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Ölmarkt vor neuer Eskalation: Preise könnten auf Rekordniveau steigen

ArthurZiiim (CC0), Pixabay
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Der weltweite Ölmarkt steht nach Einschätzung von Branchenexperten vor seiner bislang größten Belastungsprobe seit Beginn des Iran-Krieges. Zwar gelang es der Energiebranche monatelang, Lieferausfälle durch Umleitungen und Reserven abzufedern. Doch inzwischen geraten nahezu alle bisherigen Ausweichmechanismen gleichzeitig unter Druck.

Am Donnerstag stieg der Ölpreis erstmals seit Mai wieder über 100 Dollar je Barrel. In den USA liegen die Benzinpreise inzwischen deutlich über vier Dollar je Gallone, Diesel kostet mehr als 5,20 Dollar. Zugleich wächst an den Anleihemärkten die Sorge vor einer neuen Inflationswelle.

Besonders kritisch ist die Lage an zwei wichtigen Seewegen. Angriffe Irans auf Tanker haben den Verkehr durch die Straße von Hormus weitgehend zum Erliegen gebracht. Rund sieben Millionen Barrel Öl pro Tag wurden deshalb über Pipelines zum Roten Meer umgeleitet. Doch auch diese Route ist nun gefährdet: Die Blockade der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi erschwert den Abtransport von etwa fünf Millionen Barrel saudischen Öls täglich.

Eine Umleitung über den Suezkanal ist nur begrenzt möglich, weil große, voll beladene Tanker dort wegen der Wassertiefe nicht passieren können. Kleinere Schiffe könnten eingesetzt werden, doch die Fahrt über das Mittelmeer und rund um Afrika würde die Transportzeit von etwa vier auf acht Wochen verlängern.

Auch der Versicherungsschutz wird zum Problem. Iran verlangt erneut Transitgebühren von ein bis zwei Dollar pro Barrel. Nach Einschätzung von Versicherern könnten Zahlungen an Teheran jedoch gegen US-Sanktionen verstoßen und den gesamten Versicherungsschutz eines Schiffes ungültig machen.

Zusätzlichen Druck erzeugen ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien und Energieanlagen am Schwarzen Meer. Russland stoppte daraufhin seine Dieselausfuhren. Zuvor hatte das Land täglich rund 800.000 Barrel Diesel exportiert, etwa zwölf Prozent des Welthandels.

Gleichzeitig sinken die weltweiten Lagerbestände rapide. Innerhalb von fünf Monaten sollen sie um 1,3 Milliarden Barrel gefallen sein. Auch die strategische Ölreserve der USA befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit 1983.

China konnte die Krise bislang durch große Vorräte abfedern, dürfte seine Importe jedoch in drei bis vier Monaten wieder erhöhen müssen. Experten rechnen deshalb mit weiter steigenden Preisen. Goldman Sachs hält mehr als 120 Dollar je Barrel bis Oktober für möglich. Bei einem umfassenden regionalen Krieg könnte der Ölpreis sogar über 150 Dollar steigen und damit einen neuen Rekord erreichen.

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