Zwölf Jahre. So lange hat es gedauert, bis eine deutsche Familie endlich Gerechtigkeit bekam – oder zumindest das, was davon übrig blieb, nachdem sie über ein Jahrzehnt durch das Labyrinth der italienischen Justiz geschleust wurde.
Im August 2013 veränderte ein vermeintlich idyllischer Gondel-Ausflug auf dem Canal Grande das Leben einer Familie aus Baden-Württemberg für immer. Mitten im touristischen Herz Venedigs, nahe der weltberühmten Rialtobrücke, krachte eine Gondel in ein Vaporetto – die venezianische Version eines Linienbusses auf Wasser. Das Ergebnis: Der 50-jährige Familienvater wird zwischen Boot und Pier eingeklemmt und stirbt noch vor Ort. Eine der Töchter erleidet Verletzungen. Urlaubsidylle trifft Behördenrealität.
Der Gondoliere verteidigte sich mit dem klassischen „Es war alles zu eng“-Argument – sinngemäß: zu viele Boote, zu wenig Übersicht, und wahrscheinlich zu viel Chaos, wie es eben zur venezianischen Verkehrskultur gehört.
Was folgte, war ein juristisches Trauerspiel in mehreren Akten, das eher an ein kafkaeskes Opernlibretto als an modernes Zivilrecht erinnert: Erst im Jahr 2018 wurde die Familie vor Gericht abgespeist – keine Entschädigung, keine Verantwortung, einfach weiter paddeln. Erst jetzt, 2025 (!), hat das Berufungsgericht in Venedig das Urteil kassiert und der Witwe sowie den drei Kindern endlich vier Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen.
Ein kleiner Lichtblick – aber auch ein bitteres Fazit: In der Zeit, in der die italienische Justiz zum Nachdenken ansetzte, hätten die Kinder das Abitur machen, studieren, heiraten und ausziehen können. Wer sagt, dass die Mühlen der Justiz langsam mahlen, kennt das venezianische Tempo offenbar nicht: Ein Gondel-Takt ist schneller.
Der tragische Vorfall wirft ein grelles Licht auf die Zustände in einem der meistbesuchten Touristenziele Europas – wo Nostalgie und Romantik mitunter brutale Realität kaschieren. Eine Stadt, die jährlich Millionen verdient, aber es nicht schafft, den Verkehr auf dem Wasser sicher zu regeln oder Unfälle zeitnah zu sühnen.
Fazit: Venedig ist vielleicht schön – aber gerecht ist anders.
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