Die militärische Konfrontation zwischen den USA und Iran spitzt sich erneut gefährlich zu. Nach Angaben des US-Militärs wurden am Mittwoch weitere Ziele in Iran angegriffen. US-Präsident Donald Trump verschärfte zugleich den Ton gegenüber Teheran und warnte, Iran müsse sich „besser benehmen“.
Im Mittelpunkt der Angriffe standen laut dem zuständigen US-Zentralkommando iranische Militäranlagen, die zur Bedrohung von Schiffen in der Straße von Hormus eingesetzt worden sein sollen. Zudem habe das US-Militär ein Schiff beschossen, das versucht habe, die erneut verhängte Blockade iranischer Häfen zu durchbrechen.
Iran wiederum erklärte, amerikanische Militärziele in der Region angegriffen zu haben, darunter Einrichtungen in Bahrain und Kuwait. Damit dauern die erneuten Kampfhandlungen bereits den fünften Tag an – und setzen die vorläufige Vereinbarung zur Beendigung des Krieges zunehmend außer Kraft.
Trump droht mit Angriffen auf Infrastruktur
Trump hatte bereits am Dienstag damit gedroht, Brücken und Kraftwerke anzugreifen, sollte Iran in der kommenden Woche nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren. Auf die Frage, ob er Teheran dafür eine Frist setzen werde, vermied er eine konkrete Antwort, erneuerte aber seine Warnung.
Später erklärte Trump bei einem Verteidigungsgipfel, Iran wolle unbedingt eine Einigung erzielen. Zugleich ließ er offen, ob Washington zu einem Abkommen bereit sei oder den Konflikt militärisch „zu Ende bringen“ werde.
Solche Äußerungen erhöhen die Sorge, dass sich die Auseinandersetzung weiter ausweiten und künftig auch zivile Infrastruktur treffen könnte. Bereits eine frühere Drohung Trumps, iranische Brücken und Energieanlagen bombardieren zu lassen, war vom UN-Hochkommissar für Menschenrechte scharf kritisiert worden. Angriffe auf zivile Infrastruktur könnten einen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht darstellen.
Iran stellt vorläufige Vereinbarung infrage
Irans führender Unterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte gegenüber staatlichen Medien, Teheran habe keinen Grund, sich an die getroffene Vereinbarung zu halten, wenn das Land keinen Nutzen daraus ziehe.
Die Kontrolle der Straße von Hormus sei für die nationale Sicherheit Irans von entscheidender Bedeutung. Verhandlungen und militärischer Widerstand seien gleichermaßen Teil der iranischen Strategie in einem Konflikt, den Teheran als existenziell betrachte.
Die iranischen Revolutionsgarden warnten zudem, nach der erneuten US-Blockade könnten auch andere Öl- und Gasexportrouten geschlossen werden, die für die USA und ihre Verbündeten von Bedeutung seien. Welche Verkehrswege konkret gemeint waren, blieb zunächst offen.
Schwere Angriffe auf Küsten- und Raketenanlagen
Nach Angaben des US-Militärs wurden allein am Mittwoch zwei größere Angriffswellen durchgeführt. Eine rund 90 Minuten dauernde Operation habe sich gegen iranische Küstenverteidigungsanlagen sowie Lager- und Abschussorte für Marschflugkörper auf der Insel Groß-Tunb gerichtet.
Bei einer weiteren Angriffswelle seien unter anderem Kommandozentren, Luftverteidigungsstellungen, Raketen- und Drohnensysteme sowie Überwachungseinrichtungen an der iranischen Küste getroffen worden. Ziele hätten sich demnach auch in Bandar Abbas an der Straße von Hormus befunden.
Zudem berichteten Medien über einen mutmaßlichen Angriff auf die südostiranische Hafenstadt Chabahar. Die US-Streitkräfte erklärten außerdem, seit der erneuten Verhängung der Blockade bereits zwei Handelsschiffe umgeleitet zu haben.
Straße von Hormus wird zum gefährlichen Brennpunkt
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Handelsrouten für Erdöl und Flüssiggas weltweit. Eine länger andauernde Blockade oder militärische Schließung könnte erhebliche Folgen für die internationale Energieversorgung haben.
Bereits jetzt ist der Tankerverkehr durch die Meerenge nahezu zum Erliegen gekommen. Die Unsicherheit hat die Ölpreise deutlich steigen lassen. Weitere Angriffe auf Schiffe, Häfen oder Energieanlagen könnten nicht nur die Region destabilisieren, sondern auch weltweit Lieferketten, Energiepreise und die wirtschaftliche Sicherheit belasten.
Trotz der Eskalation gab es ein vorsichtiges Zeichen der Entspannung: Iran ließ die US-Amerikanerin Dena Karari frei, die nach Angaben Trumps seit Dezember 2024 zu Unrecht festgehalten worden war. Trump bezeichnete ihre Freilassung als Geste des guten Willens.
Ob dieser Schritt den Weg zurück zu Verhandlungen öffnen kann, ist jedoch ungewiss. Die erneuten Luftangriffe, gegenseitigen Drohungen und militärischen Blockaden zeigen, wie schnell die Lage außer Kontrolle geraten könnte. Ohne eine rasche diplomatische Lösung droht eine weitere Eskalation – mit schwerwiegenden Folgen für die Zivilbevölkerung, die gesamte Region und die Weltwirtschaft.
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