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Österreich:Razzien bei Ex-Kanzler Gusenbauer – wenn der Berater plötzlich selbst Beratungsbedarf hat

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Es gibt Nachrichten, bei denen man kurz innehält, tief durchatmet und sich denkt:
Ach. Wirklich? Im Signa-Komplex? Wer hätte DAS ahnen können.

Jetzt also auch Razzien bei Ex-Kanzler Gusenbauer.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Bundeskanzler wegen Untreue und Betrugs. Hausdurchsuchungen in Wien und Niederösterreich inklusive. Man könnte sagen:
Die Soko Signa macht inzwischen mehr Hausbesuche als ein Landarzt in den 50ern.

Der einstige Kanzler, später Edellobbyist, Netzwerker, Berater, Aufsichtsrat, Beirat und vermutlich hauptberuflicher Vieltelefonierer, war seit 2008 in diversen Signa-Gesellschaften tätig. Also genau dort, wo sich über Jahre hinweg offenbar alles fand, was das österreichische Wirtschaftsmärchenherz begehrt:

  • Luxusimmobilien
  • Milliardenkredite
  • Beraterhonorare
  • Aufsichtsräte
  • und am Ende ein Trümmerhaufen, der inzwischen mehr Juristen ernährt als ganze Bezirke Gastronomen.

Fünf Millionen Beratung – vermutlich war der Kaffee exzellent

Schon bisher läuft gegen Gusenbauer ein Zivilverfahren, weil ihm bzw. seiner Firma vorgeworfen wird, Beraterhonorare in Höhe von fünf Millionen Euro verrechnet zu haben – angeblich ohne entsprechende Gegenleistung.

Fünf Millionen.

Da fragt sich der einfache Bürger natürlich unwillkürlich:
Hat er dafür wenigstens den Weltfrieden vermittelt?
Oder bestand die Beratung aus dem legendären Signa-Dreisatz:

  1. Alles läuft hervorragend
  2. Noch ein Kredit geht schon
  3. Wird schon niemand merken

Gusenbauer bestreitet das selbstverständlich und verweist auf erbrachte Beratungsleistungen.

Und das ist ja auch nur fair.
Vielleicht waren diese Beratungen einfach so visionär, so tief, so strategisch und so unfassbar subtil, dass sie für Außenstehende nicht erkennbar waren.
Eine Art metaphysische Beratungsleistung.
Nicht sichtbar, aber teuer.

Zehn Millionen „Abschlagszahlung“ – klingt fast wie ein Trinkgeld unter Freunden

Nun kommt strafrechtlich noch etwas dazu:
Die WKStA wirft Gusenbauer in seiner Funktion als Aufsichtsratschef von Signa Prime und Signa Development vor, im Herbst 2022 gemeinsam mit einem Vorstandsmitglied eine „ungerechtfertigte Abschlagszahlung auf eine Erfolgsbeteiligung“ in Höhe von insgesamt zehn Millionen Euro ermöglicht zu haben.

Ungerechtfertigte Abschlagszahlung.
Ein wunderschöner Begriff.

Das klingt, als hätte jemand beim Friseur aus Versehen zwei Euro zu viel Trinkgeld gegeben.

Tatsächlich reden wir hier über zehn Millionen Euro.

Offenbar soll diese Zahlung ohne Genehmigung des gesamten Aufsichtsrates erfolgt sein.
Aber vielleicht war das ja auch einfach modernes Management:

Warum lange fragen, wenn man auch direkt auszahlen kann?

Agilität nennt man das heute.
In Start-ups macht man Sprints.
Bei Signa machte man offenbar eher Geldwürfe.

Die Hausdurchsuchung als spätes Qualitätsmerkmal

Zur Unterstützung der Ermittlungen gab es laut WKStA Hausdurchsuchungen an mehreren Adressen in Wien und Niederösterreich.

Man muss es fast so sagen:
Im Signa-Universum ist eine Hausdurchsuchung inzwischen keine Ausnahme mehr, sondern fast schon ein Karriere-Meilenstein.

