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Der unsichtbare Abgeordnete gewinnt Vorwahl – Trump begeistert: „Er wird euch niemals enttäuschen!“

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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In den USA reicht offenbar inzwischen schon völlige Unsichtbarkeit, um Wahlen zu gewinnen – solange Donald Trump rechtzeitig ein paar Großbuchstaben auf Social Media hinterlässt.

Der republikanische Kongressabgeordnete Tom Kean Jr., der seit Monaten weder in Washington noch in seinem Wahlkreis öffentlich gesehen wurde, hat problemlos die republikanische Vorwahl in New Jersey gewonnen. Möglich machte das unter anderem eine begeisterte Trump-Unterstützung inklusive der beruhigenden Botschaft:

„HE WILL NEVER LET YOU DOWN!“

Das Problem:
Viele Wähler dürften sich inzwischen fragen, wie genau das funktionieren soll, wenn man den Kandidaten praktisch gar nicht mehr zu Gesicht bekommt.

Kean hat seit März über 100 Abstimmungen im Kongress verpasst. Öffentlich aufgetreten ist er seit Monaten nicht mehr. Selbst Journalisten und Parteikollegen rätseln zunehmend über seinen Verbleib. Ein Mitarbeiter erklärte dem „New York Times“ sinngemäß:
„Dort, wo Tom ist, gibt es keine Kameras.“

Was gleichzeitig die vermutlich mysteriöseste Wahlkampfstrategie des Jahres und die schlechteste PR-Abteilung Amerikas sein dürfte.

Offiziell heißt es, Kean habe gesundheitliche Probleme und befinde sich auf dem Weg der Besserung. Bereits im April versprach er, „sehr bald“ zurückzukehren. Wenige Wochen später hieß es erneut:
„In den nächsten Wochen.“

Die Wochen vergingen.
Tom Kean blieb verschwunden.
Die Vorwahl gewann er trotzdem.

Allerdings muss man fairerweise sagen:
Kean trat ohne Gegenkandidaten an. Sein Wahlkampf bestand im Wesentlichen also darin, nicht aufzutauchen und darauf zu hoffen, dass niemand etwas Kompliziertes fragt.

Und offenbar funktioniert selbst das noch erstaunlich gut, solange Donald Trump öffentlich erklärt, jemand arbeite „unermüdlich“.

Die Demokraten wittern nun natürlich ihre Chance. Im November tritt Kean gegen Rebecca Bennett an, eine ehemalige Navy-Pilotin, die tatsächlich öffentlich auftritt, Interviews gibt und physisch auffindbar ist – ein heutzutage offenbar fast schon exotisches Konzept.

Besonders kurios:
Der Wahlkreis gilt als politisch hoch umkämpft. Normalerweise erwartet man dort aggressive Wahlkämpfe, Dauertermine und ständige Medienpräsenz.

Stattdessen erleben die Wähler aktuell etwas zwischen Mystery-Serie, Gesundheitsbulletin und politischer Schnitzeljagd.

In Washington dürfte man derweil langsam hoffen, dass Kean irgendwann tatsächlich wieder auftaucht. Denn bei den hauchdünnen Mehrheiten der Republikaner zählt inzwischen praktisch jede Stimme.

Oder anders gesagt:
Der Kongress hat derzeit vermutlich den ersten Abgeordneten der US-Geschichte, der gleichzeitig aktiv kandidiert und wie eine urban legend behandelt wird.

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