Der britische Einzelhandelsmilliardär Mike Ashley macht Ernst: Seine Frasers Group will den deutschen Modekonzern Hugo Boss komplett übernehmen.
Wie das Unternehmen mitteilte, bietet Frasers rund 1,98 Milliarden Euro für die Anteile, die sich noch nicht im Besitz des Konzerns befinden. Umgerechnet entspricht das etwa 1,73 Milliarden Pfund.
Vom Großaktionär zum Eigentümer?
Ganz überraschend kommt der Vorstoß nicht.
Frasers, früher vor allem als Sports Direct bekannt, hält bereits mehr als 25 Prozent der Hugo-Boss-Aktien. Seit 2020 hat der Konzern seinen Anteil kontinuierlich ausgebaut.
Nun nähert sich Frasers der wichtigen 30-Prozent-Schwelle. Nach deutschem Übernahmerecht müsste das Unternehmen bei Überschreiten dieser Marke ohnehin ein Angebot für alle übrigen Aktien vorlegen.
Der nun vorgelegte Preis von 38 Euro je Aktie liegt über dem letzten Börsenkurs von 36,50 Euro.
Hugo Boss prüft das Angebot
Der Modekonzern reagierte zunächst zurückhaltend.
Das Angebot sei „nicht abgestimmt“ gewesen und werde nun sorgfältig geprüft. Das Unternehmen kündigte an, Aktionäre und Öffentlichkeit über weitere Schritte zu informieren.
Noch ist völlig offen, ob Vorstand und Aufsichtsrat die Übernahme unterstützen werden.
Ashley setzt auf andere Strategie
Die Offerte markiert einen ungewöhnlichen Schritt für Mike Ashley.
Der Frasers-Konzern wurde vor allem dafür bekannt, angeschlagene Handelsunternehmen günstig aus Insolvenzen herauszukaufen.
Zu den Marken des Konzerns gehören unter anderem:
- Sports Direct
- House of Fraser
- Game
- Jack Wills
- Evans Cycles
Bei Hugo Boss handelt es sich dagegen um einen profitablen internationalen Modekonzern – also um ein deutlich anderes Kaliber.
Schwierige Beziehungen zu anderen Beteiligungen
Nicht überall pflegt Frasers ein so harmonisches Verhältnis wie derzeit mit Hugo Boss.
Besonders bekannt ist der Dauerstreit mit dem Onlinehändler Boohoo, der inzwischen hauptsächlich unter der Marke Debenhams auftritt.
Frasers ist dort ebenfalls Großaktionär und blockierte sogar die geplante offizielle Umbenennung des Unternehmens in „Debenhams Group“.
Seit Jahren liefern sich beide Seiten öffentliche Auseinandersetzungen über Strategie und Unternehmensführung.
Der umstrittene Mann hinter dem Deal
Mike Ashley gehört zu den schillerndsten und zugleich umstrittensten Figuren der britischen Wirtschaft.
Der Unternehmer gründete Sports Direct und baute daraus eines der größten Einzelhandelsunternehmen Großbritanniens auf.
Für Schlagzeilen sorgte er jedoch nicht nur wegen seiner Geschäfte:
- Er bezeichnete kritische Investoren einst als „Heulsusen“.
- Sports Direct wurde wiederholt wegen Arbeitsbedingungen kritisiert.
- Bei einem Geschäftstreffen soll er nach zwölf Bier in einen Kamin erbrochen haben.
- Als Eigentümer von Newcastle United machte er sich bei vielen Fans unbeliebt – unter anderem durch die vorübergehende Umbenennung des traditionsreichen St. James‘ Park in „Sports Direct Arena“.
Was bedeutet das für Hugo Boss?
Sollte die Übernahme gelingen, würde eine der bekanntesten deutschen Modemarken unter die Kontrolle eines britischen Einzelhandelskonzerns geraten.
Frasers betont zwar, langfristig an Hugo Boss interessiert zu sein und unterstützt offiziell die aktuelle Unternehmensführung.
Dennoch dürfte die Offerte in Deutschland genau beobachtet werden. Schließlich geht es um einen Konzern, der als eines der Aushängeschilder der deutschen Modeindustrie gilt.
Ob Hugo Boss künftig tatsächlich Teil des Ashley-Imperiums wird, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden. Fest steht: Der Brite hat seinen bislang wohl ambitioniertesten Übernahmeversuch gestartet.
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