Früher sammelte man dort Titel wie:

  • Aufsichtsrat
  • Beirat
  • Senior Advisor
  • Strategischer Partner

Heute kommt offenbar noch dazu:

  • „durchsuchte Adresse mit Tradition“

Wer bei Signa länger dabei war und noch keine WKStA-Erwähnung hat, muss sich ja fast schon fragen, ob er im Organigramm überhaupt wichtig genug war.

Das Geldkarussell dreht sich weiter – und alle tun überrascht

Und weil ein Signa-Tag ohne frische Abgründe ungefähr so unvollständig wäre wie ein Opernball ohne Champagner, ermittelt die WKStA parallel in weiteren Strängen:

  • unbesicherte Darlehen innerhalb des Konzerns
  • mutmaßliche Schädigung von Gesellschaftern
  • mögliche Benachteiligung von Gläubigern
  • Summen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich

Mit anderen Worten:
Es wurde offenbar Geld zwischen Gesellschaften hin- und hergeschoben, als wäre das kein milliardenschweres Firmenkonglomerat, sondern ein sehr ambitionierter Kindergeburtstag mit Monopoly-Scheinen.

Besonders poetisch ist der Begriff der Ermittler:

„Kapitalerhöhung durch Geldkarussell“

Das muss man erst einmal schaffen.
Andere fahren mit ihren Kindern aufs Karussell und verlieren 3,50 Euro.
Bei Signa fuhr das Karussell offenbar im Kreis und plötzlich waren hunderte Millionen woanders – oder angeblich wieder da – oder irgendwie doch nur bilanziell „gefühlt vorhanden“.

Das ist keine Unternehmensführung mehr.
Das ist Finanzesoterik mit Parkettboden.

Der österreichische Eliten-Zirkus: geschniegelt, geschniegelt, gescheitert

Was an diesem ganzen Komplex besonders faszinierend ist:
Wie lange sich in Österreich rund um solche Konstrukte immer derselbe Personenkreis sammelt.

Da trifft man:

  • Ex-Kanzler
  • Top-Anwälte
  • Aufsichtsräte
  • Beiräte
  • Banker
  • Investoren
  • Netzwerker
  • und Menschen, die in Interviews grundsätzlich nur Sätze sagen wie
    „Das war nach bestem Wissen und Gewissen“
    oder
    „Davon habe ich erst aus den Medien erfahren.“

Es ist das große österreichische Gesellschaftsspiel:

Wer war wofür zuständig – und warum am Ende angeblich niemand?

Alle saßen am Tisch.
Alle kassierten.
Alle berieten.
Alle wussten irgendetwas.
Aber sobald’s kracht, beginnt plötzlich das nationale Lieblingsgenre:

Die organisierte Ahnungslosigkeit.

Fazit: Bei Signa war offenbar alles Premium – außer der Realität

Am Ende bleibt der Eindruck eines Systems, in dem über Jahre Milliarden bewegt wurden, als gäbe es kein Morgen, keine Bilanzen und schon gar keine Staatsanwaltschaft.

Luxus, Prestige, Beraterhonorare, Aufsichtsräte, Kredite, Beteiligungen, Geldkarusselle – und irgendwo mittendrin immer wieder die erstaunliche österreichische Spezialdisziplin:

Mit maximalem Selbstbewusstsein Dinge tun, die später niemand mehr gewesen sein will.

Gusenbauer weist alle Vorwürfe zurück. Das ist sein gutes Recht.
Und natürlich gilt: Es handelt sich um Ermittlungen, nicht um Verurteilungen.

Aber ganz ehrlich:

Wenn in einem Firmengeflecht irgendwann Begriffe wie

  • Untreue
  • Betrug
  • unbesicherte Millionen-Darlehen
  • Geldkarussell
  • Abschlagszahlungen
  • Hausdurchsuchung

… in schöner Regelmäßigkeit auftauchen, dann darf man sich schon fragen, ob das Geschäftsmodell vielleicht weniger „Prime Development“ war und mehr:

„Schauen wir mal, wie lange es keiner merkt.“

Oder kurz gesagt:

Bei Signa wurde offenbar nicht nur gebaut – sondern vor allem an der Schmerzgrenze des Strafrechts renoviert.

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