Auf der von Russland kontrollierten Halbinsel Krim ist der Verkauf von Treibstoff an die Bevölkerung überraschend eingestellt worden. Seit heute Morgen um 9 Uhr dürfen normale Bürger keinen Kraftstoff mehr kaufen. Wer dennoch tanken möchte, benötigt entweder eine staatliche Aufgabe, eine militärische Funktion oder sehr überzeugende Argumente.
Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow erklärte, die Maßnahme diene der Sicherstellung der Versorgung kritischer Infrastruktur. Beobachter vermuten allerdings, dass auch die Tatsache eine Rolle spielen könnte, dass man Treibstoff schwer verkaufen kann, wenn die Lager zunehmend von ukrainischen Drohnen besucht werden.
Benzin nur noch für wichtige Menschen
Künftig erhalten ausschließlich staatliche Einrichtungen Kraftstoff. Dazu zählen Polizei, Rettungsdienste, Behörden und andere Organisationen, die offiziell als unverzichtbar gelten.
Für Privatpersonen bleibt dagegen nur die Hoffnung auf öffentliche Verkehrsmittel – sofern diese noch fahren und ebenfalls Treibstoff bekommen.
Ein Sprecher der Regionalverwaltung erklärte, man müsse Prioritäten setzen. „Nicht jeder kann gleichzeitig tanken. Wir haben uns deshalb entschieden, zunächst diejenigen zu versorgen, die uns später erklären können, warum niemand mehr tanken darf.“
Raffinerien entwickeln plötzlich Flugangst
Die Maßnahme erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien, Ölpipelines und Treibstofflager. In den vergangenen Monaten haben Drohnen zahlreiche Anlagen besucht und dabei teilweise mehr Schaden angerichtet als jahrelange Bürokratie.
Zuletzt wurde sogar eine große Raffinerie im Raum Moskau angegriffen. Russische Stellen sprechen regelmäßig von abgewehrten Angriffen, während gleichzeitig immer neue Rauchwolken am Horizont erscheinen.
Ein Drittel weniger Raffineriekapazität
Nach Einschätzung von Energieexperten soll inzwischen rund ein Drittel der russischen Raffineriekapazitäten beeinträchtigt sein.
Die russische Führung sieht die Lage dennoch gelassen. Offiziell gibt es keinen Treibstoffmangel. Es gibt lediglich vorübergehend keinen Treibstoff für die Bevölkerung. Regierungsnahe Analysten bezeichnen diesen Unterschied als „strategisch bedeutsam“.
Kreative Lösungen gesucht
Auf der Krim reagieren die Menschen unterschiedlich. Einige bilden Fahrgemeinschaften, andere stellen auf Fahrräder um. Besonders optimistische Bürger hoffen weiterhin, dass sich das Problem von selbst löst.
Politische Beobachter gehen hingegen davon aus, dass die Tankstellen vorerst leer bleiben werden. Immerhin ist es deutlich einfacher, keinen Kraftstoff zu verkaufen, als Kraftstoff zu beschaffen.
Bis auf Weiteres gilt deshalb auf der Krim die neue Devise: Wer fahren will, braucht Geduld. Wer tanken will, braucht Beziehungen.
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