Der NFL Draft 2026 ist gestartet – und schon die erste Runde hatte alles, was diese Veranstaltung ausmacht: erwartbare Entscheidungen, überraschende Picks, aggressive Trades und einige Personalien, über die noch länger diskutiert werden dürfte.
USA Today hat alle Erstrundenpicks bewertet. Besonders im Fokus: die Las Vegas Raiders mit Quarterback Fernando Mendoza, die Arizona Cardinals mit einem höchst umstrittenen Running-Back-Pick und mehrere Teams, die durch Trades gezielt nach oben gingen.
Raiders setzen auf Fernando Mendoza
Mit dem ersten Pick wählten die Las Vegas Raiders Quarterback Fernando Mendoza von Indiana. Eine Überraschung war das nicht. Mendoza galt als kompletter, ruhiger und reifer Spielmacher – und als möglicher Ausweg aus dem jahrelangen Neustart-Chaos der Raiders.
Die Bewertung fällt entsprechend stark aus: Note A.
Aus Sicht der Experten ist Mendoza nicht nur ein Verwalter, sondern ein Quarterback, der ein Team auch in schwierigen Spielsituationen tragen kann. Allerdings bleibt ein zentrales Problem: Die Offensive Line der Raiders ließ zuletzt ligaweit die meisten Sacks zu. Ohne besseren Schutz könnte selbst ein Top-Talent schnell unter Druck geraten.
Cardinals sorgen mit Jeremiyah Love für Diskussionen
Der erste große Aufreger kam an Position drei. Die Arizona Cardinals entschieden sich für Notre-Dame-Running-Back Jeremiyah Love – und machten ihn damit zum am höchsten gedrafteten Running Back seit Saquon Barkley.
Die Bewertung: C-.
Warum so kritisch? Love ist ohne Zweifel ein explosiver Spieler. Doch Running Backs so hoch zu draften, bleibt ein enormes Risiko. Sein garantierter Rookie-Vertrag liegt bei mehr als 50 Millionen Dollar. Damit wird es schwer, den klassischen finanziellen Vorteil eines Rookie-Deals auszuschöpfen.
Hinzu kommt: Arizona hat offene Fragen auf Quarterback und Probleme an der Offensive Line. Selbst der beste Running Back kann wenig ausrichten, wenn vor ihm keine Räume entstehen.
Jets und Giants stärken ihre Defense
Die New York Jets holten an Position zwei David Bailey, einen Pass Rusher von Texas Tech. Die Entscheidung ist nachvollziehbar, denn die Jets hatten in der vergangenen Saison massive Probleme, Druck auf den gegnerischen Quarterback zu erzeugen.
Die Note: B.
Noch stärker bewertet wurde der Pick der New York Giants. Sie sicherten sich an Position fünf Arvell Reese von Ohio State. Viele Experten hatten ihn als einen der besten Spieler des gesamten Drafts auf dem Zettel.
Die Note: A-.
Reese bringt enorme Athletik, Härte und Vielseitigkeit mit. Für eine Giants-Defense, die gegen den Lauf zuletzt große Schwächen hatte, könnte er sofort wichtig werden.
Cowboys landen mit Caleb Downs einen Volltreffer
Einer der Gewinner der ersten Runde sind die Dallas Cowboys. Durch einen Trade nach oben sicherten sie sich Safety Caleb Downs von Ohio State.
Die Bewertung: A.
Downs gilt als einer der besten Defensivspieler des Jahrgangs. Er kann gegen den Lauf helfen, Fehler in der Secondary reduzieren und flexibel eingesetzt werden. Für Dallas, das in der Defensive zuletzt immer wieder anfällig war, ist dieser Pick ein klares Statement.
Rams überraschen mit Quarterback Ty Simpson
Für Gesprächsstoff sorgten auch die Los Angeles Rams. Sie tradeten nach oben und wählten Quarterback Ty Simpson von Alabama an Position 13.
