Der langjährige Netflix-Mitgründer und Verwaltungsratschef Reed Hastings wird sich im Juni nicht erneut in den Verwaltungsrat des Streaming-Konzerns wählen lassen. Das teilte Netflix am Donnerstag im Rahmen der Veröffentlichung der Quartalszahlen mit.
Mit dem Schritt zieht sich Hastings weiter aus dem operativen Einfluss des Unternehmens zurück. Erst vor knapp drei Jahren hatte er seinen Posten als Co-CEO abgegeben und war anschließend zum Executive Chairman des Verwaltungsrats geworden. Die operative Führung teilen sich seitdem Ted Sarandos und Greg Peters.
In einer Stellungnahme erklärte Hastings, sein Beitrag zu Netflix habe immer darin bestanden, „Freude für die Mitglieder zu schaffen, eine Unternehmenskultur aufzubauen, die andere übernehmen und weiterentwickeln können, und ein Unternehmen zu formen, das von seinen Kunden geliebt wird und über Generationen hinweg erfolgreich bleibt“. Künftig wolle er sich verstärkt seiner Stiftungsarbeit und anderen Projekten widmen.
Auch die aktuelle Netflix-Führung würdigte Hastings’ Rolle für den Konzern. Ted Sarandos und Greg Peters bezeichneten ihn als prägende Figur des Unternehmens. Peters erklärte, Hastings werde „immer der Gründer und größte Fürsprecher von Netflix bleiben“ und sei „Teil der DNA des Unternehmens“.
Der Rückzug erfolgt weniger als zwei Monate nach Spekulationen rund um Netflix’ überraschenden Rückzug aus dem Bieterwettstreit um Warner Bros. Discovery. Nachdem Netflix aus dem Rennen ausgestiegen war, sicherte sich schließlich Paramount den Zuschlag. Ted Sarandos wies jedoch bei einer Investorenkonferenz ausdrücklich zurück, dass Hastings’ Rückzug etwas mit diesem Vorgang zu tun habe. Hastings habe den Deal vielmehr unterstützt, ebenso wie der gesamte Verwaltungsrat.
„Es ist sehr ungewöhnlich, dass sich ein Gründer nach der Nachfolgeregelung auch aus dem Verwaltungsrat zurückzieht“, sagte Sarandos. Zugleich betonte er, Hastings sei „kein gewöhnlicher Gründer“. Netflix werde nun in den kommenden Monaten die nächsten Schritte für eine Neuaufstellung des Verwaltungsrats einleiten.
Vom DVD-Versand zum Streaming-Giganten
Hastings gründete Netflix im Jahr 1997. Das Unternehmen revolutionierte zunächst mit seinem DVD-Versandmodell den Markt und entwickelte sich später zu einem der weltweit bedeutendsten Streaming-Anbieter. Unter seiner Führung wurde Netflix zum ernsthaften Konkurrenten klassischer Videotheken wie Blockbuster und später auch der etablierten Hollywood-Studios.
Besonders prägend war, dass Netflix unter Hastings frühzeitig auf eigene Produktionen setzte und damit die Unterhaltungsbranche grundlegend veränderte. Auch das werbefinanzierte Abo-Modell, das heute in der Streaming-Branche weit verbreitet ist, wurde noch unter seiner Führung eingeführt.
Als Hastings 2023 den CEO-Posten abgab, hatte Netflix bereits mehr als 230 Millionen zahlende Abonnenten weltweit. Seitdem setzten Sarandos und Peters den Wachstumskurs fort. Dazu gehörten unter anderem das harte Vorgehen gegen Account-Sharing, was zu Millionen neuer Kunden führte, sowie der Ausbau in neue Bereiche wie Live-Sportübertragungen und Podcasts.
Netflix hatte im Januar 2026 nach eigenen Angaben bereits 325 Millionen zahlende Abonnenten weltweit. Am Donnerstag kündigte der Konzern zudem weitere Podcast-Formate an, darunter auch ein neues Angebot mit dem bekannten US-Journalisten Brian Williams.
Auch abseits von Netflix stark engagiert
Außerhalb des Unternehmens ist Hastings seit Jahren stark philanthropisch aktiv. Gemeinsam mit seiner Ehefrau gründete er 2016 einen 100-Millionen-Dollar-Fonds für Bildungsprojekte für Kinder. Das Paar spendete in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Dollar an Schulen, Colleges und Universitäten.
Zudem gilt Hastings als einer der bedeutenden Spender der Demokratischen Partei in den USA. 2023 hatte er außerdem das bekannte Skigebiet Powder Mountain im Bundesstaat Utah übernommen – kurz nachdem er seinen Rückzug als Netflix-CEO bekanntgegeben hatte.
Mit dem Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat endet nun ein weiteres Kapitel in der Geschichte eines Managers, der Netflix vom DVD-Versanddienst zu einem globalen Medienkonzern geformt hat.
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