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MLM erklärt und bekannte MLM Systeme benannt

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Multi-Level-Marketing (MLM), auch Network-, Empfehlungs- oder Strukturvertrieb genannt, ist eine Form des Direktvertriebs. Selbstständige Vertriebspartner verkaufen Produkte oder Dienstleistungen und können zusätzlich Provisionen auf Umsätze eines von ihnen aufgebauten Teams erhalten.

Typischerweise besteht die Vergütung aus:

  • Handelsspanne oder Provision auf eigene Verkäufe,
  • Provisionen auf Teamumsätze,
  • Rang-, Start- oder Führungsboni,
  • teilweise Bonuspools, Reisen oder Fahrzeugprogramme.

Die Beteiligten sind gewöhnlich keine Angestellten und erhalten kein festes Gehalt. Kosten für Produkte, Veranstaltungen, Werbung, Reisen oder Software können bei ihnen selbst liegen.

Die derzeit gängigen MLM-Systeme

Die Begriffe sind nicht vollständig standardisiert. Viele Unternehmen kombinieren mehrere Modelle. Zu den verbreiteten Planfamilien gehören Unilevel, Binary, Matrix, Stair-Step/Breakaway, Partyplan und Hybridmodelle.

System Worum geht es? Typische Besonderheit
Unilevel-System Jeder Partner kann beliebig viele Personen direkt aufnehmen. Provisionen werden über eine festgelegte Anzahl von Ebenen gezahlt. Relativ einfach nachvollziehbar; Einkommen hängt stark von Teamumsatz und Tiefe ab.
Binary-System Jeder Partner besitzt nur zwei Hauptlinien, beispielsweise eine linke und eine rechte „Leg“. Häufig wird nach dem Umsatz der schwächeren Linie bezahlt. Ein unausgeglichenes Team kann die Auszahlung begrenzen.
Matrix-System Breite und Tiefe sind begrenzt, etwa „3 × 7“: drei direkte Positionen und sieben Ebenen. Weitere Personen werden darunter eingeordnet. Wird häufig mit „Spillover“ beworben. Eine Platzierung durch andere bedeutet aber nicht automatisch echte Kunden oder Umsatz.
Stair-Step-System Partner steigen durch Umsatz und Teamleistung stufenweise in höhere Ränge auf. Höhere Ränge erhalten größere Prozentsätze oder zusätzliche Boni.
Breakaway-System Erfolgreiche Teammitglieder erreichen einen bestimmten Rang und werden anschließend als eigene Organisation oder Gruppe behandelt. Die ursprüngliche Führungskraft erhält oft reduzierte Führungs- oder Generationenboni auf diese Gruppe.
Generationen-System Provisionen werden nicht nur nach Ebenen, sondern nach „Generationen“ qualifizierter Führungskräfte berechnet. Fördert den Aufbau mehrerer Führungsteams, ist aber oft schwer verständlich.
Partyplan/Social Selling Produkte werden bei privaten oder digitalen Veranstaltungen, Live-Sessions oder Gruppenpräsentationen verkauft. Gastgeberboni, Produktgutscheine und persönliche Empfehlungen stehen im Vordergrund. Es kann Single-Level oder MLM sein.
Hybrid-System Kombination mehrerer Modelle, beispielsweise Unilevel mit Binary-Bonus, Generationenbonus und Bonuspool. Heute besonders verbreitet; häufig komplex und ohne Rechenbeispiele schwer zu beurteilen.

Weitere Elemente moderner MLM-Angebote

Autoship oder Abonnement: Monatlich wiederkehrende Produktbestellungen. Das ist kein eigener Vergütungsplan, wird aber häufig eingesetzt, um Kunden- und Teamvolumen aufrechtzuerhalten.

Fast-Start-Bonus: Zusätzliche Vergütung für Verkäufe oder Umsätze neuer Teammitglieder während der ersten Wochen.

Matching-Bonus: Ein Partner erhält einen Prozentsatz bestimmter Boni, die seine direkt angeworbenen Partner verdienen.

Rank- und Lifestyle-Boni: Zusätzliche Zahlungen, Reisen oder Fahrzeugzuschüsse beim Erreichen bestimmter Umsätze und Teamstrukturen.

Affiliate- oder Empfehlungsprogramm: Nur eine Provision für direkt vermittelte Verkäufe. Solange keine Vergütung über mehrere Ebenen erfolgt, handelt es sich normalerweise nicht um echtes MLM.

