Während das Vertrauen der US-Verbraucher historische Tiefstände erreicht, erlebt ausgerechnet ein Geschäftsmodell Aufwind, das seit Jahrzehnten zuverlässig funktioniert: Menschen sind frustriert, also kaufen sie Süßigkeiten.
In New York und Umgebung eröffnen immer mehr Bonbonläden. Die Theorie dahinter ist einfach: Für ein neues Auto reicht das Geld vielleicht nicht, für eine Tüte Gummibärchen aber meistens noch.
Mitchell Cohen, Besitzer von Economy Candy auf der Lower East Side, kennt das Prinzip aus der Familiengeschichte. Sein Laden wurde 1937 während der Großen Depression eröffnet. Ursprünglich reparierte sein Großvater Schuhe und Hüte. Weil sich damals kaum jemand Reparaturen leisten konnte, verkaufte er zusätzlich Süßigkeiten.
Die Schuhe blieben kaputt, die Bonbons gingen weg.
Fast 90 Jahre später funktioniert das Modell noch immer.
Auch Kate Bolger setzt darauf. Sie eröffnet im Hudson Valley einen neuen Süßwarenladen. Ihre Rechnung: Große Anschaffungen werden verschoben, kleine Belohnungen nicht. Ökonomen nennen das den „Lipstick-Effekt“. In New York könnte man inzwischen auch vom „Gummibärchen-Effekt“ sprechen.
Besonders gefragt sind schwedische Süßigkeiten. Die Kette BonBon betreibt bereits mehrere Filialen und expandiert weiter. Die Läden liegen bewusst nicht an teuren Hauptstraßen, sondern in kleineren Seitenstraßen. Dort sind die Mieten niedriger und die Verkaufsräume gemütlicher.
Das Geschäftsmodell hat weitere Vorteile: Bonbons brauchen keine Kühlung, halten lange und beim Selbstbedienungsprinzip übernimmt der Kunde einen Teil der Arbeit gleich selbst.
Ganz problemlos ist die Zuckerwirtschaft allerdings nicht. Importzölle, höhere Transportkosten und steigende Rohstoffpreise verteuern die Ware. Ein Hershey-Riegel, der vor der Pandemie im Einkauf rund 62 Cent kostete, liegt inzwischen bei mehr als einem Dollar.
Trotzdem steigen die Verkäufe.
Offenbar gilt in wirtschaftlich unsicheren Zeiten: Wenn das Leben schon bitter wird, soll wenigstens die Einkaufstüte süß sein.
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