Als Borussia-Fan lernt man mit den Jahren, auf vieles vorbereitet zu sein. Auf Last-Minute-Gegentore. Auf überraschende Transfers. Auf Tabellenplätze irgendwo zwischen Europa und Existenzkrise. Aber dass wir irgendwann einen Mittelstürmer mit der Rückennummer 3 und einen japanischen Mittelfeldspieler mit der 47 begrüßen würden, das hatte vermutlich selbst das berühmte Gladbacher Orakel nicht auf dem Zettel.
Willkommen im Sommer 2026.
Isac Lidberg läuft künftig mit der Nummer 3 auf. Eine Rückennummer, bei der man früher automatisch an einen robusten Innenverteidiger dachte, der Gegenspieler und Grashalme gleichermaßen umpflügt. Heute trägt sie ein Stürmer. Warum auch nicht? In Zeiten, in denen Torhüter dribbeln wie Spielmacher und Innenverteidiger mehr Pässe spielen als manche Zehner, ist eine Nummer 3 im Sturm fast schon logisch.
Und dann kommt Zento Uno.
Eine Zahl, die bislang in Gladbach ungefähr so häufig auf Bundesliga-Rasen zu sehen war wie ein Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft in den letzten Jahren. Der Japaner sorgt damit gleich für die nächste Premiere. Vielleicht ist die 47 ja ein gutes Omen. Vielleicht wird sie irgendwann Kult. Vielleicht fragen sich in zehn Jahren die Fans, warum niemand früher auf die Idee gekommen ist.
Die Rückennummern sind dabei fast spannender als manche Transfergerüchte.
Doch während auf dem Platz neue Gesichter kommen, sorgt abseits des Rasens eine andere Personalie für Diskussionen: Oliver Neuville.
Dass ausgerechnet Neuville den Verein verlassen muss, stößt vielen Fans sauer auf. Der ehemalige Publikumsliebling gehört zu den Gesichtern, mit denen sich Borussia-Anhänger identifizieren. Einer, der den Verein kennt, lebt und verkörpert. Umso größer ist die Verwunderung über seinen Abschied.
Natürlich kennt niemand alle Hintergründe. Aber wenn bei Borussia seit Jahren immer wieder verdiente Mitarbeiter, Trainer oder Identifikationsfiguren verschwinden, während die sportliche Entwicklung bestenfalls schwankend verläuft, dann fällt einem zwangsläufig ein altes deutsches Sprichwort ein:
Der Fisch stinkt vom Kopf her.
Das bedeutet nicht automatisch, dass einzelne Entscheidungen falsch sind. Aber irgendwann muss sich eine Vereinsführung auch fragen lassen, warum die Unruhe regelmäßig im Umfeld entsteht, während die großen sportlichen Durchbrüche ausbleiben.
Borussia wirkt seit Jahren wie ein Verein auf der Suche nach seiner Identität. Mal wird gespart, mal investiert. Mal setzt man auf Erfahrung, mal auf Talente. Mal wird Europa ausgerufen, mal klingt alles nach Konsolidierung.
Und mittendrin stehen die Fans und versuchen herauszufinden, wohin die Reise eigentlich gehen soll.
Natürlich hoffe ich, dass Uno einschlägt, Lidberg Tore schießt und die Mannschaft eine starke Saison spielt. Vielleicht werden wir am Ende über die Nummer 47 genauso begeistert sprechen wie früher über die 11 von Netzer oder die 10 von Arango.
Aber bei aller Vorfreude auf neue Spieler bleibt die Frage bestehen, die viele Borussia-Anhänger derzeit beschäftigt:
Sind die ungewöhnlichen Rückennummern wirklich die größte Veränderung bei Borussia – oder müsste sich vielleicht an ganz anderer Stelle etwas bewegen?
Denn eines hat die Vergangenheit gezeigt: Nicht die Zahl auf dem Trikot entscheidet über den Erfolg eines Vereins. Sondern die Entscheidungen derjenigen, die im Hintergrund die Richtung vorgeben. Und genau dort wird sich zeigen, ob Borussia endlich wieder dauerhaft in die richtige Spur findet.
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