Ein neues, nicht autorisiertes Buch über Robert F. Kennedy Jr. wirft einen schonungslosen Blick auf das bewegte Leben des heutigen US-Gesundheitsministers. Die Biografie beschreibt Suchtprobleme, zahlreiche Affären, gesundheitliche Krisen und ein Leben im Schatten des Kennedy-Mythos.
Robert F. Kennedy Jr. gehört zu den schillerndsten und umstrittensten Figuren der amerikanischen Politik. Als Sohn des 1968 ermordeten Senators Robert F. Kennedy und Neffe des ebenfalls ermordeten Präsidenten John F. Kennedy trägt er einen der berühmtesten Namen des Landes. Doch hinter der politischen Fassade verbirgt sich offenbar eine Lebensgeschichte voller Abstürze, Exzesse und innerer Kämpfe.
Das legt die neue, nicht autorisierte Biografie „RFK Jr.: The Fall and Rise“ nahe, die am 14. April bei HarperCollins erscheint. Autorin ist die Investigativreporterin Isabel Vincent von der New York Post. Für ihr Buch stützt sie sich unter anderem auf private Tagebücher von Kennedy, die intime Einblicke in sein Denken, seine Beziehungen und seine persönlichen Krisen geben sollen.
Tagebücher als Grundlage des Buches
Laut Vincent umfassen die Tagebücher mehr als 1.200 Seiten. Sie sollen ihr bereits 2013 von einer „vertrauenswürdigen Quelle“ übergeben worden sein. Diese Quelle sei eine Freundin von Mary Richardson, Kennedys zweiter Ehefrau, die 2012 Suizid beging.
Der Darstellung im Buch zufolge habe Richardson die Journale während der konfliktreichen Scheidung „als Absicherung“ an sich genommen. Kennedy selbst hat sich zu der neuen Biografie bislang nicht öffentlich geäußert. In der Vergangenheit hatte er jedoch bestätigt, dass es diese Tagebücher gibt. Damals bezeichnete er sie als ein Mittel zur Selbstprüfung und zur Bewältigung seiner spirituellen Kämpfe.
Früher Drogenkonsum und tiefer Absturz
Eines der zentralen Themen des Buches ist Kennedys jahrzehntelanger Kampf mit Drogen und Sucht.
Schon als Teenager soll er mit Substanzen wie Amphetaminen und LSD experimentiert haben. Später schrieb er laut Buch offen über den Konsum von „Acid, Meth und Dope“. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass er auch mit Heroin in Kontakt kam – und seinen jüngeren Bruder David Kennedy an die Droge herangeführt haben soll.
David Kennedy starb später an einer Überdosis. In der Biografie wird der verstorbene Kennedy-Biograf David Horowitz zitiert, der RFK Jr. eine führende Rolle in dieser frühen Drogenepisode zuschreibt.
Auch seine Schulzeit soll von Problemen geprägt gewesen sein. Laut Buch wurde Kennedy mehrfach von Schulen suspendiert oder verwiesen – unter anderem wegen Drogen. Später wurde er demnach sogar festgenommen, nachdem er einem verdeckten Polizisten einen Joint verkauft haben soll.
Während des Studiums habe sich sein Konsum weiter verschärft. Die Biografie beschreibt ihn in dieser Zeit als schweren Drogenkonsumenten und Dealer, insbesondere von Kokain, Heroin und sogenannten „Speedballs“, also Mischungen aus beidem.
Die Suchtprobleme sollen sich auch in seine erste Ehe hineingezogen haben und mehrere Aufenthalte in Entzugskliniken nach sich gezogen haben.
„Lust-Dämonen“ und zahlreiche Affären
Ein weiterer Schwerpunkt des Buches betrifft Kennedys Beziehungen zu Frauen. Laut den Tagebüchern beschrieb er seine sexuellen Impulse selbst als „Lust-Dämonen“.