Die Note: C.
Simpson galt vor dem Draft keineswegs sicher als Erstrundenpick. Die Rams setzen offenbar auf sein Entwicklungspotenzial hinter Matthew Stafford. Das Umfeld könnte ideal sein, weil Simpson nicht sofort starten muss. Dennoch bleibt der Pick riskant: wenig Erfahrung, körperliche Fragezeichen und ein vergleichsweise früher Draftplatz.
Buccaneers holen starken Value-Pick
Die Tampa Bay Buccaneers dürfen sich zu den Gewinnern zählen. Mit Rueben Bain Jr. von Miami bekamen sie an Position 15 einen der gefährlichsten Defensivspieler des College Football.
Die Bewertung: A.
Tampa Bay sucht seit Jahren nach mehr Konstanz im Pass Rush. Bain könnte genau diese Lücke schließen. Dass er so weit fiel, dürfte sich im Nachhinein als Glücksfall erweisen.
Eagles planen offenbar die Zeit nach A.J. Brown
Die Philadelphia Eagles holten Wide Receiver Makai Lemon von USC. Der Pick wurde mit A- bewertet.
Lemon ist kein physischer Receiver vom Typ A.J. Brown, bringt aber Tempo, Technik und sichere Lösungen im kurzen und mittleren Passspiel mit. Der Pick wirkt wie Teil eines größeren Plans: Philadelphia bereitet sich offenbar auf personelle Veränderungen im Receiver-Room vor.
Chiefs gehen Risiko bei Peter Woods ein
Die Kansas City Chiefs hatten gleich mehrere auffällige Entscheidungen. Zunächst tradeten sie nach oben und holten Cornerback Mansoor Delane von LSU. Später wählten sie Defensive Tackle Peter Woods von Clemson.
Während Delane mit B- solide bewertet wurde, fiel das Urteil bei Woods deutlich kritischer aus: C.
Woods galt einst als möglicher Top-Fünf-Pick, konnte die Erwartungen aber nicht erfüllen. Neben Chris Jones könnte er wieder aufblühen – sicher ist das aber nicht.
Seahawks wählen erneut einen Running Back spät in Runde eins
Mit dem letzten Pick der ersten Runde nahmen die Seattle Seahawks Running Back Jadarian Price von Notre Dame.
Die Note: B-.
Auch hier stellt sich die Frage nach dem Positionswert. Running Backs in Runde eins bleiben umstritten. Für Seattle ergibt der Pick sportlich dennoch Sinn, weil nach dem Abgang von Kenneth Walker III Bedarf im Backfield bestand.
Bewertung von diebewertung.de
Die erste Runde des NFL Drafts 2026 zeigt einmal mehr: Nicht jeder spektakuläre Pick ist automatisch ein guter Pick – und nicht jeder solide Pick macht Schlagzeilen.
Die besten Entscheidungen trafen aus unserer Sicht die Raiders mit Fernando Mendoza, die Cowboys mit Caleb Downs, die Buccaneers mit Rueben Bain Jr. und die Giants mit Arvell Reese. Diese Picks verbinden Bedarf, Talent und vernünftigen Draftwert.
Kritischer sehen wir die Cardinals mit Jeremiyah Love und die Rams mit Ty Simpson. Beide Entscheidungen können funktionieren, wirken aber gemessen am Draftplatz teuer und risikoreich.
Fazit
Der erste Draft-Abend hatte klare Gewinner, mutige Zocker und einige fragwürdige Wetten. Besonders auffällig: Teams investierten früh in Quarterbacks, Offensive Tackles, Pass Rusher und überraschend auch in Running Backs.
Ob sich diese Entscheidungen auszahlen, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Doch schon jetzt gilt: Arizona und Los Angeles werden sich für ihre Picks besonders rechtfertigen müssen. Dallas, Tampa Bay und Las Vegas dagegen dürften mit deutlich besserem Gefühl aus Runde eins gehen.
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