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Nach tödlicher Messerattacke in Southampton: Kritik an Polizeieinsatz wächst

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Nach der tödlichen Messerattacke auf den 18-jährigen Studenten Henry Nowak in Southampton geraten die britischen Behörden zunehmend unter Druck. Veröffentlichtes Bodycam-Material des Polizeieinsatzes löste landesweit Entsetzen aus und wirft laut Premierminister Keir Starmer „ernste Fragen“ über das Vorgehen der Beamten auf.

Der 23-jährige Täter war am Montag zu lebenslanger Haft mit einer Mindeststrafe von 21 Jahren verurteilt worden. Er hatte den Jugendlichen mit einer rund 21 Zentimeter langen Klinge tödlich verletzt. Laut Ermittlungen behauptete der Täter nach der Tat gegenüber den Einsatzkräften zunächst, selbst Opfer eines rassistischen Angriffs geworden zu sein.

Die nun veröffentlichten Aufnahmen zeigen, wie der schwer verletzte Henry Nowak am Tatort von Beamten festgehalten und mit Handschellen fixiert wurde. Mehrfach sagte der Jugendliche laut Videoaufnahmen: „Ich kann nicht atmen.“ Später erklärten die Beamten ihm sogar, er werde wegen Körperverletzung festgenommen.

Premierminister Starmer erklärte, die Bilder seien „erschütternd“ gewesen und hätten bei ihm Übelkeit ausgelöst. Insbesondere müsse untersucht werden, welchen Einfluss die Vorwürfe des Täters über angeblichen Rassismus auf die Entscheidungen der Polizei gehabt hätten. Eine unabhängige Untersuchung der Polizeiarbeit läuft bereits. Ergebnisse werden in den kommenden Monaten erwartet.

Auch politisch sorgt der Fall inzwischen für heftige Debatten in Großbritannien. Konservative Politiker werfen der Polizei vor, sich zu stark von Antirassismus-Richtlinien beeinflussen zu lassen. Hintergrund ist ein Dokument des National Police Chiefs Council (NPCC), in dem erklärt wird, Gleichbehandlung bedeute nicht zwangsläufig, alle Menschen identisch zu behandeln, sondern auf unterschiedliche gesellschaftliche Erfahrungen Rücksicht zu nehmen.

Kritiker sehen darin die Gefahr einer Ungleichbehandlung durch Sicherheitsbehörden. Vertreter der Regierung und Polizeiführung betonten dagegen, es gebe „keine Zwei-Klassen-Polizei“ in Großbritannien.

Der Fall führte zudem zu schweren Spannungen in Southampton. Am Dienstagabend versammelten sich mehrere hundert Demonstranten nahe des Tatorts. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Einsatzkräfte wurden mit Gegenständen beworfen, während Beamte mit Schutzschilden und Schlagstöcken gegen Ausschreitungen vorgingen.

Die Familie des getöteten Jugendlichen äußerte sich tief erschüttert über die Behandlung ihres Sohnes durch die Polizei. Sein Vater erklärte, Henry habe den Beamten mehrfach gesagt, dass er erstochen worden sei und keine Luft bekomme. Statt Hilfe habe er Handschellen angelegt bekommen. Die zuständige Polizei entschuldigte sich inzwischen öffentlich für das Vorgehen der Beamten.

Die Staatsanwaltschaft betonte unterdessen, der Fall dürfe nicht instrumentalisiert werden. Es handle sich „nicht um einen Fall von Sikhismus oder Rassismus, sondern um Mord“. Auch die Familie des Täters entschuldigte sich öffentlich bei den Angehörigen des Opfers.

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