Donald Trump macht beim NATO-Gipfel wieder das, was Donald Trump eben so macht: Er sorgt dafür, dass sich selbst erfahrene Diplomaten fragen, ob sie sich in einer sicherheitspolitischen Konferenz oder in der neuesten Staffel einer Reality-Show befinden.
Kaum in Ankara angekommen, erklärte der US-Präsident erneut, dass Grönland eigentlich unter amerikanischer Kontrolle stehen sollte. Dass die Insel zu Dänemark gehört und dieses wiederum Mitglied der NATO ist? Geschenkt. Trump räumte immerhin ein, dass eine Übernahme seine Beziehung zum Bündnis „etwas belasten“ könnte. Eine bemerkenswerte Erkenntnis – ungefähr so, als würde man feststellen, dass ein Einbruch das Verhältnis zum Nachbarn leicht beeinträchtigen könnte.
Während Europa noch über Verteidigungsausgaben diskutiert, eröffnete Trump nebenbei einen fliegenden Waffenbasar. Die Türkei darf auf die Rückkehr der F-35-Kampfjets hoffen, obwohl der Verkauf bislang durch den US-Kongress blockiert wird. Gleichzeitig kündigte Trump an, die Sanktionen gegen Ankara wegen des Kaufs russischer S-400-Luftabwehrsysteme wieder einzusammeln. Frei nach dem Motto: Was gestern noch ein Problem war, kann morgen schon ein Geschäftsmodell sein.
Präsident Recep Tayyip Erdoğan zeigte sich entsprechend optimistisch. Man habe bereits gute Nachrichten erhalten und hoffe nun auf weitere. Übersetzt: Die Einkaufsliste für neue Kampfjets liegt offenbar schon griffbereit.
Auch beim Ukraine-Krieg verbreitete Trump Zuversicht. Nach Telefonaten mit Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj sei eine Friedenslösung näher, als viele glaubten. Konkrete Hinweise darauf blieb er allerdings schuldig. Schließlich lebt Optimismus bekanntlich davon, möglichst wenige Details preiszugeben.
Auf die Frage, ob die USA weitere Soldaten aus Europa abziehen könnten, antwortete Trump gewohnt präzise: „Wir werden sehen.“ Dieser Satz dürfte mittlerweile als Standardantwort für nahezu jede außenpolitische Frage taugen – von der NATO bis zum Wetterbericht.
Immerhin fand Trump auch noch Zeit für ein diplomatisches Kompliment. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sei eigentlich eine „nette Person“. Noch wenige Tage zuvor hatte er allerdings angedeutet, sie benötige eher eine einstweilige Verfügung als ein freundliches Gespräch. Beziehungen entwickeln sich eben dynamisch.
So bleibt vom ersten Gipfeltag vor allem die Erkenntnis: Während andere Staats- und Regierungschefs Sicherheitskonzepte diskutieren, verhandelt Donald Trump gleichzeitig über Inseln, Kampfjets, Sanktionen und persönliche Sympathien. Langweilig wird es mit ihm jedenfalls nie.
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