Aktuelle Anbieter und Marktsegmente

Die folgende Auswahl ist nicht vollständig und keine Empfehlung:

  • Amway: Nahrungsergänzung, Schönheit, Körperpflege und Haushaltsprodukte; Vertrieb über selbstständige Geschäftspartner.
  • Herbalife: Ernährungs-, Gewichtsmanagement- sowie Haut- und Körperpflegeprodukte. Die offizielle Darstellung nennt Einnahmen aus eigenen Produktverkäufen und aus den Verkäufen eines aufgebauten Teams.
  • LR Health & Beauty: Nahrungsergänzung, Kosmetik, Düfte und Schönheitsprodukte; das Unternehmen bezeichnet sein Modell als Social Commerce mit Vertriebspartnern.
  • PM-International/FitLine: Produkte aus den Bereichen Gesundheit, Fitness und Schönheit sowie eine Partner-Geschäftsmöglichkeit.
  • Forever Living: Vor allem Aloe-vera-Getränke, Nahrungsergänzung und Körperpflege; Teilnehmer können als „Forever Business Owner“ tätig werden.
  • Lifeplus: Wellness- und Ernährungsprodukte, die über Empfehlungs- beziehungsweise Netzwerkmarketing angeboten werden.

Daneben existieren Direktvertriebsmodelle für Schmuck, Haushaltswaren, Reinigungsmittel, Tiernahrung, Energie und Telekommunikation. Wichtig: Nicht jeder Direktvertrieb ist MLM. Einige Unternehmen bezahlen ausschließlich für eigene Verkäufe und haben keine mehrstufige Teamvergütung. Der Bundesverband Direktvertrieb Deutschland führt aktuell Unternehmen aus zahlreichen dieser Branchen auf.

MLM oder illegales Schneeballsystem?

MLM ist nicht automatisch illegal. Entscheidend ist, wofür das Geld tatsächlich gezahlt wird.

Ein eher produktorientiertes Modell hat:

  • nachvollziehbare Verkäufe an echte Endkunden,
  • Vergütung überwiegend aufgrund von Waren- oder Dienstleistungsumsätzen,
  • keine hohen Eintrittsgebühren,
  • keine erzwungenen Lagerbestände,
  • vernünftige Kündigungs- und Rückgaberegeln,
  • transparente durchschnittliche Einnahmen und Kosten.

Problematisch wird es, wenn das Anwerben neuer Teilnehmer wichtiger ist als der tatsächliche Produktverkauf. Auch ein echtes oder qualitativ gutes Produkt macht eine problematische Vergütungsstruktur nicht automatisch legal. Behörden betrachten deshalb nicht nur den schriftlichen Vergütungsplan, sondern auch die tatsächlichen Anreize, Schulungen und Verkaufspraktiken.

In Deutschland kann die sogenannte progressive Kundenwerbung nach § 16 Absatz 2 UWG strafbar sein: Vereinfacht betrifft dies Modelle, bei denen Verbrauchern Vorteile versprochen werden, wenn sie weitere Personen zu gleichartigen Geschäften bewegen, die wiederum neue Personen anwerben sollen.

Deutliche Warnsignale

Besondere Vorsicht ist angebracht bei:

  • garantierten oder außergewöhnlich hohen Verdienstversprechen,
  • Aussagen wie „passives Einkommen ohne Verkauf“,
  • hohen Starterpaketen oder Schulungsgebühren,
  • monatlichen Pflichtkäufen zum Erhalt des Rangs,
  • Vergütung allein für neue Mitglieder,
  • Druck, Freunde und Familie anzusprechen,
  • Kryptowährungs-, Investment-, „Board“-, „Cycler“- oder Schenkungssystemen ohne nachvollziehbaren Endkundenmarkt,
  • fehlender schriftlicher Einkommensstatistik,
  • Gesundheits- oder Heilversprechen für Nahrungsergänzungsmittel und Geräte.

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass illegale Schneeballsysteme häufig versuchen, wie legales Network-Marketing auszusehen, und insbesondere über Social Media und Messenger verbreitet werden.

Wie realistisch sind die Einnahmen?

Die Ergebnisse sind meist deutlich niedriger als die in Werbeveranstaltungen gezeigten Spitzenverdienste. Eine FTC-Untersuchung von 70 veröffentlichten MLM-Einkommensinformationen stellte fest, dass viele Teilnehmer überhaupt keine Zahlungen erhielten und die große Mehrheit höchstens 1.000 US-Dollar pro Jahr bekam. Kosten waren dabei häufig noch nicht berücksichtigt. Die Untersuchung bezieht sich auf den US-Markt, zeigt aber, warum Durchschnittswerte und Ausgaben sorgfältig geprüft werden sollten.

Fazit: Am Markt dominieren heute Unilevel-, Binary-, Matrix-, Breakaway- und Hybridmodelle. Der Name des Systems sagt jedoch wenig über Qualität oder Seriosität aus. Entscheidend sind Endkundenumsatz, Pflichtkäufe, tatsächliche Kosten, Rückgaberegeln und die durchschnittlichen Nettoergebnisse aller Teilnehmer – nicht nur die Erfolgsgeschichten der obersten Ränge.

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