Kanada versucht derzeit, das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA für weitere 16 Jahre zu verlängern. Oder anders gesagt:
Ottawa versucht verzweifelt, wirtschaftliche Stabilität mit einem Nachbarn auszuhandeln, der regelmäßig darüber nachdenkt, Kanada einfach komplett zu übernehmen.
Kanadas Handelsminister Dominic LeBlanc reichte offiziell den Antrag auf Verlängerung des Abkommens mit den USA und Mexiko ein und erklärte das Handelsbündnis erwartungsgemäß zu einem „großen Vorteil für alle drei Länder“.
Was diplomatisch ungefähr bedeutet:
„Bitte Donald, lass uns wenigstens wirtschaftlich noch Freunde bleiben.“
Während Mexiko die Verlängerung ebenfalls unterstützt, laufen die Gespräche zwischen Kanada und den USA eher… sagen wir:
kompliziert.
Denn die Trump-Regierung möchte natürlich mal wieder mehr.
Mehr Zugang zum kanadischen Markt.
Mehr amerikanische Inhalte in Autos.
Mehr Einfluss.
Mehr Zölle.
Und vermutlich irgendwann auch mehr Ahornsirup.
Besonders charmant:
Trump hatte zuletzt erneut seine berühmte „51. Bundesstaat“-Rhetorik ausgepackt und Kanada indirekt nahegelegt, sich doch einfach den USA anzuschließen.
Eine diplomatische Strategie, die ungefähr so vertrauensbildend wirkt wie ein Immobilienmakler, der beim Hausbesuch schon mal Maß für die neue Küche nimmt.
Gleichzeitig streiten beide Länder weiter über Stahl, Aluminium, Autos, Holz und Alkohol. Kanada hatte als Reaktion auf US-Zölle in vielen Provinzen amerikanischen Alkohol aus den Regalen verbannt.
Kurz gesagt:
Die größte Handelsmacht der Welt liefert sich derzeit mit Kanada einen Streit darüber, wer künftig weniger Bourbon verkauft.
Währenddessen versucht Kanadas Premierminister Mark Carney tapfer Optimismus zu verbreiten und erklärte:
„Ein starkes Kanada wird Amerika wieder groß machen.“
Das dürfte in Washington ungefähr so aufgenommen worden sein wie vegane Ernährungstipps bei einem BBQ-Wettbewerb in Texas.
Innenpolitisch wächst in Kanada allerdings der Druck. Die Wirtschaft schwächelt, die Jugendarbeitslosigkeit steigt und die Opposition fragt zunehmend:
„Hat diese Regierung eigentlich irgendeinen Plan außer höflich zu bleiben?“
Die USA wiederum werfen Kanada vor, zu aggressiv auf Trumps Strafzölle reagiert zu haben. Ein US-Handelsvertreter erklärte sinngemäß:
Kanada befinde sich deswegen „an einem anderen Punkt“ der Verhandlungen.
Übersetzt heißt das vermutlich:
„Mexiko war einfacher.“
Falls bis zum 1. Juli keine Einigung erzielt wird, müsste das Abkommen künftig jedes Jahr neu verlängert werden — eine Art wirtschaftliches Beziehungsmodell auf Probezeitbasis.
Oder anders formuliert:
Nordamerikas Freihandel hängt derzeit ungefähr an derselben Stabilität wie eine WhatsApp-Beziehung mit ständig wechselndem Beziehungsstatus.
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