Die Biografie behauptet, Kennedy habe:
- seine erste Ehefrau Emily Black mit Mary Richardson betrogen,
- später Mary Richardson mit seiner heutigen Ehefrau Cheryl Hines,
- und darüber hinaus zahlreiche weitere Affären gehabt.
Besonders brisant ist die Behauptung, Kennedy habe in seinen Tagebüchern eine Art „Eroberungsliste“ geführt. Darin sollen Namen von Frauen sowie Zahlen von 1 bis 10 notiert worden sein, die laut Buch für unterschiedliche sexuelle Handlungen standen. Teilweise habe es an einem Tag mehrere Einträge gegeben.
In einigen Fällen soll er das Wort „Victory!“ („Sieg!“) mit Ausrufezeichen hinzugefügt haben.
Für zufällige sexuelle Begegnungen habe er demnach den Codebegriff „muggings“ verwendet. In einem Tagebucheintrag heißt es laut Buch sinngemäß:
„Auf dem Heimweg überfallen worden. Ich muss mich besser beherrschen.“
Auf einer Reise im Jahr 1999 schrieb er laut Biografie außerdem, er sei stolz darauf gewesen, eine schwierige Woche „ohne Rückfall“ überstanden zu haben – obwohl „die Sirenen überall gelockt“ hätten.
Eigene gesundheitliche Probleme
Obwohl Kennedy in den vergangenen Jahren vor allem als prominenter Verfechter seiner Bewegung „Make America Healthy Again“ auftrat, beschreibt das Buch auch zahlreiche eigene gesundheitliche Beschwerden.
Neben seiner bekannten spasmodischen Dysphonie – einer neurologischen Stimmstörung – schildern die Tagebücher offenbar auch Herzprobleme, darunter:
- Vorhofflimmern
- Herzrhythmusstörungen
- wiederkehrendes Herzrasen
Kennedy soll diese Beschwerden bereits seit seinen Zwanzigern gehabt haben. In einer Aussage im Zusammenhang mit seiner zweiten Scheidung beschrieb er das Gefühl demnach so:
„Es fühlt sich an, als wäre ein Sack voller Würmer in meiner Brust.“
Laut Buch berichtete er außerdem, Koffein und Stress meiden zu müssen, und erwähnte Gedächtnisprobleme im Zusammenhang mit den Herzbeschwerden.
Später notierte er weitere Episoden mit Herzrasen. Nach einem EKG habe er Medikamente erhalten, darunter auch eine Behandlung, die – wie er schrieb – ein Risiko für Herzversagen mit sich gebracht habe. Sein Arzt habe sie ihm trotzdem gegeben, weil er angeblich wisse, dass Kennedy ihn „nicht verraten“ werde.
Zusätzlich wurde bei ihm laut Biografie Hämochromatose diagnostiziert – eine genetische Stoffwechselstörung, bei der der Körper zu viel Eisen aufnimmt. Das kann unter anderem Leber- und Herzschäden verursachen.
Kennedy soll selbst vermutet haben, dass diese Erkrankung seine Herzprobleme erklären könnte. Im Zusammenhang mit erhöhten Eisenwerten und einer Hepatitis-C-Diagnose erwähnte er laut Buch auch sexuelle Funktionsstörungen.
Seine Urteile über Prominente und Politiker
Die Tagebücher sollen auch zahlreiche ungeschönte Kommentare über berühmte Weggefährten enthalten. Kennedy bewegte sich über Jahrzehnte in Kreisen von Politik, Hollywood und High Society. Im Buch werden unter anderem Verbindungen zu:
- Jeffrey Epstein
- Taylor Swift
- Leonardo DiCaprio
- Arnold Schwarzenegger
erwähnt.
