Ein Jahr Regierung Merz – und Deutschland erlebt ein politisches Kunststück: Eine Koalition, die sich eigentlich nicht ausstehen kann, aber trotzdem jeden Tag aufs Neue beschließt, es doch noch miteinander zu versuchen. Aus Liebe? Nein. Aus Alternativlosigkeit.
Der Start war schon vielversprechend: Zwei Wahlgänge, um überhaupt Kanzler zu werden. Quasi ein politischer Fehlstart mit Ansage. Und ein Jahr später? Die Umfragen sagen höflich formuliert: schwierig. Unhöflich formuliert: Die Wähler schauen sich schon mal nach Ersatz um.
CDU und SPD liegen gemeinsam irgendwo zwischen „naja“ und „bitte nicht nochmal“, während die AfD entspannt von vorne winkt. Die SPD kratzt an der 12-Prozent-Marke und wirkt dabei ungefähr so stabil wie ein Kartenhaus im Ventilatorbetrieb.
Merz erklärt derweil, er habe viel Spielraum – aber keine „Vollmacht, die CDU umzubringen“. Was schon mal beruhigend ist. Die SPD kontert sinngemäß: „Wir haben uns doch schon verbogen wie ein Yoga-Kurs auf Speed!“ – aber irgendwie fühlt sich trotzdem keiner abgeholt.
Das eigentliche Problem: Diese Koalition streitet nicht hinter verschlossenen Türen wie Profis, sondern öffentlich, laut und mit Kommentarfunktion. Ergebnis: Die Bevölkerung hat den Eindruck, die Regierung beschäftige sich vor allem mit sich selbst – was, fairerweise, auch nicht komplett falsch ist.
Trennen will man sich trotzdem nicht. Warum auch? Die Alternativen sind ungefähr so attraktiv wie ein Montagmorgen ohne Kaffee. Minderheitsregierung? Bloß nicht. AfD-Tolerierung? Auf gar keinen Fall. Also bleibt man zusammen – aus Prinzip und Panik.
Inhaltlich versucht man parallel, Reformen durchzudrücken. Sparpakete, Renten, Steuern – alles auf einmal, alles mit Streitgarantie. Jede Entscheidung wirkt ein bisschen wie ein Kompromiss, bei dem am Ende beide Seiten unzufrieden sind. Deutsche Gründlichkeit, aber emotional.
Und dann ist da noch die Kommunikation. Merz gibt selbst zu, dass er da „noch besser werden kann“. Was ungefähr so klingt wie: „Ich weiß, dass es nicht gut läuft, aber ich arbeite dran.“ Seine Aussagen sorgen regelmäßig für neue Debatten – die er dann anschließend wieder beruhigen darf. Quasi politisches Feuerlegen mit anschließender Löschübung.
Sein Fazit: Noch kein Kanzler habe so viel Kritik aushalten müssen. Das Publikum reagiert darauf mit einem kollektiven Augenrollen und verleiht ihm inoffiziell den Titel „Mimimi-Kanzler“.
Unterm Strich bleibt eine Regierung, die sich einig ist – dass sie sich uneinig ist. Und genau darin erstaunlich konstant.
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