Allgemeines

Merz im Mai

moinzon (CC0), Pixabay
Teilen

Ein Jahr Regierung Merz – und Deutschland erlebt ein politisches Kunststück: Eine Koalition, die sich eigentlich nicht ausstehen kann, aber trotzdem jeden Tag aufs Neue beschließt, es doch noch miteinander zu versuchen. Aus Liebe? Nein. Aus Alternativlosigkeit.

Der Start war schon vielversprechend: Zwei Wahlgänge, um überhaupt Kanzler zu werden. Quasi ein politischer Fehlstart mit Ansage. Und ein Jahr später? Die Umfragen sagen höflich formuliert: schwierig. Unhöflich formuliert: Die Wähler schauen sich schon mal nach Ersatz um.

CDU und SPD liegen gemeinsam irgendwo zwischen „naja“ und „bitte nicht nochmal“, während die AfD entspannt von vorne winkt. Die SPD kratzt an der 12-Prozent-Marke und wirkt dabei ungefähr so stabil wie ein Kartenhaus im Ventilatorbetrieb.

Merz erklärt derweil, er habe viel Spielraum – aber keine „Vollmacht, die CDU umzubringen“. Was schon mal beruhigend ist. Die SPD kontert sinngemäß: „Wir haben uns doch schon verbogen wie ein Yoga-Kurs auf Speed!“ – aber irgendwie fühlt sich trotzdem keiner abgeholt.

Das eigentliche Problem: Diese Koalition streitet nicht hinter verschlossenen Türen wie Profis, sondern öffentlich, laut und mit Kommentarfunktion. Ergebnis: Die Bevölkerung hat den Eindruck, die Regierung beschäftige sich vor allem mit sich selbst – was, fairerweise, auch nicht komplett falsch ist.

Trennen will man sich trotzdem nicht. Warum auch? Die Alternativen sind ungefähr so attraktiv wie ein Montagmorgen ohne Kaffee. Minderheitsregierung? Bloß nicht. AfD-Tolerierung? Auf gar keinen Fall. Also bleibt man zusammen – aus Prinzip und Panik.

Inhaltlich versucht man parallel, Reformen durchzudrücken. Sparpakete, Renten, Steuern – alles auf einmal, alles mit Streitgarantie. Jede Entscheidung wirkt ein bisschen wie ein Kompromiss, bei dem am Ende beide Seiten unzufrieden sind. Deutsche Gründlichkeit, aber emotional.

Und dann ist da noch die Kommunikation. Merz gibt selbst zu, dass er da „noch besser werden kann“. Was ungefähr so klingt wie: „Ich weiß, dass es nicht gut läuft, aber ich arbeite dran.“ Seine Aussagen sorgen regelmäßig für neue Debatten – die er dann anschließend wieder beruhigen darf. Quasi politisches Feuerlegen mit anschließender Löschübung.

Sein Fazit: Noch kein Kanzler habe so viel Kritik aushalten müssen. Das Publikum reagiert darauf mit einem kollektiven Augenrollen und verleiht ihm inoffiziell den Titel „Mimimi-Kanzler“.

Unterm Strich bleibt eine Regierung, die sich einig ist – dass sie sich uneinig ist. Und genau darin erstaunlich konstant.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Milliardenprofite im Schatten des Iran-Krieges

Während Verbraucher weltweit unter steigenden Energiepreisen, Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit leiden, verzeichnen...

Allgemeines

Internationale Cyberattacke legt Universitäten und Schulen lahm

Eine groß angelegte Cyberattacke hat weltweit tausende Schulen und Universitäten getroffen und...

Allgemeines

Iran wirft USA „militärisches Abenteuer“ vor – Lage im Persischen Golf eskaliert weiter

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran verschärfen sich trotz offizieller...

Allgemeines

College Football vor dem Ausverkauf? Trainer drängen auf 24-Team-Playoff

Im US-College-Football bahnt sich die nächste gigantische Ausweitung der Playoffs an –...