Es klingt wie die Handlung eines Kriminalfilms, führte am Ende aber zur Aufklärung zweier jahrzehntealter Mordfälle.
Die Ermittlerin Susan Logothetti vom Polizeidepartement in Everett im US-Bundesstaat Washington brachte den verurteilten Sexualstraftäter Mitchell Gaff mit einer ungewöhnlichen Undercover-Aktion zu Fall: Sie gab sich als Mitarbeiterin einer Kaugummi-Marktforschungsfirma aus, um heimlich an seine DNA zu gelangen. Der Plan ging auf – und führte schließlich zur Verurteilung eines Mannes, der für zwei brutale Morde verantwortlich war.
Verdacht nach DNA-Treffer in Cold Case
Der Fall begann Ende 2023, als Logothetti die Ermittlungen in einem ungelösten Mordfall aus dem Jahr 1984 übernahm. Damals war die zweifache Mutter Judy Weaver in ihrer Wohnung in Everett vergewaltigt, gefesselt und ermordet worden.
Ein neuer DNA-Abgleich brachte eine überraschende Wendung: Die Spur führte zu Mitchell Gaff, einem bereits bekannten Sexualstraftäter, der wegen mehrerer schwerer Vergewaltigungen verurteilt worden war.
Beim Studium der Akten erkannte die Ermittlerin auffällige Parallelen zwischen Gaffs früheren Taten und dem Mord an Weaver. Dennoch benötigte sie weitere DNA-Proben, um den Verdacht gerichtsfest zu machen.
Die Kaugummi-Falle
Wochenlang beobachteten Ermittler den inzwischen 68-jährigen Gaff und hofften vergeblich, weggeworfene Gegenstände mit DNA-Spuren sicherzustellen.
Schließlich entstand eine ungewöhnliche Idee: Logothetti und zwei Kollegen erschienen an Gaffs Haustür, gekleidet als angebliche Produkttester eines neuen Energiekaugummis. Mit freundlichen Gesprächen, Komplimenten und dem Versprechen eines Einkaufsgutscheins überzeugten sie den Mann, verschiedene Geschmacksrichtungen zu testen.
Gaff kaute mehrere Proben und spuckte die Kaugummis anschließend in bereitgestellte Behälter. Genau darauf hatten die Ermittler gehofft.
Die daraus gewonnene DNA bestätigte den Verdacht: Die Spuren stimmten mit Beweismaterial aus dem Mordfall Judy Weaver überein.
Zweiter Mordfall aufgeklärt
Nach Gaffs Festnahme meldete sich Anfang 2025 der Ehemann einer weiteren Mordopferfamilie bei der Polizei. Seine Frau Susan Vesey war bereits 1980 vergewaltigt und ermordet worden.
Die Ähnlichkeiten zu Weavers Fall waren frappierend. Neue forensische Untersuchungen führten erneut zu Mitchell Gaff. Mehrere DNA-Spuren vom Tatort konnten ihm eindeutig zugeordnet werden.
Jahrzehntelanger Sexualstraftäter
Gaff galt seit Jahrzehnten als hochgefährlicher Sexualstraftäter. Bereits 1979 hatte er eine Frau brutal angegriffen. 1984 vergewaltigte und misshandelte er zwei minderjährige Schwestern über Stunden hinweg. Später wurde er als „sexuell gewalttätiger Räuber“ eingestuft und über Jahre in einer speziellen Sicherungseinrichtung untergebracht.
Geständnis und lebenslange Haft
Eigentlich sollte Gaff im Herbst 2026 vor Gericht stehen. Überraschend bekannte er sich jedoch bereits im April schuldig und schilderte die beiden Morde vor Gericht detailliert. Angehörige der Opfer konnten ihn nach mehr als vier Jahrzehnten endlich mit den Folgen seiner Taten konfrontieren.
Ein Richter verurteilte ihn schließlich zu einer Haftstrafe von 50 Jahren bis lebenslang. Damit gilt es als nahezu ausgeschlossen, dass Gaff jemals wieder auf freien Fuß kommt.
Für Ermittlerin Susan Logothetti war das Urteil der Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere. Besonders symbolträchtig empfand sie einen Moment nach der Urteilsverkündung:
„Nach der Verurteilung legte ich ihm selbst die Handschellen an und brachte ihn zurück ins Gefängnis“, sagte sie später. „Ich glaube, dass es wichtig war, dass eine Frau ihm die Handschellen anlegte.“
Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie moderne DNA-Technik, Hartnäckigkeit und ein unscheinbarer Kaugummi dazu beitragen können, selbst nach mehr als 40 Jahren noch Gerechtigkeit für die Opfer zu schaffen.
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