Norwegen, das Land von Fjorden, Fisch und Fleecejacken, erlebt derzeit etwas, das Einheimische bislang nur aus Dokumentationen über Spanien kannten: eine Hitzewelle. Und was für eine! Seit über einer Woche klettern die Temperaturen im sonst so klimatisch zurückhaltenden Königreich über 30 Grad – eine Zahl, die in norwegischen Wetterkarten eigentlich mit einem „Systemfehler“ kommentiert wird.
Am Donnerstag war mit 34,9 Grad in Frosta (ja, der Ort heißt wirklich so) der bisherige Hitzegipfel erreicht – nur 0,7 Grad trennen die Norweger noch vom nationalen Schmelz-Rekord von 1970. Die Luft ist heiß, das Eis schmilzt – und zwar nicht nur in der Waffel.
Nacht? Nie gehört. Kühlung? Fehlanzeige.
Besonders bitter: Selbst in der Nacht wird’s nicht mehr frisch. „Tropennächte“ nennt man das – oder wie Norweger sagen würden: Apokalypse in Flip-Flops. Die Sonne scheint bis zu 20 Stunden, Schatten gibt’s nur in PowerPoint-Präsentationen, und Klimaanlagen? Haben die meisten nur aus IKEA-Katalogen gesehen.
In Oslo sonnen sich Menschen in Badekleidung auf städtischen Grünflächen – bisher ausschließlich das Habitat für Büroangestellte mit Tupperdose. Und selbst die sonst so kühlen Fjorde bieten keine Rettung: Die Meerestemperatur liegt bis zu fünf Grad über Normal. In Worten: Fjord-Gulasch für alle.
Waldbrandgefahr und Wikingerschweiß
Besonders heiß her geht es zwischen Trondheim und Bodo. Dort herrscht erhöhte Waldbrandgefahr, und erste Kiefern haben bereits freiwillig den Flammenweg gewählt, um sich der Hitze zu entziehen. Auch Elche wurden gesichtet – im Schatten von Bushaltestellen, mit müden Blicken und feuchten Achseln.
Die Feuerwehr ruft zur Vorsicht auf: Kein Grillen, kein Lagerfeuer, und auf keinen Fall das Wort „Sommer“ in der Öffentlichkeit verwenden.
Klimawandel? Ach was.
Laut Forschung sind Hitzewellen in Norwegen heute doppelt so häufig wie vor 30 Jahren. Früher reichte ein „wärmerer Tag“ für Schlagzeilen, heute kleben Thermometer wie Fischöl an der Hauswand. Die Wissenschaft schlägt Alarm, aber Norwegens größtes Problem bleibt erstmal: Woher nehmen wir Ventilatoren, wenn selbst IKEA ausverkauft ist?
Fazit:
Norwegen schwitzt, der Elch kippt, und der Wikinger steht ratlos im T-Shirt da.
Falls jemand einen Lieferwagen voller Eiswürfel über hat – bitte Richtung Norden schicken.
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