Europa hat offenbar ein kleines Problem.
Also wirklich nur ein ganz kleines.
Es gibt laut Internationaler Energieagentur (IEA) nur noch Kerosin für etwa sechs Wochen.
Aber keine Panik:
Bestimmt regelt das wieder irgendein „EU-Notfallplan“, der pünktlich dann fertig ist, wenn am Flughafen schon der erste Pilot fragt, ob er den Airbus vielleicht mit Olivenöl oder einem guten Riesling volltanken soll.
IEA-Chef Fatih Birol spricht bereits von der „größten Energiekrise, die wir je erlebt haben“.
Das klingt natürlich dramatisch. Aber wir Europäer sind ja krisenerprobt:
- Gas-Krise? Hatten wir.
- Strompreise aus der Hölle? Kennen wir.
- Inflation? Läuft.
- Lieferkettenchaos? Klassiker.
- Jetzt also Kerosinmangel?
Fehlt eigentlich nur noch, dass der ICE pünktlich wird – dann ist wirklich Endzeit.
Besonders schön ist die Lagebeschreibung:
Iran blockiert die Straße von Hormus, die Weltwirtschaft bekommt Schnappatmung, und Europa stellt überrascht fest, dass man beim Flugbenzin vielleicht doch nicht ganz so unabhängig ist, wie man sich das in irgendwelchen Konferenzräumen mit Fair-Trade-Kaffee und PowerPoint-Folien eingeredet hat.
Europa entdeckt plötzlich, dass Flugzeuge ohne Kerosin eher schlecht fliegen
Die Erkenntnis des Tages:
Flugzeuge brauchen Treibstoff.
Ja, wirklich.
Und wenn der knapp wird, dann passiert etwas völlig Unerwartetes:
Flüge könnten ausfallen.
Das ist ungefähr so, als würde man mitteilen:
- Züge ohne Strom fahren schlecht,
- Fähren ohne Wasser liegen unerquicklich trocken,
- und politische Gipfel ohne Betroffenheitsmiene sind in Brüssel kaum vorstellbar.
Laut IEA könnten bald Flüge von Stadt A nach Stadt B gestrichen werden.
Wahrscheinlich beginnt das wie immer ganz harmlos:
„Sehr geehrte Damen und Herren, Ihr Flug nach Barcelona verspätet sich leider um unbestimmte Zeit, weil wir aktuell noch auf ein paar Liter Weltordnung warten.“
Die EU arbeitet an einem Notfallplan – also ist wirklich alles unter Kontrolle
Die EU-Kommission reagiert natürlich entschlossen.
Wie immer mit einer Maßnahme, die nach maximaler Handlungsfähigkeit klingt, aber in Wahrheit vor allem eines bedeutet:
Tabellen.
Ab dem kommenden Monat soll es eine EU-weite Erfassung der Raffineriekapazitäten geben.
Fantastisch.
Während also im Nahen Osten Tanker festhängen, Kerosinpreise explodieren und Airlines nervös werden, zählt Europa erstmal brav nach, wie viele Raffinerien noch nicht gleichzeitig in Rente gegangen sind.
Man möchte fast sagen:
Wenn schon kein Kerosin da ist, dann wenigstens exzellente Datenerhebung.
Die Raffinerien laufen am Limit – aber das wurde sicher völlig überraschend festgestellt
Europa importiert rund 30 Prozent seines Flugbenzins, und etwa 75 Prozent davon stammen aus dem Nahen Osten.
Klingt im Nachhinein vielleicht nicht nach der allerentspanntesten Konstruktion.
Aber wer konnte auch ahnen, dass geopolitisch instabile Regionen irgendwann einmal geopolitisch instabil reagieren?
Zusätzlich arbeiten viele Raffinerien bereits an der Kapazitätsgrenze.
Mit anderen Worten:
- Es gibt zu wenig Treibstoff,
- die Lieferwege sind gestört,
- die Reserven sind knapp,
- die Ersatzquellen reichen nicht,
- und die Anlagen laufen ohnehin schon auf Anschlag.
Oder wie man in Brüssel vermutlich sagen würde:
„Die Lage ist herausfordernd, aber wir sehen zugleich Chancen für resiliente Transformationsprozesse.“
Kleine Flughäfen zuerst – der Provinzflieger darf sich schon mal verabschieden
Besonders charmant ist der Hinweis, dass kleinere Flughäfen im Landesinneren wohl zuerst Probleme bekommen werden.
Heißt übersetzt:
- Die großen Drehkreuze retten sich irgendwie durch,
- aber irgendwo in der Fläche wird man demnächst erklären:
„Heute leider kein Flug nach Hamburg, weil der Tankwagen leer ist und der Praktikant noch beim Energiekrisengipfel festhängt.“
Ein kompletter Stillstand sei zwar nicht zu erwarten.
Nein, natürlich nicht.
Es gibt ja noch das klassische europäische Modell des kontrollierten Zerfalls:
Nicht alles fällt aus. Nur genug, damit alle genervt sind.
Airlines machen schon mal, was Airlines immer machen: streichen, verteuern, entschuldigen
Die Fluggesellschaften reagieren wie gewohnt mit einem Dreiklang aus:
- Preise erhöhen
- Flüge streichen
- betroffen schauen
Lufthansa reduziert Kapazitäten, flottet ältere Flugzeuge aus, KLM nimmt 160 Flüge raus.
Das Schöne an solchen Krisen ist ja:
Am Ende zahlt immer jemand.
Und dieser Jemand sitzt meist in Reihe 27A, hat 14 Kilo Handgepäck und fragt sich, warum das Wochenende in Lissabon plötzlich so viel kostet wie früher ein Kleinwagen.
Hormus als Mautstation – die Globalisierung mit Schranke
Besonders pikant:
IEA-Chef Birol kritisiert ein iranisches „Mautsystem“ für Schiffe in der Straße von Hormus.
Das ist natürlich eine fantastische Entwicklung.
Jahrzehntelang predigt man freien Welthandel, offene Märkte und globale Lieferketten – und plötzlich steht da sinngemäß einer am Nadelöhr der Weltwirtschaft und sagt:
„Einmal Öltransport? Macht dann bitte 50 Euro, passend wäre schön.“
Man muss fast bewundern, wie effizient sich die gesamte Weltordnung auf einen einzigen Flaschenhals reduziert.
Fazit: Fliegen wird zum Luxus – aber keine Sorge, der Krisengipfel findet sicher statt
Die Lage ist also überschaubar unerquicklich:
- Kerosin wird knapp
- Preise steigen
- Flüge könnten ausfallen
- Raffinerien laufen am Anschlag
- Ersatzlieferungen reichen nicht
- und Europa entdeckt mal wieder in Echtzeit, dass Versorgungssicherheit vielleicht doch keine rein philosophische Kategorie ist
Aber keine Sorge.
Es wird bestimmt bald:
- einen Sondergipfel geben,
- ein 47-seitiges Strategiepapier,
- drei Pressekonferenzen,
- zwei Schuldzuweisungen,
- und eine Taskforce mit dem schönen Namen
„Aviation Fuel Resilience Framework 2030“.
Bis dahin gilt für Urlauber:
Wer im Sommer noch fliegen will, sollte vielleicht jetzt schon beten, buchen oder paddeln lernen.
Und falls der Flug ausfällt, einfach positiv sehen:
Klimaschutz durch geopolitischen Zwang – Europa denkt eben ganzheitlich.
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