch – und liefert dafür Misstrauen, Blockade und Kreml-Kompatibilität.
Das eigentliche Problem ist längst nicht mehr nur Ungarn.
Das Problem ist eine EU, die seit Jahren so tut, als könne man illiberale Systemzersetzung mit Gipfelfotos und mahnenden Pressekonferenzen eindämmen.
Wenn ein Staat dauerhaft gegen die strategischen Grundinteressen der Union arbeitet, wenn er in einem Krieg auf dem Kontinent erkennbar näher an Moskau als an Brüssel steht, wenn er Hilfen blockiert und Sanktionen unterläuft, dann darf man sich nicht ewig in juristischen Spitzfindigkeiten verstecken.
Die EU muss endlich entscheiden, ob sie Wertegemeinschaft oder Vollkaskoverein für autoritäre Dauerstörer sein will.
Und falls Orban bleibt, wie er ist –
dann sollte die Frage eines faktischen oder formalen Ausschlusses Ungarns nicht mehr als Tabu gelten, sondern als überfällige Debatte.
Fazit:
Orban spielt seit Jahren ein doppeltes Spiel – und die EU schaut zu, als handle es sich um einen lästigen Sonderling. Dabei ist es längst mehr:
Es ist politische Sabotage mit Russland-Nähe.
Wer mitten im Krieg Europas Geschlossenheit torpediert und gleichzeitig den Kreml umarmt, kann nicht dauerhaft so tun, als sei er bloß ein „schwieriger Partner“.
Vielleicht ist es Zeit, die unbequeme Frage endlich offen zu stellen:
Wie lange will sich die EU noch von Orban vorführen lassen – und muss Ungarn raus, solange er an der Macht ist?
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