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Nachfolge geregelt

Cicero7 (CC0), Pixabay
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CBS hat die Nachfolge für Stephen Colberts Sendeplatz geregelt – und die Lösung wirkt ungefähr so elegant wie ein Feueralarm, den man mit einer Clownhupe ersetzt. Ab dem 22. Mai, also direkt nach der letzten Ausgabe von „The Late Show with Stephen Colbert“, übernimmt auf dem traditionsreichen 11:35-Uhr-Slot ausgerechnet „Comics Unleashed with Byron Allen“. Weil die Sendung aber nur eine halbe Stunde dauert, zeigt CBS einfach zwei Folgen hintereinander. Wer also gehofft hatte, nach Colbert käme ein neues Aushängeschild fürs Late Night, bekommt stattdessen offenbar das TV-Äquivalent zu „Wir haben noch was im Lager gefunden“. Und weil man schon dabei ist, wandert um 12:35 Uhr auch noch Allens Gameshow „Funny You Should Ask“ ins Programm – CBS macht aus dem Ende von Colbert also gleich einen kompletten Byron-Allen-Abend.

Byron Allen selbst zeigte sich erwartungsgemäß begeistert und bedankte sich für das Vertrauen von CBS. Dass es sich dabei allerdings um ein sogenanntes Time-Buy-Modell handelt – also Byron Allen de facto dafür bezahlt, dass seine Shows auf CBS laufen –, verleiht dem Ganzen eine besonders schöne Pointe: Der Sender ersetzt einen prominenten Late-Night-Host nicht mit einer kreativen Neuentwicklung, sondern mit bezahlter Sendezeit. Anders formuliert: Nicht CBS hat ein neues Programm gefunden, sondern jemand hat den frei gewordenen Platz gemietet. Das ist ungefähr so, als würde man nach dem Aus eines Spitzenrestaurants stolz verkünden, dass ab morgen ein sehr engagierter Foodtruck im Foyer parkt.

Offiziell hatte CBS das Ende von Colberts Show mit den wirtschaftlichen Problemen des Late-Night-Geschäfts begründet – eine „qualvolle“ Entscheidung, hieß es damals. Viele Beobachter hielten das jedoch für bestenfalls unvollständig. Colbert war nicht nur einer der bekanntesten Late-Night-Moderatoren des Landes, sondern auch ein lautstarker Kritiker von Donald Trump. Und ausgerechnet in einer Phase, in der Paramount – die CBS-Mutter – auf politische Zustimmung für den geplanten Verkauf an Skydance angewiesen war, verschwand dieser Kritiker plötzlich aus dem Programm. Dass CBS kurz zuvor auch noch einen Trump-Prozess beilegte, den viele Juristen als eher abenteuerlich einstuften, machte die Sache nicht gerade unverdächtiger. Nun also Byron Allen. Oder anders gesagt: Colbert geht – und zurück bleibt das Gefühl, dass in Amerikas Fernsehen inzwischen nicht mehr nur Quoten entscheiden, sondern manchmal auch politische Wetterlagen und die Frage, wer gerade einen Scheck dabeihat.

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