Nach monatelangem Rechtsstreit hat der australische Radiomoderator Kyle Sandilands einen Millionenvergleich mit seinem ehemaligen Arbeitgeber erzielt. Der als Provokateur bekannte Moderator erhält umgerechnet rund zwölf Millionen australische Dollar, nachdem sein langjähriger Radiosender seinen Vertrag vorzeitig beendet hatte.
Die Einigung beendet einen erbitterten Konflikt zwischen Sandilands und dem Medienunternehmen ARN Media, das die populäre Frühstückssendung „The Kyle and Jackie O Show“ im März überraschend abgesetzt hatte.
Streit mit Co-Moderatorin löste Kettenreaktion aus
Auslöser der Eskalation war ein öffentlich ausgetragener Streit zwischen Sandilands und seiner langjährigen Co-Moderatorin Jackie „O“ Henderson. Während einer Sendung im Februar griff Sandilands seine Kollegin scharf an und warf ihr vor, sich nicht ausreichend auf ihre Arbeit zu konzentrieren.
Besonders kritisch äußerte er sich über Hendersons Interesse an Astrologie und Horoskopen. Die Moderatorin reagierte während der Live-Sendung emotional und wies die Vorwürfe zurück. Die Auseinandersetzung sorgte landesweit für Schlagzeilen.
Wenige Wochen später wurde die Sendung eingestellt.
Klage über 85 Millionen Dollar
Sandilands betrachtete die Vertragsauflösung als rechtswidrig und zog vor Gericht. Der Radiostar verlangte ursprünglich rund 85 Millionen australische Dollar Schadenersatz aus seinem langfristigen Vertrag, der Berichten zufolge ein Gesamtvolumen von rund 100 Millionen Dollar hatte.
Nun einigten sich beide Seiten außergerichtlich. Nach Angaben von ARN Media erhält Sandilands eine Zahlung von 12,09 Millionen australischen Dollar. Zusätzlich bekommt er Werbeleistungen im Wert von weiteren 1,5 Millionen Dollar auf den Plattformen des Unternehmens.
Mit dem Vergleich seien sämtliche gegenseitigen Ansprüche endgültig erledigt, teilte ARN mit.
Einschränkungen für neue Medienprojekte
Völlig frei ist Sandilands trotz der Einigung jedoch nicht. Nach den Bedingungen des Vergleichs darf er bis März kommenden Jahres nicht für konkurrierende Medienunternehmen tätig werden.
Darüber hinaus sicherte sich ARN Media einen Anteil an möglichen künftigen Projekten des Moderators. Sollte Sandilands ein neues Mediengeschäft aufbauen, erhält der Konzern für drei Jahre knapp 20 Prozent der Erlöse.
Das Unternehmen erklärte, der Moderator verfolge inzwischen „unabhängige Medienmöglichkeiten“.
Erfolgreiches Duo zerbricht nach fast drei Jahrzehnten
Über viele Jahre gehörten Sandilands und Henderson zu den erfolgreichsten Stimmen des australischen Radios. Besonders in Sydney erzielte das Duo regelmäßig Spitzenquoten. Ihr Markenzeichen waren provokante Interviews, kontroverse Meinungen und ein bewusst grenzüberschreitender Humor.
Nach rund 27 Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit scheint diese Ära nun beendet.
Henderson hatte nach dem öffentlichen Streit eine Auszeit genommen und dem Sender mitgeteilt, dass eine weitere Zusammenarbeit mit Sandilands für sie nicht mehr möglich sei. Auch sie geht juristisch gegen ARN Media vor. Ihr Verfahren läuft nach australischen Medienberichten weiterhin.
Spekulationen über wahre Hintergründe
Der Fall hat in der australischen Medienbranche eine Debatte über die tatsächlichen Gründe für das Ende der Sendung ausgelöst. Beobachter verweisen auf hohe Produktionskosten und einen kostspieligen Versuch, das erfolgreiche Format von Sydney auf den Markt in Melbourne auszuweiten.
Zudem berichteten lokale Medien, dass die millionenschweren Verträge der beiden Stars innerhalb des Unternehmens umstritten gewesen seien. Mitarbeiter hätten ihre Jobs verloren, während ein erheblicher Teil des Budgets in die prominenten Moderatoren floss.
Sandilands selbst erklärte, er habe sich kurz nach dem Streit bei Henderson entschuldigt und verschiedene Lösungen vorgeschlagen. Nach seiner Darstellung seien seine Versuche, den Konflikt intern zu klären, jedoch vom Sender blockiert worden.
Mit dem Vergleich endet nun zwar der Rechtsstreit zwischen Sandilands und ARN Media. Die Diskussion über den Zusammenbruch einer der erfolgreichsten Radiosendungen Australiens dürfte jedoch noch lange weitergehen.
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