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Österreich entdeckt erneut den Strompreis-Joker: Wenn’s teuer wird, deckeln wir halt ein bisschen

Nikiko (CC0), Pixabay
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Die österreichische Regierung hat sich auf eine neue Strompreisbremse geeinigt — oder anders gesagt: Man versucht schon mal vorsorglich den nächsten Energieschock halbwegs elegant zu moderieren, bevor Bürger wieder Schnappatmung beim Blick auf die Stromrechnung bekommen.

Die Idee klingt zunächst beruhigend:
Wenn die Strompreise komplett durch die Decke gehen, soll für Haushalte ein Teil des Stromverbrauchs bei zehn Cent pro Kilowattstunde gedeckelt werden. Natürlich nur unter bestimmten Bedingungen, über bestimmte Zeiträume, mit bestimmten Grenzwerten und kontrolliert von der Regulierungsbehörde. Bürokratie liebt schließlich klare Regeln für Ausnahmezustände.

Der Mechanismus greift nämlich erst dann, wenn die Preise drei Monate lang hoch genug sind. Österreich führt damit gewissermaßen eine Art meteorologischen Krisenstromindex ein:
„Heute leider nur 15,9 Cent — noch keine Krise. Bitte weiter frieren.“

Besonders charmant:
Nur ein Grundkontingent von 2.900 Kilowattstunden wird gedeckelt. Wer darüber liegt, darf weiterhin den „echten Marktpreis“ genießen. Man will ja schließlich die Sparanreize erhalten. Oder anders formuliert:
Licht ausschalten bleibt weiterhin patriotische Bürgerpflicht.

Die Regierung betont natürlich stolz, dass der Schutzschirm nicht aus Steuergeld bezahlt werde. Das Geld komme aus dem bestehenden Energiekrisenbeitrag. Übersetzt bedeutet das ungefähr:
Man nimmt es irgendwo im Energiesystem raus und steckt es woanders wieder rein — also klassisches modernes Finanzjonglieren.

Auch die Industrie bekommt ihr eigenes Strom-Wellnesspaket. Energieintensive Unternehmen sollen ab 2027 günstigeren Industriestrom erhalten. Rund 400 Betriebe dürfen sich freuen. Der Staat übernimmt dabei einen Teil der Stromkosten, damit Österreichs Industrie international konkurrenzfähig bleibt und nicht irgendwann mit Verlängerungskabeln Richtung Ausland zieht.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sprach von einer „matchentscheidenden Frage“. Und tatsächlich: Energiepreise sind inzwischen ungefähr das, was früher das Wetter war — Hauptgesprächsthema jedes Landes.

Die Reaktionen fallen wie immer bunt aus:

  • Die FPÖ findet zehn Cent immer noch zu teuer.
  • Die Strombranche fühlt sich wie ein staatlicher Bankomat.
  • Die Industrie freut sich.
  • Der Gewerkschaftsbund freut sich halb.
  • Und vermutlich fragt sich der normale Bürger einfach nur, ob die nächste Stromrechnung jetzt etwas weniger schmerzhaft wird.

Am Ende bleibt der Eindruck:
Europa entwickelt sich langsam zu einem Kontinent, auf dem man Energiepreise nicht mehr erklärt, sondern verwaltet wie Naturkatastrophen.

Und irgendwo sitzt vermutlich jemand im Wirtschaftsministerium und hofft einfach, dass der nächste Winter möglichst langweilig wird.

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