Außerdem finden sich angeblich private Einschätzungen zu prominenten Persönlichkeiten:
Bill Clinton
Zunächst soll Kennedy den ehemaligen Präsidenten nach dessen Amtsenthebungsverfahren als charmant, fit und charismatisch beschrieben haben. Später, nach umstrittenen Begnadigungen, habe sich sein Urteil deutlich verschlechtert. Laut Buch schrieb er, er sei nun „angewidert“ und Clinton sei ein „fehlerhafter Charakter“.
Andrew Cuomo
Über seinen früheren Schwager Andrew Cuomo soll Kennedy notiert haben, dieser könne zwar gewinnen, weil er fokussiert und energisch sei – aber auch verlieren, weil ihm Menschlichkeit fehle und er die Menschen nicht wirklich liebe.
George W. Bush
Nach den Anschlägen vom 11. September schrieb Kennedy laut Biografie besonders scharf über den damaligen Präsidenten. Er habe ihn als „Idiot“, „Marionette“ und „erschreckend einfältig“ bezeichnet und befürchtet, dass Kräfte in seiner Regierung die nationale Tragödie politisch ausnutzen würden.
Rudy Giuliani
Über den früheren New Yorker Bürgermeister soll Kennedy geschrieben haben, er möge ihn trotz seines „gewalttätigen und einschüchternden Charakters“.
Kuriose Tiere im Kennedy-Haushalt
Fast surreal wirken einige Passagen über Kennedys Kindheit und Jugend. Bekannt ist bereits, dass er früh eine Leidenschaft für Falknerei entwickelte und schon als Kind einen eigenen Falken besaß.
Die Biografie beschreibt aber noch weitaus ungewöhnlichere Tiere im Familienumfeld:
- Ein Seelöwe namens Sandy, der in einem Pool des Familienanwesens lebte, mit frischem Makrelenfisch gefüttert wurde und eines Tages gemeinsam mit Hunden durch die Nachbarschaft zog – was laut Buch sogar einen Verkehrsstau ausgelöst habe. Später sei das Tier an den Washington National Zoo abgegeben worden.
- Nach einer Afrika-Reise 1964 soll Kennedy eine Leopardschildkröte mit nach Hause gebracht haben – angeblich in einem Gucci-Koffer. Das Tier habe über 20 Jahre bei der Familie gelebt.
- Außerdem soll er zeitweise ein Löwenjunges besessen haben, das er sogar mit in ein Internat brachte, bevor er dort verwiesen wurde.
Ein Leben zwischen Mythos und Selbstzerstörung
Die Biografie zeichnet das Bild eines Mannes, der ein Leben lang mit der Last seines Namens, familiären Traumata und persönlichen Süchten gerungen haben soll.
Vincent beschreibt Kennedy als jemanden, der:
- dem politischen Erbe seiner Familie gerecht werden wollte,
- den Verlust von Vater und Onkel nie vollständig verarbeitete,
- zwischen Absturz und Aufstieg pendelte,
- und sich schließlich vom problematischen jungen Mann zum Umweltanwalt und später zum Regierungsmitglied entwickelte.
Gerade dieser Kontrast macht das Buch so brisant: Es zeigt nicht nur den heutigen Politiker, sondern den Menschen hinter der öffentlichen Figur – mit all seinen Widersprüchen, Exzessen und Abgründen.
Fazit
Die neue Biografie „RFK Jr.: The Fall and Rise“ dürfte in den USA für erhebliche Diskussionen sorgen. Sie verbindet intime Tagebuchnotizen mit dem Porträt eines Mannes, der gleichzeitig Erbe einer politischen Dynastie, umstrittener Gesundheitsaktivist und heutiger Minister ist.
Ob alle geschilderten Details zweifelsfrei belegbar sind, bleibt offen – zumal Kennedy selbst sich bislang nicht dazu geäußert hat. Doch schon jetzt ist klar: Das Buch wirft ein grelles Licht auf die dunklen Seiten eines Mannes, der seit Jahren polarisiert wie kaum ein anderer im amerikanischen Politikbetrieb.
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